Pflegeheimkosten steigen: Diese Rechte haben Bewohner
Die Eigenanteile für Pflegeheimplätze klettern weiter: Im Schnitt zahlen Bewohner mittlerweile 3.245 Euro monatlich – 261 Euro mehr als vor einem Jahr. Doch nicht jede Preiserhöhung ist rechtens.

Für viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ist es ein Schock: Das Pflegeheim kündigt höhere Kosten an. Doch welche Erhöhungen sind überhaupt zulässig? Experten erklären, worauf Betroffene achten sollten und wann sie Widerspruch einlegen können.
Deutlicher Kostenanstieg bei Pflegeheimen
Laut aktueller Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (Stand: 1. Januar) müssen Pflegebedürftige im ersten Jahr durchschnittlich 3.245 Euro monatlich aus eigener Tasche zahlen. Diese Summe umfasst neben dem Eigenanteil für die Pflege auch Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionen. Der Anstieg von 261 Euro binnen Jahresfrist setzt viele Familien unter erheblichen finanziellen Druck.
Rechtliche Grundlagen für Preiserhöhungen
Pflegeheime dürfen gestiegene Kosten für Lebensmittel, Energie oder Personal unter bestimmten Voraussetzungen weitergeben. Die gesetzliche Basis bildet das Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz. "Allerdings müssen diese Preissteigerungen angemessen sein", betont Ulrike Kempchen von der Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (Biva-Pflegeschutzbund).
Die Angemessenheit lässt sich für Laien schwer beurteilen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt den Vergleich mit Entgelten anderer Einrichtungen in der Region als ersten Anhaltspunkt.
Formale Anforderungen an Erhöhungsschreiben
Betroffene sollten prüfen, ob das Ankündigungsschreiben alle gesetzlichen Vorgaben erfüllt. Die wichtigsten Kriterien: Das Schreiben muss in Papierform vorliegen – E-Mails sind nicht zulässig. Zudem gilt eine Mindestfrist von vier Wochen vor Inkrafttreten der Erhöhung.
"Aus dem Brief muss klar hervorgehen, für welche Positionen die Preise steigen", erklärt Kempchen. Alte und neue Kostenbestandteile sind gegenüberzustellen, der Umlage-Maßstab zu benennen. Die eigenhändige Unterschrift der Heimleitung ist Pflicht. Auf Anfrage muss das Heim Einsicht in die Kalkulationsunterlagen gewähren.
Widerspruchsrecht und Handlungsoptionen
Generell wird eine Entgelterhöhung erst nach individueller Zustimmung wirksam. Verena Querling von der Verbraucherzentrale NRW rät: "Bei formellen Fehlern kann man die Zustimmung verweigern." Die Verbraucherzentrale stellt dafür Musterbriefe bereit.
Ist das Schreiben jedoch korrekt, besteht ein Anspruch des Heims auf Zustimmung. Wichtig: Einfach nicht mehr zu zahlen, gefährdet den Pflegeplatz. Betroffene haben aber ein Sonderkündigungsrecht zum Zeitpunkt der Erhöhung.
Keine Kappungsgrenze bei Preisen
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Zur AktienanalyseEine gesetzliche Obergrenze für Erhöhungen existiert nicht. Pflegeheime können Kosten jedoch nicht willkürlich festsetzen. Geplante Preissteigerungen müssen zunächst mit Pflegekasse und Sozialamt verhandelt werden. Auch für Investitionskosten gibt es Kontrollinstanzen – in NRW etwa den Landschaftsverband.
Rückwirkende Erhöhungen möglich
Besonders tückisch: Rückwirkende Nachforderungen sind unter bestimmten Umständen zulässig. Kempchen nennt ein Beispiel: Kündigt ein Heim im August eine Erhöhung von 300 Euro ab September an, verzögern sich aber die Verhandlungen bis März, kann das Heim für sieben Monate nachträglich 2.100 Euro fordern.
"Es ist sinnvoll, den angekündigten Betrag vorsorglich jeden Monat zur Seite zu legen", empfiehlt die Expertin. Bei Unsicherheiten sollten Betroffene professionelle Beratung beim Biva-Pflegeschutzbund oder den Verbraucherzentralen suchen.


