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Private-Equity-Fonds kassieren Millionen auf unrealisierte Buchgewinne

Manche PE-Manager verlangen hohe Erfolgsgebühren, bevor Gewinne tatsächlich realisiert wurden – mit teils atemberaubenden Summen.

Private-Equity-Fonds kassieren Millionen auf unrealisierte Buchgewinne

Private-Equity-Fonds, die sich an wohlhabende Privatanleger richten, stehen zunehmend in der Kritik: Einige Fondsmanager stellen ihren Investoren hohe erfolgsabhängige Gebühren in Rechnung, obwohl die ausgewiesenen Gewinne noch gar nicht realisiert wurden. Die Erträge basieren lediglich auf der Höherbewertung illiquider, schwer zu bewertender Vermögenswerte – also auf Buchgewinnen, die noch nicht in echtes Geld umgewandelt wurden.

Ein besonders markantes Beispiel liefert der StepStone Private Venture and Growth Fund, auch bekannt unter dem Namen „Spring". Der Fonds erzielte für das am 31. März endende Geschäftsjahr eine Rendite von beeindruckenden 43 Prozent. Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich: Fast alle Gewinne des 6,5 Milliarden US-Dollar schweren Fonds stammen aus der Neubewertung illiquider Vermögenswerte, darunter Beteiligungen an privaten Investmentfonds.

Buchgewinne dominieren, reale Erträge kaum vorhanden

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die unrealisierten Nettogewinne des Fonds beliefen sich im vergangenen Geschäftsjahr auf 1,87 Milliarden US-Dollar. Dem gegenüber standen realisierte Nettogewinne von lediglich 3 Millionen US-Dollar. Die einzigen weiteren tatsächlichen Kapitalerträge waren Dividenden und Zinsen in Höhe von 16,7 Millionen US-Dollar – ein verschwindend geringer Anteil im Vergleich zu den ausgewiesenen Buchgewinnen.

Ein Teil der Wertsteigerungen entstand dabei auf eine besondere Weise: Der Fonds erwarb Anteile an anderen Fonds mit einem Abschlag auf den ausgewiesenen Nettoinventarwert und wertete diese anschließend sofort auf. Diese Praxis ermöglicht es, Buchgewinne nahezu unmittelbar nach dem Kauf auszuweisen, ohne dass tatsächliche Verkaufserlöse erzielt wurden.

Gebühren in dreistelliger Millionenhöhe trotz kaum realer Erträge

Trotz der minimalen realisierten Gewinne stellte Spring während des Geschäftsjahres 271,3 Millionen US-Dollar an Performance-Gebühren zurück – berechnet als Prozentsatz der ausgewiesenen Gewinne. Hinzu kamen reguläre Managementgebühren in Höhe von 56,8 Millionen US-Dollar. Die Performance-Gebühr wird jährlich am Ende des Kalenderjahres an den Fondsmanager ausgezahlt, eine Tochtergesellschaft der börsennotierten StepStone Group.

Auf Nachfrage bestätigte StepStone, dass der für das Kalenderjahr 2025 tatsächlich ausgezahlte Barbetrag 185 Millionen US-Dollar betrug. Dies entspricht fast 4 Prozent des Nettovermögens des Fonds zum 31. Dezember – eine erhebliche Summe, die direkt aus dem Fondsvermögen der Anleger entnommen wurde, bevor auch nur ein Großteil der zugrundeliegenden Gewinne realisiert war.

Was bedeutet das für Privatanleger?

Für deutsche Privatanleger, die zunehmend Zugang zu Private-Equity-Produkten erhalten, ist dieser Fall ein wichtiges Warnsignal. Die Gebührenstruktur vieler PE-Fonds sieht vor, dass Erfolgsgebühren – sogenannte Performance Fees oder Carried Interest – auf Basis von Bewertungsgewinnen anfallen können, nicht erst bei tatsächlichen Verkaufserlösen. Das bedeutet: Fondsmanager profitieren unmittelbar von steigenden Bewertungen, während Anleger das Risiko tragen, dass diese Bewertungen sich später als zu hoch erweisen.

Das alte Sprichwort, man solle die Küken nicht zählen, bevor sie geschlüpft sind, gilt offenbar nicht für alle Akteure im Private-Equity-Markt. Anleger sollten daher bei der Auswahl von PE-Produkten besonders auf die genauen Bedingungen für die Erhebung von Performance-Gebühren achten und prüfen, ob diese an realisierte oder lediglich an buchhalterisch ausgewiesene Gewinne geknüpft sind.

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