Private Credit unter Druck: HSBC-Verlust und FSB-Warnung erschüttern Branche
Regulierungsbehörden weltweit schlagen Alarm: Der 3,5-Billionen-Dollar-Markt für Private Credit gerät zunehmend unter Druck.

Der Private-Credit-Markt steht vor wachsenden Herausforderungen. Ein hoher Verlust der britischen Großbank HSBC im Zusammenhang mit ihrem Kredit an die von Apollo unterstützte Einheit Atlas SP sowie die Finanzierung von Market Financial Solutions (MFS) haben die Aufmerksamkeit auf die Risiken in der 3,5 Billionen Dollar schweren Branche gelenkt. Obwohl der HSBC-Verlust laut Berichten eher auf betrügerische Praktiken als auf strukturelle Schwächen im Private-Credit-Sektor zurückzuführen ist, verdeutlicht er dennoch, warum Regulierungsbehörden weltweit zunehmend besorgt sind.
Im Kern der Debatte steht die oft indirekte und undurchsichtige Natur der Kreditvergabe im Private-Credit-Bereich. Banken sind häufig auf verschlungenen Wegen in diesen Markt involviert – ein Umstand, der die Risikoüberwachung erheblich erschwert und Regulierungsbehörden seit Jahren beschäftigt.
FSB schlägt Alarm: Transparenz und Konzentration als Hauptrisiken
Das Financial Stability Board (FSB), der globale Finanzwächter mit Sitz in Basel, hat nun offiziell vor den wachsenden Risiken gewarnt, die aus den zunehmenden Verbindungen zwischen Banken und dem Private-Credit-Markt entstehen. Das FSB nennt dabei drei zentrale Problembereiche: potenziell steigende Zahlungsausfälle, eine hohe Konzentration von Investitionen sowie einen allgemeinen Mangel an Transparenz innerhalb des Sektors. Diese Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt ohnehin unter Druck steht.
Parallel dazu beobachtet Reuters eine interessante Verschiebung in der Kreditlandschaft: Einige US-Kreditnehmer wenden sich von Private Credit ab und entscheiden sich stattdessen für bankgeführte Konsortialkredite. Der Grund ist wirtschaftlicher Natur – die Finanzierungskonditionen im Private-Credit-Markt werden weniger wettbewerbsfähig, während traditionelle Bankfinanzierung für bestimmte Unternehmen erheblich günstiger wird. Diese Neugewichtung könnte langfristig das Kräfteverhältnis zwischen privaten Kreditfonds und klassischen Banken verschieben.
Blackstone und BlackRock senken Fondsbewertungen
Besonders der Softwaresektor belastet derzeit die Ergebnisse börsennotierter Business Development Companies (BDCs). Die führenden Vermögensverwalter Blackstone und BlackRock haben beide die Bewertungen ihrer Private-Credit-Fonds im ersten Quartal gesenkt. BlackRock reduzierte den Wert eines Fonds um 5 Prozent, während der Secured Lending Fund von Blackstone einen Rückgang des Nettoinventarwerts pro Aktie um 2,4 Prozent verzeichnete.
Auch Blue Owl, dessen börsennotierter Private-Credit-Fonds OBDC der größte seiner Art ist, reagiert auf die Entwicklungen: Das Unternehmen plant, sein Engagement im Softwaresektor zu reduzieren. Als Begründung nennt Blue Owl die branchenweite Neubewertung von Bewertungen und Wachstumsaussichten sowie den verstärkten Wettbewerb bei der Kreditvergabe im Softwarebereich.
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Zur AktienanalyseFälligkeitswelle erst ab 2027 erwartet
Trotz der aktuellen Belastungen gibt es einen beruhigenden Aspekt für Investoren: Eine unmittelbar bevorstehende Welle von Kreditfälligkeiten, die sofortige Refinanzierungen erfordern würden, ist nicht in Sicht. Eine Reuters-Analyse, die auf Einreichungen bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC von insgesamt 74 Private-Credit-Fonds basiert, zeigt, dass signifikante Fälligkeitstermine für Private-Credit-Kreditnehmer im Allgemeinen erst in den Jahren 2027 und 2028 liegen.
Für deutsche Privatanleger, die in Private-Credit-Produkte oder entsprechende Fonds investiert sind oder dies erwägen, bleibt die Lage damit zweigeteilt: Kurzfristig sind die Risiken überschaubar, mittelfristig jedoch könnten steigende Ausfallraten, sinkende Bewertungen und regulatorischer Druck die Renditeerwartungen dämpfen. Die Entwicklungen rund um HSBC, FSB und die großen Vermögensverwalter sollten dabei aufmerksam verfolgt werden.


