Pfund schwächelt: Weißes Haus hält Dollar mit Nahost-Frist stark
Geopolitische Unsicherheit rund um den US-Iran-Konflikt stützt den Greenback und belastet das Britische Pfund spürbar.

Das Britische Pfund hat am Dienstag nachgegeben und notierte gegen 03:50 Uhr ET nahe 1,3234 US-Dollar. GBP/USD fiel dabei auf ein Intraday-Tief von 1,3211 Dollar – das 52-Wochen-Tief des Währungspaares liegt bei 1,2721 Dollar. Damit setzen sich die jüngsten Verluste des Pfunds gegenüber dem US-Dollar fort.
Haupttreiber der Dollar-Stärke ist die geopolitische Unsicherheit rund um eine Frist des Weißen Hauses im Zusammenhang mit dem US-Iran-Konflikt. Anleger warten auf Klarheit über ein mögliches Waffenstillstandsabkommen. Sollte keine Einigung erzielt werden, könnten militärische Maßnahmen der USA und Israels gegen die zivile Infrastruktur des Irans folgen – mit dem Risiko von Vergeltungsschlägen in der Golfregion.
Energiepreise als Schlüsselfaktor für den Dollar
Hohe Energiepreise spielen dabei eine zentrale Rolle. Weitere Kursgewinne bei Öl und Gas im Falle einer Eskalation wären laut ING-Stratege Chris Turner „eindeutig positiv für den Dollar". Die ING geht davon aus, dass der Dollar-Index (DXY) in einer Spanne von 100 bis 100,50 unterstützt bleibt.
Auch heimische US-Daten stützen den Greenback. Der Arbeitsmarktbericht für März überraschte am Freitag positiv. Die Märkte preisen den geldpolitischen Kurs der Federal Reserve für dieses Jahr derzeit als weitgehend unverändert ein – im Gegensatz zu den Erwartungen von zwei bis drei Zinserhöhungen bei anderen wichtigen Notenbanken. Stärkere Aktivitätsdaten und steigende Energiekosten könnten jedoch eine Verschiebung hin zur Einpreisung einer geldpolitischen Straffung durch die Fed auslösen, so die ING.
Im weiteren Wochenverlauf richten Anleger ihren Blick auf mehrere wichtige Datenpunkte. Am Mittwoch steht das Protokoll der FOMC-Sitzung vom 18. März auf dem Programm, am Freitag folgen die US-Verbraucherpreisdaten (CPI) für März. Erwartet wird ein Anstieg der US-Gesamtinflation im Jahresvergleich von 2,4 Prozent auf 3,4 Prozent. Zudem werden die Äußerungen des New Yorker Fed-Präsidenten John Williams, der als eher „taubenhaft" (dovish) gilt, auf eine mögliche Tonänderung hin beobachtet.
Euro und andere Währungen ebenfalls unter Druck
Auch der Euro bleibt schwach: EUR/USD notierte bei 1,1544 Dollar innerhalb einer Spanne von 1,1420 bis 1,1640. Die Märkte haben ihre Erwartungen für eine EZB-Zinserhöhung im April auf knapp unter 50 Prozent zurückgeschraubt, wenngleich für das Gesamtjahr noch immer eine Straffung um rund 75 Basispunkte eingepreist ist. Die ING warnte, dass der Euro weiter an Wert verlieren könnte, falls die Europäische Zentralbank trotz hoher Energiepreise im April auf einen Zinsschritt verzichtet.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseIn Mittel- und Osteuropa folgen die Märkte den globalen Entwicklungen. Für Tschechien wird im März aufgrund höherer Treibstoffkosten ein Inflationsanstieg erwartet. Die rumänische Zentralbank dürfte die Zinsen trotz zweistelliger Inflationsraten bei 6,50 Prozent belassen, die polnische Notenbank ihre Leitzinsen bei 3,75 Prozent unverändert lassen.
Im asiatisch-pazifischen Raum wird allgemein erwartet, dass die Reserve Bank of New Zealand die Zinsen am Mittwoch bei 2,25 Prozent beibehält. Der Neuseeland-Dollar blieb in diesem Jahr hinter dem Australischen Dollar zurück – ohne eine hawkishe Überraschung könnte sich dieser Trend fortsetzen. Eine geringere Liquidität im weiteren Wochenverlauf aufgrund von Feiertagen könnte Marktbewegungen im Zusammenhang mit geopolitischen Entwicklungen zusätzlich verstärken.


