Private Credit: Investor kämpft um Rückzug von 80 Millionen Dollar
Ein US-Vermögensverwalter wollte rechtzeitig aus einem Private-Credit-Fonds aussteigen – und geriet dabei unter Druck.

Chad Hileman, Research-Leiter der Vermögensverwaltung Gibson Capital aus Wexford, Pennsylvania, hatte seine Kollegen überzeugt: Die Renditen eines Private-Credit-Fonds, in dem 80 Millionen Dollar an Kundengeldern steckten, wurden weniger attraktiv – und die Risiken stiegen. Der Entschluss zum Ausstieg war gefasst. Doch die Gelegenheit dazu lag noch Monate in der Zukunft.
Der betreffende Fonds – der Cliffwater Corporate Lending Fund mit einem Volumen von 33 Milliarden Dollar – erlaubte Kapitalrückzüge nur einmal pro Quartal. Hileman musste also auf das nächste Rückgabefenster warten. Genau in dieser Wartezeit begann sich die Lage im Private-Credit-Markt dramatisch zu verschlechtern.
Alarmsignale häufen sich
Zwei aufsehenerregende Insolvenzen schürten Ängste unter Investoren. JPMorgan-Chef Jamie Dimon warnte öffentlich, dass noch weitere „Kakerlaken" im Verborgenen lauern könnten – ein deutliches Signal, dass die Risikolage im Markt für Unternehmenskredite ernst zu nehmen sei. Zusätzlich blies der Private-Credit-Manager Blue Owl Capital die geplante Fusion zweier seiner Fonds ab, nachdem Anleger Beschwerde eingelegt hatten.
Hileman wuchs die Sorge, dass der Fondsmanager sein vertraglich verankertes Recht zur Begrenzung von Rücknahmen ausüben könnte – insbesondere dann, wenn viele Anleger gleichzeitig den Ausstieg suchten. „Wir dachten, wir wären früh dran, und dann wurden wir nervös, dass wir doch nicht früh genug waren", sagte Hileman. Die Frage, ob das Geld seiner Kunden im Fonds feststecken könnte, ließ ihn nicht los.
Massenabzüge zwingen Fonds zur Beschränkung
Die Befürchtungen erwiesen sich als berechtigt. Im ersten Quartal dieses Jahres versuchten Anleger, fast 20 Milliarden Dollar aus Private-Credit-Fonds abzuziehen, die Kredite an hochverschuldete mittelständische Unternehmen vergeben. Der Ansturm war so groß, dass die Fonds Rücknahmen beschränken mussten. Auch der Cliffwater Corporate Lending Fund, in den Gibson Capital investiert hatte, blieb davon nicht verschont.
Im zweiten Quartal beschleunigten sich die Rücknahmeanträge weiter. Anleger müssen nun Schlange stehen, um ihr Geld zurückzuerhalten – ein Szenario, das im Private-Credit-Markt lange als unwahrscheinlich galt. Private Credit, also direkte Kreditvergabe außerhalb des klassischen Bankensystems, hatte in den vergangenen Jahren enormen Zulauf erfahren, da die Renditen attraktiv und die Ausfallraten gering schienen.
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Zur AktienanalyseLiquiditätsrisiko rückt in den Fokus
Der Fall Gibson Capital verdeutlicht ein strukturelles Problem, das Kritiker des Private-Credit-Booms seit Jahren ansprechen: die eingeschränkte Liquidität solcher Fonds. Anders als börsengehandelte Produkte lassen sich Anteile an Private-Credit-Fonds nicht jederzeit verkaufen. Rückgabefenster, die nur quartalsweise geöffnet werden, können Anleger in turbulenten Marktphasen in eine Zwickmühle bringen – zu spät zum Ausstieg, zu früh für Entwarnung.
Für deutsche Privatanleger und institutionelle Investoren, die in den vergangenen Jahren ebenfalls verstärkt auf Private Credit gesetzt haben, liefert dieser Fall eine wichtige Lektion: Illiquiditätsprämien kommen nicht ohne Risiko. Wer in solche Strukturen investiert, muss die Bedingungen für Rücknahmen genau kennen – und im Zweifel früh handeln.


