Pfund und Euro schwächer – EZB-Zinserhöhung verpufft gegen Dollar-Stärke
Die EZB hebt den Einlagenzins auf 2,25% an – doch Euro und Pfund geben trotzdem nach, weil die Märkte mehr erwartet hatten.

Das Pfund Sterling und der Euro stehen am Donnerstag unter Druck. Die weithin erwartete Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 25 Basispunkte konnte der Gemeinschaftswährung keinen Auftrieb verleihen. Die Märkte hatten diesen Schritt längst eingepreist – und genau das ist das Problem.
Um 08:31 Uhr ET (12:31 Uhr GMT) notierte das Währungspaar GBP/USD um 0,13% niedriger bei 1,3352. EUR/USD gab gleichzeitig um 0,08% auf 1,1528 nach. Beide Paare tendierten schwächer, da der EZB-Rat sich explizit weigerte, sich vorab auf einen künftigen Zinspfad festzulegen.
EZB lässt Märkte im Ungewissen
Die EZB hob ihren Einlagenzins auf 2,25% an und verwies dabei auf die durch den Krieg im Nahen Osten getriebene Energieinflation. Gleichzeitig revidierte die Notenbank ihre Prognose für die Gesamtinflation für 2026 nach oben – auf 3,0%. Die Wachstumsprognose für dasselbe Jahr wurde hingegen auf 0,8% gesenkt.
Das eigentliche Problem für den Euro: Ein Straffungszyklus von insgesamt 75 Basispunkten ist nach Einschätzung der Märkte bereits vollständig eingepreist. Ein weiterer Schritt um 25 Basispunkte bis September gilt ebenfalls als gesetzt. Damit fehlt der Gemeinschaftswährung ein neuer Richtungsimpuls. Die Hürde für eine hawkishe Überraschung, die den Euro wesentlich nach oben treiben könnte, war selten so hoch.
Für neue Dynamik bräuchte der Euro eine EZB, die die Tür für aufeinanderfolgende Zinsschritte öffnet. Davon war am Donnerstag jedoch keine Rede. Der kurzfristige Widerstand bei 1,1565/75 bleibt intakt. Ein Scheitern an diesem Niveau rückt die Marke von 1,1500 als nächste kritische Unterstützung in den Fokus – insbesondere falls die US-Erzeugerpreisdaten (PPI) im späteren Handelsverlauf höher als erwartet ausfallen sollten.
Dollar bleibt das dominierende Thema
Die allgemeine Stärke des US-Dollars ist das übergeordnete Thema an den Devisenmärkten. Trotz eines moderaten US-Kernverbraucherpreisindex für Mai von lediglich 0,2% im Monatsvergleich preisen die Märkte bis zum Jahresende weiterhin eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed um 25 Basispunkte ein. Der Dollar-Index (DXY) hält sich nahe der Marke von 100. Die heutige Veröffentlichung der Erzeugerpreise könnte ihn in den Bereich von 100,25/35 treiben.
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Zur AktienanalyseDie kurzfristigen Euro-Swapsätze bleiben erhöht und haben sich von der Rohölpreisentwicklung abgekoppelt. Dies signalisiert, dass das Narrativ der geldpolitischen Straffung durch die Zentralbank unabhängig von einzelnen Datenveröffentlichungen Bestand hat.
Die Schwäche des Pfunds folgt derselben Logik: Es handelt sich weniger um eine spezifische Verschlechterung der britischen Währung als vielmehr um eine breite Resilienz des US-Dollars. Die Bank of England hält sich weiterhin zurück, da kein inländischer Katalysator in Sicht ist. Der risikofreudige Charakter des sogenannten „Cable" (GBP/USD) macht das Währungspaar anfällig, falls die heutigen US-Makrodaten einen Abverkauf an den Aktienmärkten auslösen sollten.
Das ING-Ziel von 1,3300 für GBP/USD in dieser Woche bleibt in Sichtweite. Sollte das Dollar-Momentum erneut anziehen, wäre 1,3200 die nächste relevante Marke nach unten.


