Polens Nationalbank hält Leitzins trotz sinkender Inflation bei 3,75%
Die NBP belässt ihren Leitzins unverändert – Unsicherheiten im Nahen Osten und drohender Preisanstieg machen Vorsicht nötig.

Die polnische Nationalbank (NBP) hat ihren Leitzins am Mittwoch erneut bei 3,75% belassen. Damit setzt der Geldpolitische Rat seine abwartende Haltung fort – bereits zum vierten Mal in Folge bleibt der Schlüsselzinssatz unverändert. Die Entscheidung kam für Marktbeobachter nicht überraschend: Alle 29 Befragten einer am Montag veröffentlichten Umfrage hatten genau dieses Ergebnis prognostiziert.
Als Begründung für die unveränderte Zinspolitik nannten Vertreter der Zentralbank zwei wesentliche Faktoren: die anhaltende Unsicherheit im Nahen Osten sowie die Erwartung eines künftig schnelleren Preiswachstums in Polen. Trotz der zuletzt rückläufigen Inflation sieht der Rat keinen Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik.
Inflation kehrt in Zielmitte zurück
Die polnische Inflationsrate verlangsamte sich im Juni auf 2,5% – nach 3,1% im Mai. Damit fiel die Teuerung sogar hinter die Erwartungen der Analysten zurück und kehrte in die Mitte des Zielkorridors der Zentralbank von 1,5% bis 3,5% zurück. Für die NBP ist das grundsätzlich eine positive Entwicklung, die jedoch noch keine geldpolitische Wende rechtfertigt.
Monika Kurtek, Chefökonomin der Bank Pocztowy, kommentierte die Entscheidung mit klaren Worten: „Die heutige Entscheidung des Geldpolitischen Rates ist keine Überraschung und hätte faktisch auch nicht anders ausfallen können. Die Inflation hat in den letzten zwei Monaten begonnen zu sinken und kehrte im Juni in die Mitte des Inflationsziels der NBP zurück." Kurtek ergänzte, dass dies den Rat „gewissermaßen von der Last befreit, Zinserhöhungen in Betracht ziehen zu müssen."
Risiken bleiben: Kraftstoffpreise und Naher Osten
Trotz der erfreulichen Inflationsdaten lauern zwei konkrete Risiken am Horizont. Zum einen läuft ein Regierungsprogramm zur Begrenzung von Kraftstoffpreiserhöhungen in naher Zukunft aus, was das Tempo des Preiswachstums wieder beschleunigen könnte. Zum anderen bleibt die geopolitische Lage im Nahen Osten ungewiss und könnte die internationalen Rohstoffmärkte beeinflussen.
Kurtek betonte daher: „Dies erfordert äußerste Vorsicht bei der Lockerung der Geldpolitik. In dieser Situation hat der Geldpolitische Rat keine andere Wahl, als abzuwarten und das Umfeld zu beobachten." Ihre Prognose für die kommenden Monate fällt eindeutig aus: Die Zinsen dürften, sofern keine großen Überraschungen eintreten, zumindest bis Ende des Jahres auf dem aktuellen Niveau verbleiben.
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Zur AktienanalyseAusblick: Glapinski-Pressekonferenz am Donnerstag
Für den weiteren Verlauf des Mittwochs wurden die offizielle Erklärung des Geldpolitischen Rates sowie neue Inflationsprognosen der Zentralbank erwartet. Am Donnerstag folgt die Pressekonferenz von NBP-Gouverneur Adam Glapinski, die weitere Einblicke in die Überlegungen des Rates liefern dürfte.
Glapinski hatte bereits im Juni erklärt, dass die polnischen Zinssätze auf einem angemessenen Niveau lägen und die sich verlangsamende Inflation die Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Straffung verringert habe. Für deutsche Anleger und Beobachter des mitteleuropäischen Wirtschaftsraums bleibt Polen damit ein Beispiel für eine vorsichtige, datengetriebene Zentralbankpolitik in einem unsicheren globalen Umfeld.


