Preos AG vor der Insolvenz
Zinsstundung abgelehnt – Millionenforderung zwingt Immobilienkonzern in die Knie

Der Büroimmobilienkonzern Preos AG aus Frankfurt steht kurz vor der Insolvenz. Das Unternehmen gab bekannt, dass es verpflichtet sei, bis zum 1. Juli 2024 einen Insolvenzantrag zu stellen. Dieser Schritt folgt auf die Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) in Frankfurt, eine Stundung der fälligen Zinsen nicht zu genehmigen. Die Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK) schätzt, dass der fällige Betrag bei fünf Millionen Euro liegt, was für den Konzern eine unüberwindbare finanzielle Belastung darstellt. Laut den Anwälten von Preos sei das Unternehmen nicht in der Lage, diesen Betrag zu bezahlen und habe keine verfügbaren Mittel mehr.
Die Krise des Unternehmens zieht sich bereits seit mehreren Monaten hin und eskalierte im November, als Preos bekannt gab, nicht über genügend Liquidität zu verfügen, um die Zinsen der 2024 fälligen Anleihe zu zahlen. Die Rückzahlung der geliehenen 250 Millionen Euro sei ebenfalls unsicher. Restrukturierungsmaßnahmen seien zwingend erforderlich, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Der Investor Thomas Olek, der als wichtiger Akteur hinter Preos steht, kontrolliert ein Netzwerk von Firmen, zu denen auch die Neon Equity AG und die Publity AG gehören. Publity hält nahezu alle Anteile an Preos, und Investoren vermuten, dass bei Olek alle Fäden zusammenlaufen.
Die von Preos vorgeschlagene Umschuldung der Anleihe beinhaltete die Stundung der jährlichen Zinsen von 7,5 Prozent und den zwangsweisen Umtausch der Anleihen in Aktien, wodurch die Gläubiger zu Minderheitsaktionären geworden wären. Im Insolvenzfall hätten sie wahrscheinlich keine Rückzahlung erhalten. Trotz der Argumentation von Preos, dass diese Maßnahmen einen Neustart ermöglichen würden, stieß der Plan auf erheblichen Widerstand. Anleihegläubiger mit Wertpapieren im Umfang von 40 Millionen Euro wehrten sich gegen die Vorschläge. Sie befürchteten, dass die Gesellschafterseite verdeckt Einfluss auf die Abstimmungen genommen habe.
Kurz vor den Abstimmungen wurden große Anleihepakete in undurchsichtigen Geschäften auf Dritte übertragen, die dann die notwendige Stimmenmehrheit sicherten. Die Richter des OLG sahen darin einen schwerwiegenden Rechtsverstoß und wiesen die Stundungsanträge zurück. Die SdK und andere Gläubiger klagten gegen die Beschlüsse, was zu langwierigen Hauptsacheverfahren führen dürfte.
Anfang Juni erließ das Landgericht Frankfurt eine Einstweilige Verfügung, die die Stundung der Zinsen untersagte, wodurch die Frist zur Zahlung oder zur Insolvenzanmeldung spätestens seit dem 9. Juni tickte. Das OLG entschied letztlich gegen die Freigabe der Restrukturierung. Der Vorstand beider Gesellschaften, Frank Schneider, äußerte sich nicht dazu, welche Auswirkungen die Insolvenz von Preos auf die Muttergesellschaft Publity haben könnte.
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Zur AktienanalyseSdK-Vorstand Daniel Bauer begrüßte die Gerichtsentscheidung und betonte die Notwendigkeit, dass unabhängige Personen als Insolvenzverwalter und für den Gläubigerausschuss bestellt werden. Dies sei essenziell, um die undurchsichtigen Vorgänge der Vergangenheit aufzuklären. Da Preos keine Immobilien mehr besitzt, dürften die Verkäufe der letzten sechs Monate intensiv untersucht werden. Zu den prominentesten Verkäufen gehören das Sky-Hauptquartier in Unterföhring und der Access Tower in Frankfurt am Main, deren Kaufpreise nicht genannt wurden.


