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Pfund-Rally täuscht: ING sieht fundamentale Schwäche Großbritanniens

ING Economics warnt: Die jüngste Stärke des britischen Pfunds beruht auf Positionierungen und M&A – nicht auf soliden Fundamentaldaten.

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Pfund-Rally täuscht: ING sieht fundamentale Schwäche Großbritanniens

Das britische Pfund hat im vergangenen Monat gegenüber dem Euro rund 2% zugelegt – doch ING Economics warnt vor einer Fehlinterpretation dieser Bewegung. Laut den Analysten der niederländischen Großbank spiegelt die Rally keine echte Neubewertung britischer Vermögenswerte wider, sondern ist vor allem auf technische Faktoren wie Positionierungen, Carry-Trades und Fusions- und Übernahmeaktivitäten (M&A) zurückzuführen.

Besonders aufschlussreich ist dabei ein Widerspruch zwischen zwei Märkten: Am britischen Gilt-Markt – dem Markt für britische Staatsanleihen – ist weiterhin eine Risikoprämie für Großbritannien eingepreist. Beim Pfund selbst ist diese Prämie jedoch verschwunden. ING schlussfolgert daraus, dass Anleihe- und Devisenmärkte derzeit „unterschiedliche Geschichten über die wirtschaftliche Gesundheit Großbritanniens erzählen".

Short-Squeeze nach britischen Kommunalwahlen

Ein wesentlicher Auslöser der Pfund-Stärke war laut ING ein klassischer Short-Squeeze. Vor den britischen Kommunalwahlen Anfang Mai hatten sich Spekulanten ungewöhnlich pessimistisch gegenüber dem Pfund positioniert – in der Erwartung, dass schlechte Wahlergebnisse das politische Ende von Premierminister Keir Starmer einläuten würden. Das sogenannte Risk Reversal – die Kosten für den Kauf einer EUR/GBP-Call-Option gegenüber einer entsprechenden Put-Option – stieg dabei auf den teuersten Stand seit April 2025, als die globalen Märkte durch die „Liberation Day"-Zölle von US-Präsident Donald Trump erschüttert worden waren.

Als das Pfund nach den Wahlergebnissen jedoch nicht wie erwartet abverkauft wurde, wurden viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt. Die erzwungene Auflösung dieser Short-Positionen trieb den Kurs des Pfunds in die Höhe – ein Phänomen, das Devisenhändler als Short-Squeeze bezeichnen.

M&A-Boom stützt Pfund nur kurzfristig

Auch der Boom bei Fusionen und Übernahmen britischer Unternehmen wird von ING als nachhaltiger Treiber in Frage gestellt. Zwar belaufen sich die ausstehenden und abgeschlossenen Transaktionen für britische Unternehmen in diesem Jahr auf insgesamt 220 Milliarden Britische Pfund, wobei die angekündigten Kapitalzuflüsse in Sektoren wie Finanzen, Basiskonsumgüter und Industrie Rekordhöhen erreichen. Dennoch betonen die Analysten, dass M&A-Flüsse „selten nachhaltige Währungsbewegungen auslösen".

Zur Begründung verweist ING auf historische Daten: In den vergangenen 25 Jahren seien die Netto-Portfolioflüsse im Durchschnitt fast fünfmal größer gewesen als die Netto-Direktinvestitionsflüsse. Damit haben klassische Kapitalmarktbewegungen einen weit größeren Einfluss auf den Wechselkurs als Unternehmensübernahmen.

ING erwartet Rückgang des Pfunds bis 2027

Für die weitere Entwicklung des Pfunds zeichnet ING ein klares Bild: Die Bank prognostiziert, dass EUR/GBP bis zum Jahresende auf 0,88 steigen wird – ausgehend vom aktuellen Niveau nahe 0,85. Für das Jahr 2027 wird sogar ein Anstieg auf 0,90 erwartet. Ein steigender EUR/GBP-Kurs bedeutet dabei eine Schwächung des Pfunds gegenüber dem Euro.

Für das Währungspaar GBP/USD erwartet ING eine Spanne von 1,32 bis 1,36. Diese Einschätzung basiert auf der Annahme, dass die US-Notenbank Federal Reserve in diesem Zyklus keine weiteren Zinserhöhungen vornimmt und der US-Dollar dadurch schwächer wird.

Als zentralen Treiber für die künftige EUR/GBP-Entwicklung sieht ING die Geldpolitik der Bank of England. Die Hausmeinung des Brokers geht davon aus, dass die britischen Zinsen unverändert bleiben, während die Europäische Zentralbank ihren Kurs anpassen könnte – ein Szenario, das das Pfund gegenüber dem Euro unter Druck setzen würde. Sobald die fiskalischen Risiken für Großbritannien wieder in den Vordergrund rücken, dürfte die aktuelle Pfund-Stärke nach Einschätzung von ING rasch wieder verschwinden.

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