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Prada verkauft indische Kolhapuri-Sandalen nach Kritik an kultureller Aneignung

Nach heftiger Kritik wegen kultureller Aneignung bringt Prada nun eine limitierte Kollektion handgefertigter Kolhapuri-Sandalen aus Indien auf den Markt.

Prada verkauft indische Kolhapuri-Sandalen nach Kritik an kultureller Aneignung

Das italienische Luxusmodehaus Prada hat eine limitierte Sandalen-Kollektion lanciert, die von den traditionellen indischen Kolhapuri-Sandalen inspiriert ist. Die Schuhe kosten 750 Euro pro Paar und werden von Kunsthandwerkern in den indischen Bundesstaaten Maharashtra und Karnataka handgefertigt – genau dort, wo diese Sandalen seit Jahrhunderten traditionell hergestellt werden. Die Kollektion ist in 40 Prada-Filialen weltweit sowie online erhältlich.

Der Schritt kommt fast ein Jahr, nachdem Prada im Juni 2025 massiv in die Kritik geraten war. Damals präsentierte das Modehaus bei einer Modenschau in Mailand ähnliche Entwürfe, ohne auf deren indischen Ursprung hinzuweisen. Die Marke bezeichnete das Schuhwerk mit Zehenschlaufe schlicht als „Ledersandalen". Erst nach dem öffentlichen Aufschrei erkannte Prada die indischen Wurzeln des Designs offiziell an.

Jahrhundertealtes Handwerk trifft Luxuspreise

Kolhapuri-Sandalen sind nach der Stadt Kolhapur in Maharashtra benannt und lassen sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Sie werden traditionell aus Leder gefertigt, wobei häufig natürliche Farbstoffe zum Einsatz kommen, die für heißes Klima geeignet sind. Im Jahr 2019 verlieh die indische Regierung den Sandalen den Status einer geschützten geografischen Angabe (Geographical Indication) – eine Zertifizierung, die ihre regionale Herkunft und Authentizität anerkennt.

Der Preisunterschied zwischen dem Original und der Luxusversion ist enorm: In Indien werden Kolhapuri-Sandalen üblicherweise für 500 bis 1.000 Rupien verkauft – umgerechnet etwa 5 bis 6 Euro. Pradas Version kostet dagegen 750 Euro pro Paar, also rund das 150-fache. Dieser Kontrast verdeutlicht eine Debatte, die in der Modewelt seit Jahren geführt wird: Wer profitiert, wenn internationale Luxusmarken traditionelle Designs aus Entwicklungsländern aufgreifen?

Prada beschreibt die neue Linie als Verbindung „traditioneller Techniken mit zeitgenössischem Design und hochwertigen Materialien", die einen „Dialog zwischen indischem Erbe und modernem Luxusausdruck" schaffe. Lorenzo Bertelli, Leiter der Abteilung für unternehmerische Sozialverantwortung der Prada-Gruppe, erklärte, die Initiative ziele darauf ab, Kunsthandwerker durch die Stärkung ihrer Fähigkeiten, die Bewahrung traditionellen Wissens und die Unterstützung lokaler Gemeinschaften zu fördern.

Dreijähriges Ausbildungsprogramm für 180 Kunsthandwerker

Neben der Kollektion kündigte Prada ein dreijähriges Ausbildungsprogramm an. Es richtet sich an Kunsthandwerker aus acht indischen Distrikten, die mit der Herstellung von Kolhapuri-Sandalen verbunden sind. Das Programm wurde in Zusammenarbeit mit zwei indischen Designinstituten entwickelt und soll 180 Kunsthandwerker in sechsmonatigen Modulen schulen.

Einigen Teilnehmern könnte zudem die Möglichkeit geboten werden, ihre Ausbildung an der Prada Group Academy in Italien fortzusetzen. Tanu Kashyap, Generaldirektorin des National Institute of Fashion Technology – einer der Partnerinstitutionen –, betonte, das Programm werde auch dazu beitragen, das traditionelle indische Handwerk auf globalen Märkten bekannter zu machen.

Die Debatte um Kolhapuri-Sandalen steht stellvertretend für ein breiteres Problem in der Modeindustrie. Designer und Branchenexperten äußern seit Langem Besorgnis über die mangelnde Anerkennung und die geringen Erlöse für Kunsthandwerker, wenn internationale Marken traditionelle Designs aus Indien und anderen Ländern übernehmen. Ob Pradas Initiative als echte Wiedergutmachung oder als PR-Maßnahme gewertet wird, bleibt in der Branche umstritten.

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