Pharmakonzerne im Rennen um die nächste Generation von Adipositas-Medikamenten
Auf der ADA-Konferenz in New Orleans präsentierten Pharmariesen neue Pillen, seltener dosierbare Spritzen und Wirkstoffe jenseits von GLP-1.

Die Pharmaindustrie hat gerade erst begonnen, GLP-1-Pillen auf den Markt zu bringen – und plant bereits die nächste Welle von Adipositas-Medikamenten. Auf den Scientific Sessions der American Diabetes Association (ADA) in New Orleans präsentierten führende Hersteller Ärzten und Investoren ihre Visionen für die Zukunft der Gewichtsreduktionstherapien. Im Mittelpunkt standen neue Wirkstoffe, seltener einzunehmende Präparate und Behandlungsansätze jenseits des etablierten GLP-1-Mechanismus.
Den Ton gab Eli Lilly vor: Das US-Pharmaunternehmen dominiert derzeit den Markt für Injektionspräparate und beeindruckte die Fachwelt mit Daten zu seinem experimentellen Dreifach-Agonisten Retatrutid, der bislang den stärksten Gewichtsverlust aller getesteten Wirkstoffe erzielte. Lilly hatte seine niedermolekulare Pille Foundayo bereits Anfang dieses Jahres eingeführt und ist damit Vorreiter im Segment der oralen Adipositas-Therapien.
Konkurrent Novo Nordisk zog nach und präsentierte ebenfalls Daten zu seiner GLP-1-Pille. Das dänische Unternehmen hob hervor, dass die Verschreibungen seiner Wegovy-Pille nur fünf Monate nach der Markteinführung bereits mehr als drei Millionen erreichten. Beide Konzerne argumentieren, dass orale Optionen deutlich mehr Patienten den Zugang zum Markt für Abnehmpräparate ermöglichen als Injektionen.
Neue Wettbewerber drängen auf den Markt
Hinter den beiden Marktführern formiert sich eine Welle neuer Anbieter. Structure Therapeutics und AstraZeneca veröffentlichten jeweils Daten aus der mittleren Phase klinischer Prüfungen ihrer eigenen GLP-1-Pillen. Sollten diese Medikamente in Phase-3-Studien erfolgreich sein, könnten sie voraussichtlich um das Jahr 2029 auf den Markt kommen – rund drei Jahre nach Lillys Foundayo. Ray Stevens, CEO von Structure Therapeutics, zeigte sich dennoch zuversichtlich und glaubt, dass der Markt bis dahin noch reichlich Platz für neue Anbieter bieten wird.
Pfizer präsentierte ebenfalls Daten aus der mittleren Studienphase für ein Injektionspräparat, das das Unternehmen durch die zehn Milliarden US-Dollar schwere Übernahme von Metsera erworben hat. Das Medikament zeigt das Potenzial für eine monatliche Verabreichung – ein klarer Vorteil gegenüber den derzeit üblichen wöchentlichen Spritzen, wie Pfizer betont.
Auch Amgen arbeitet an einem Präparat, das monatlich oder sogar vierteljährlich verabreicht werden könnte. Susan Sweeney, Executive Vice President für Adipositas und verwandte Erkrankungen bei Amgen, sieht darin einen erheblichen Vorteil für Patienten: Statt wöchentlicher Injektionen müssten sie nur noch viermal im Jahr an ihre Behandlung denken.
Blick über GLP-1 hinaus: Amylin als neues Ziel
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Zur AktienanalyseEinige Unternehmen forschen bereits über die etablierten Zielstrukturen GLP-1, GIP und Glucagon hinaus. Im Fokus steht dabei Amylin – ein weiteres Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird und das Sättigungsgefühl unterstützt. Neue Wirkstoffe in diesem Bereich könnten mit weniger Nebenwirkungen einhergehen als bisherige Therapien.
Zealand Pharma stellte auf der ADA-Konferenz Daten aus der mittleren Phase für ein Medikament namens Petrelintid vor, das gemeinsam mit dem Schweizer Pharmariesen Roche entwickelt wird. Das experimentelle Präparat zeigte in Studien vielversprechende Ergebnisse bei der Gewichtsreduktion der Probanden.
Der Adipositas-Markt entwickelt sich damit in einem bemerkenswerten Tempo. Während Millionen von Patienten weltweit – auch in Deutschland – auf bezahlbare und gut verträgliche Therapien warten, liefern sich die größten Pharmaunternehmen der Welt einen intensiven Wettlauf um die nächste Generation von Abnehmpräparaten. Für Anleger und Patienten gleichermaßen bleibt die Entwicklung in den kommenden Jahren hochspannend.


