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Pessimistische Konjunkturaussichten erhöhen Druck auf EZB

Einkaufsmanager verlieren Hoffnung, Zinssenkungen könnten bald folgen

Pessimistische Konjunkturaussichten erhöhen Druck auf EZB

Die Wachstumsaussichten für Deutschland und die Euro-Zone haben einen weiteren Dämpfer erhalten. Einkaufsmanager von Unternehmen verlieren ihre Hoffnung, dass es mit ihren Geschäften aufwärtsgeht. Dieses Signal sendet die monatliche Firmenumfrage des Finanzdienstleisters S&P Global. Aufgrund der unerwartet gedämpften Stimmung richten sich die Blicke von Analysten verstärkt auf die Europäische Zentralbank (EZB). Sie hat im Juni die Zinswende eröffnet, auf eine weitere Zinssenkung vergangene Woche aber vorerst verzichtet. Sinkende Leitzinsen könnten der Wirtschaft einen Schub geben, so die Hoffnungen.

Derzeit liegt der maßgebliche EZB-Einlagesatz, an dem Banken ihre Spar- und Kreditzinsen ausrichten, bei 3,75 Prozent. Damit sind die Leitzinsen nach allgemeiner Auffassung so hoch, dass sie die Konjunktur bremsen. Das ist von der EZB beabsichtigt, um die zwischenzeitlich sehr hohe Inflation zu bekämpfen. Im ersten Halbjahr hat die Teuerung nachgelassen, was Spielraum für niedrigere Zinsen eröffnet.

Der Druck auf die EZB, die Zinssätze schneller zu senken, könnte zunehmen, urteilen die Ökonomen der US-Bank Citi. Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global ist von 50,9 auf 50,1 Punkte gesunken. Er signalisiert quasi wirtschaftliche Stagnation. Experten hatten mit einer Verbesserung gerechnet. Dies ist ein weiterer Bericht, der die EZB nicht erfreuen wird, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der niederländischen Bank ING. Die Prognose der EZB sei womöglich zu optimistisch. Als Wachstumsbremse erweist sich einmal mehr Deutschland. Hierzulande hat sich die Laune der Einkaufsmanager relativ stark eingetrübt – für Deutsche-Bank-Ökonom Robin Winkler eine weitere herbe Enttäuschung.

Auch andere Ökonomen sehen deshalb zunehmend Handlungsbedarf. Commerzbank-Volkswirt Vincent Stamer sagt, sowohl die schwache Dynamik bei den Stimmungsindikatoren als auch die Einschätzung bei Dienstleistungspreisen dürfte die EZB darin bestärken, die Leitzinsen im September erneut zu senken. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, sieht in den schwachen Daten zum Wachstum ebenfalls ein starkes Argument für eine Zinssenkung bei nächster Gelegenheit. Aus seiner Sicht haben die Preisdaten allerdings noch nicht die erhoffte durchschlagende Entspannung gebracht.

Insbesondere das hartnäckige Wachstum der Preise von Dienstleistern lässt die Euro-Notenbanker zögern. Hier lag die Inflationsrate zuletzt bei 4,1 Prozent. Die Gesamtinflationsrate beträgt 2,5 Prozent. Sie schließt die Preise in der Industrie ein, die durch die Zinserhöhungen der EZB stärker in Mitleidenschaft gezogen wurde als das Dienstleistungsgewerbe. Die EZB peilt an, die Inflation bis Ende 2025 auf ihr Preisstabilitätsziel von glatt zwei Prozent zu begrenzen. EZB-Vize Luis de Guindos hat diese Absicht in einem Interview als Schlüsselfrage für Zinssenkungen bezeichnet. Frische Inflationsdaten werden nächste Woche zeigen, ob die EZB dabei auf Kurs ist.

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