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Private-Credit-Versicherer bereiten sich auf Klagewelle vor

Steigende Prämien und härtere Bedingungen: D&O-Versicherer reagieren auf wachsende Risiken in der Private-Credit-Branche.

Private-Credit-Versicherer bereiten sich auf Klagewelle vor

Versicherer, die Schutz für Führungskräfte und Vorstände von Private-Credit-Firmen anbieten, schlagen Alarm. Sie rechnen mit einer Welle von Klagen und regulatorischen Maßnahmen gegen die Branche und reagieren bereits mit höheren Prämien sowie strengeren Vertragsbedingungen. Damit gerät die Private-Credit-Branche nun auch auf dem Versicherungsmarkt unter Druck – nachdem sie zuvor bereits Investoren und Regulierungsbehörden in Unruhe versetzt hatte.

Beim Versicherungsmakler Marsh stiegen die Prämien für die Verlängerung von D&O-Versicherungen (Directors and Officers) in der Gruppe, die Private Credit und Private Equity abdeckt, im ersten Quartal um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das berichtet Managing Director William Fahey. Für börsennotierte Unternehmen insgesamt blieben die Prämien im gleichen Zeitraum hingegen weitgehend stabil. Mehrere Versicherungsexperten schätzen, dass es bald zu zweistelligen Prämienerhöhungen im Vergleich zum Vorjahr kommen könnte.

Bewertungsfragen und KI-Risiken als Treiber

Im Kern der Sorgen stehen Fragen rund um die Bewertung von Kreditportfolios. Private-Credit-Firmen werden derzeit von einer Flut von Rücknahmeanträgen betroffener Investoren heimgesucht, die befürchten, dass ihre Portfolios nicht korrekt bewertet werden. Diese Bedenken hinsichtlich der Bewertungen und Offenlegungen werden zusätzlich durch das Engagement der Fonds in Softwareunternehmen befeuert. Einige Marktteilnehmer befürchten, dass diese Unternehmen durch den Aufstieg der künstlichen Intelligenz obsolet werden könnten.

„Es gibt derzeit ein akutes Risiko, und man weiß nicht, wie sich das auswirken wird", sagte David Guild, Leiter der Finanzsparten beim Versicherer MSIG USA. Diese Unsicherheit treibt die Versicherer dazu, nicht nur die Prämien anzuheben, sondern auch die Bedingungen für die Erneuerung oder den Abschluss neuer Policen zu verschärfen. Für Führungskräfte in der Branche bedeutet das: Schutz wird teurer und schwerer zu bekommen.

Hintergrund: Was ist Private Credit?

Private Credit bezeichnet Kredite, die nicht über öffentliche Kapitalmärkte, sondern direkt von spezialisierten Fonds an Unternehmen vergeben werden. Diese Anlageklasse hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen, da Banken nach der Finanzkrise strengere Regulierungen unterlagen und sich aus bestimmten Kreditbereichen zurückzogen. Für institutionelle Investoren galten Private-Credit-Fonds lange als attraktive Renditequelle – doch die mangelnde Transparenz bei der Bewertung der Portfolios ist seit jeher ein Kritikpunkt.

D&O-Versicherungen, also Haftpflichtversicherungen für Direktoren und leitende Angestellte, schützen Führungskräfte vor persönlicher Haftung bei Klagen von Aktionären, Investoren oder Behörden. Sie sind ein wichtiger Indikator für das wahrgenommene Risiko in einer Branche: Steigen die Prämien, signalisiert der Versicherungsmarkt erhöhte Gefahr. Dass die Prämien im Private-Credit-Segment nun deutlich stärker steigen als im Gesamtmarkt, ist daher ein aussagekräftiges Signal.

Für deutsche Privatanleger, die in Private-Credit-Fonds oder entsprechende Dachfonds investiert sind, unterstreicht die Entwicklung die Bedeutung von Transparenz und unabhängiger Bewertung bei illiquiden Anlageklassen. Die Signale aus dem Versicherungsmarkt deuten darauf hin, dass die Branche vor einer Phase erhöhter rechtlicher und regulatorischer Prüfung steht.

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