PayPal-Betrug: Wenn Kriminelle Tausende Euro vom Konto abbuchen
Betrüger erbeuten Zugangsdaten im Darknet und auf Fake-Shops – Verbraucher kämpfen gegen unberechtigte Abbuchungen.

6.630 Euro sollte die Hamburgerin Annika Busch plötzlich zahlen – für einen Online-Kauf, den sie nie getätigt hatte. Eine E-Mail von PayPal informierte sie über die angebliche Transaktion. "Ich habe nicht so viel Geld zur Verfügung. Das Gefühl in diesem Moment ist beängstigend", beschreibt sie den Schock.
Die betroffene Kundin reagierte sofort und informierte ihre Bank, die Hamburger Sparkasse. Ihr PayPal-Konto war direkt mit dem Girokonto verknüpft. Doch die schnelle Reaktion half zunächst nicht: Der Betrag wurde trotz Warnung abgebucht. Busch rutschte ins Minus und überzog sogar ihr Dispo-Limit.
Erst in letzter Sekunde gelang es ihr, die Zahlung zu stornieren. Die Frage blieb: Wer hatte die betrügerische Lastschrift überhaupt ausgelöst?
Darknet und Fake-Shops als Einfallstor
Vermutlich waren Betrüger am Werk, die PayPal-Zugangsdaten im Darknet erworben oder über gefälschte Online-Shops abgegriffen hatten. Guido Lenné, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, warnt vor täuschend echt nachgeahmten Webseiten bekannter Marken. "Beim Bezahlen werden die Zugangsdaten einfach abgegriffen, und Kriminelle bekommen massenhaft Zugriff auf PayPal-Konten", erklärt der Experte.
Besonders gefährlich: Einmal erteilte Lastschrifterlaubnungen bleiben dauerhaft aktiv. "PayPal bekommt sozusagen den Generalschlüssel für mein Konto", so Lenné. Der Zahlungsdienst verfügt damit permanent über Zugriff – ein attraktives Ziel für Cyberkriminelle.
Auch Marie Dellbrügge erlebte einen ähnlichen Albtraum. Sie sollte plötzlich 1.920 Euro für einen nie getätigten Kauf bezahlen. Nach der Kontosperrung schaltete PayPal sogar eine Inkassokanzlei ein. "Ich wurde teilweise zweimal am Tag angerufen. Der Druck war so groß, dass ich panische Angst hatte", berichtet die Betroffene.
Verbraucherschützer registrieren viele Fälle
Beim Verbraucherzentrale Bundesverband gehen regelmäßig Beschwerden über fälschlich belastete Konten durch PayPal ein. Die Fälle betreffen sowohl nicht getätigte Käufe als auch unberechtigte Abbuchungen.
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Zur AktienanalyseDie gute Nachricht für Betroffene: In der Regel bleiben Kunden nicht auf dem Schaden sitzen. "PayPal muss beweisen, dass ich die Zahlung freigegeben habe. Und das gelingt in solchen Fällen oft nicht", erklärt Fachanwalt Lenné. Die Beweislast liegt beim Zahlungsdienstleister.
Auch Marie Dellbrügges Fall wurde nach zwei Monaten geschlossen. PayPal bestätigte auf Nachfrage einen "unbefugten Zugriff". Alle Inkassomaßnahmen wurden eingestellt und der Darlehensbetrag erstattet. Dennoch erstattete Dellbrügge Strafanzeige gegen Unbekannt.
Die Hamburger Sparkasse weist darauf hin, dass Lastschriften grundsätzlich unabhängig vom Kontostand oder Dispo-Limit ausgeführt werden. Kunden könnten sich auf zuverlässige Ausführung verlassen und im Zweifel retournieren. Doch genau diese Automatik macht das System für Betrüger attraktiv – und für Verbraucher zur Gefahr.


