Pirelli-Aktie steigt: Tschechische Milliardäre wollen Sinochem-Anteil kaufen
Zwei tschechische Milliardäre wollen einen Teil der Sinochem-Beteiligung an Pirelli erwerben – die Aktie reagiert positiv.

Die Aktien des italienischen Reifenherstellers Pirelli legten am Freitag zu, nachdem die italienische Tageszeitung Corriere della Sera am Donnerstag über konkretes Kaufinteresse zweier tschechischer Milliardäre berichtet hatte. Demnach haben Michal Strnad, Chef des Rüstungskonzerns Czechoslovak Group (CSG), und Pavel Tykac, Alleingesellschafter der Energiegruppe Se.ven Global Investment, Kontakt zu dem chinesischen Konglomerat Sinochem aufgenommen. Sinochem hält derzeit 34,1 % des Kapitals von Pirelli.
Das Duo strebe den Erwerb von zwischen 10 % und 20 % des Konzerns an, so die Zeitung unter Berufung auf mehrere Quellen. Pirelli weist eine Marktkapitalisierung von 7,5 Milliarden Euro auf. Strnad kontrolliert rund 85 % der an der Amsterdamer Börse notierten CSG, die selbst auf eine Marktkapitalisierung von etwa 14 Milliarden Euro kommt. Tykac wird ein persönliches Vermögen von 8 Milliarden Euro zugeschrieben.
Abschluss nicht garantiert – Preisvorstellungen kollidieren
Ein erfolgreicher Abschluss des Geschäfts ist allerdings keineswegs sicher. Dieselben Quellen betonten gegenüber dem Corriere, dass das Interesse der beiden Investoren bereits an den Preisvorstellungen von Sinochem gescheitert sei. Der chinesische Konzern hatte in der Vergangenheit bereits andere Annäherungsversuche von Investoren vereitelt. Einige Marktteilnehmer interpretieren Sinochems Haltung nicht als Verhandlungsposition, sondern als politisches Signal – China wolle sich nicht zum Rückzug aus einem westlichen Unternehmen drängen lassen.
Dieser Stillstand steht im Kontext von Maßnahmen der italienischen Regierung, die im vergangenen April unter Berufung auf ihre sogenannten „Golden Power"-Bestimmungen eingriffen. Rom ordnete an, dass Sinochem bei der Neubesetzung des Pirelli-Verwaltungsrats nur drei von 15 verfügbaren Kandidaten nominieren darf – und keiner davon darf für den Posten des Chief Executive Officer oder des Vorsitzenden vorgeschlagen werden. Sinochem focht diese Maßnahme gerichtlich an.
Auf der Aktionärsversammlung der vergangenen Woche setzte sich schließlich die von Camfin eingereichte Mehrheitsliste durch. Der neu zusammengesetzte Verwaltungsrat ernannte in der Folge Marco Tronchetti Provera zum exekutiven Vorsitzenden von Pirelli.
Pirelli investiert in Start-up-Technologie aus Neapel
Unabhängig von den Eigentümerfragen gab Pirelli eine weitere Neuigkeit bekannt: Der Konzern hat sich auf den Erwerb einer Beteiligung von 24,99 % an dem Start-up RIDEsense geeinigt. Das Unternehmen wurde aus der Universität Neapel Federico II und der MegaRide-Gruppe ausgegründet. Pirelli sicherte sich zudem eine Option zur Aufstockung der Beteiligung auf bis zu 100 %.
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Zur AktienanalyseDie Vereinbarung gewährt Pirelli eine Lizenz zur Integration der virtuellen Sensortechnologie von RIDEsense in sein Cyber™ Tyre-Ökosystem. Damit sollen Funktionen wie die Aquaplaning-Erkennung gestärkt werden. „Unsere Vereinbarung mit RIDEsense wird das Potenzial dieses Ökosystems weiter ausbauen, indem sie dessen Softwarekomponente stärkt, die das Herzstück von Cyber Tyre bildet", erklärte Piero Misani, Chief Technical Officer bei Pirelli.
Die RIDEsense-Geschäftsführer Flavio Farroni und Aleksandr Sakhnevych bezeichneten die Transaktion als „eine bedeutende Vereinbarung für Italien" und betonten, sie bringe „italienische Forschung und Industrie" hinter einer Technologie zusammen, die ihren Ursprung an der Universität Neapel Federico II habe.


