Pfund und Euro unter Druck: Iran-Zweifel treiben Ölpreise vor FOMC
Irans Waffenstillstandsvorschlag stößt in Washington auf Ablehnung – Ölpreise steigen, Devisenmärkte reagieren nervös vor Fed-Entscheidung.

Das Britische Pfund und der Euro haben am Dienstag gegenüber dem US-Dollar nachgegeben. Auslöser war die kühle Reaktion Washingtons auf einen iranischen Vorschlag für ein befristetes Waffenstillstandsabkommen, das die Straße von Hormus wieder öffnen und gleichzeitig die Atomgespräche aufschieben würde. Die Unsicherheit an den Märkten lebte damit erneut auf, während die Ölpreise anzogen.
Um 08:35 Uhr ET (12:35 Uhr GMT) fiel GBP/USD um 0,5 Prozent auf 1,3476. EUR/USD verlor 0,3 Prozent auf 1,1691. Trotz des theoretisch dollarstützenden Umfelds tat sich der Greenback schwer, aus der Situation Kapital zu schlagen.
Dollar kämpft gegen zwei Gegenwindfaktoren
Francesco Pesole von ING erklärte, dass der Dollar „nur schwer glänzen kann", obwohl die Ölpreise gut unterstützt bleiben. Er identifizierte zwei wesentliche Belastungsfaktoren für die US-Währung:
- US-Aktien zeigen sich weiterhin bemerkenswert widerstandsfähig, während Korrekturen im Rest der Welt begrenzt bleiben. EUR/USD weist derzeit ein höheres Beta gegenüber globalen Aktien auf als gegenüber Öl oder Zinsdifferenzen – ein fehlendes Glied für eine nachhaltige Dollar-Rallye.
- Kapitalflüsse zum Monatsende wirken als mechanischer Gegenwind für den Dollar, da US-Aktien im April eine Outperformance erzielten.
Vor diesem Hintergrund schichteten die Märkte in Rohstoffwährungen mit hohem Beta um – darunter der Australische Dollar, der Neuseeländische Dollar, die Norwegische Krone und der Kanadische Dollar. Pesole warnte jedoch, dass diese Währungen anfällig für enttäuschende Quartalsergebnisse von Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta bleiben, die in dieser Woche ihre Zahlen vorlegen.
Sobald die Monatsendflüsse auslaufen, erwartet ING eine Beschleunigung der Dollargewinne – sofern es keine greifbaren Fortschritte bei den Verhandlungen am Golf gibt. Die US-Aktienindizes scheinen auf die bevorstehenden Unternehmensberichte sensibler zu reagieren als auf geopolitische Schlagzeilen.
Bank of Japan mit gespaltenem Votum – Zinserhöhung im Juni möglich
Die Bank of Japan (BoJ) ließ ihren Leitzins wie erwartet bei 0,75 Prozent unverändert. Das Abstimmungsergebnis von 6 zu 3 war jedoch das am stärksten geteilte in der Amtszeit von Gouverneur Kazuo Ueda und deutet auf eine wachsende Dynamik in Richtung weiterer geldpolitischer Normalisierung hin. Die Märkte preisen nun eine Wahrscheinlichkeit von 74 Prozent für eine BoJ-Zinserhöhung bei der Sitzung am 16. Juni ein – eine Entwicklung, die für die Richtung von USD/JPY in der zweiten Wochenhälfte relevant sein dürfte.
Am heutigen Dienstag richtet sich die Aufmerksamkeit teilweise auf die US-Verbrauchervertrauensdaten. Eine abwartende Haltung vor der FOMC-Entscheidung am Mittwoch dürfte die Volatilität bei USD-Paaren jedoch begrenzt halten.
EZB-Sitzung als dominierendes Risikoereignis für den Euro
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Zur AktienanalyseFür den Euro ist die EZB-Sitzung am Donnerstag das bestimmende Risikoereignis der Woche. Pesole stellte fest, dass EUR/USD derzeit rund 0,5 Prozent unter der Schätzung des kurzfristigen fairen Wertes von ING gehandelt wird. Stützende Zinsdifferenzen und die Widerstandsfähigkeit der Aktienmärkte gleichen dabei die Belastung durch den Ölpreis aus.
Die Zinserwartungen am Markt sind in der vergangenen Woche restriktiver geworden, was die Messlatte für die EZB höher legt. ING erwartet nicht, dass der EZB-Rat einer Zinserhöhung im Sommer eine Absage erteilt. Ein weiterhin vorsichtiger Ton könnte jedoch enttäuschen. Eine deutliche taubenhaftere Überraschung wäre laut ING erforderlich, um EUR/USD nachhaltig unter 1,1700 zu drücken – vorausgesetzt, der Optimismus bezüglich einer Lösung am Golf schwindet nicht weiter.
Beim Britischen Pfund bleibt die Richtung in dieser Woche weitgehend von der allgemeinen Dollar-Bewegung und der Risikostimmung abhängig. Spezifische Impulse seitens der Bank of England sind in naher Zukunft nicht zu erwarten.


