Partec kämpft mit Patenten und Finanzproblemen
Milliardendeal soll Krise lindern, Gehälter zahlten sich verspätet aus

Die Supercomputer-Firma Partec steckt in Schwierigkeiten. Trotz ihrer Rolle als „Pionier“ im Bereich Hochleistungsrechner und der selbstbewussten Darstellung als Technologieführer ist das Unternehmen mit erheblichen Problemen konfrontiert, die die Investoren zunehmend verunsichern. Seit dem Börsengang im Sommer 2023 stieg die Marktkapitalisierung des Unternehmens zunächst auf 1,4 Milliarden Euro, doch mittlerweile hat sich der Wert auf rund 250 Millionen Euro reduziert. Wesentliche Gründe dafür sind verspätete Gehaltszahlungen an Mitarbeiter, die Verzögerung wichtiger Geschäftsberichte sowie erhebliche Rückschläge im Patentrecht.
Ein wichtiger Streitpunkt ist die Patentklage gegen den KI-Chiphersteller Nvidia, die auf zwei Patenten basiert, von denen eines bereits im August 2022 vom Europäischen Patentamt widerrufen wurde. Die Technische Beschwerdekammer bestätigte den Widerruf inzwischen rechtskräftig, ohne dass die Aktionäre darüber umfassend informiert wurden. Partec hat daraufhin den Teil der Klage, der auf diesem Patent beruhte, fallengelassen, prüft aber weitere rechtliche Schritte. Der Firmengründer Bernhard Frohwitter räumt zwar den Verlust des Patents ein, hält aber an der Hoffnung fest, im Rechtsstreit weiterhin Druck auf Nvidia ausüben zu können.
Neben den juristischen Problemen wird auch die finanzielle Lage von Partec kritisch gesehen. Das Unternehmen erzielte im ersten Halbjahr 2024 lediglich rund fünf Millionen Euro Umsatz, bei einem Finanzmittelbestand von nur noch 288.000 Euro. Mehrere Mitarbeiter berichten von verspäteten oder unvollständigen Gehaltszahlungen seit Ende 2024, was intern bereits zu einem offenen Brief führte. Der Finanzvorstand Hans Kilger bestätigt diese Verzögerungen und führt sie auf ausbleibende Einnahmen eines Geschäftspartners zurück, der vertraglich zustehende Gelder in Millionenhöhe nicht gezahlt habe. Vermutet wird, dass es sich bei diesem Partner um den französischen IT-Dienstleister Atos handelt, der sich jedoch nicht zur Angelegenheit äußert.
Um die Krise zu überbrücken, haben Frohwitter und Kilger privat Geld in das Unternehmen investiert. Frohwitter gab an, Vermögenswerte wie wertvolle Uhren verkauft und einen Teil seiner Aktien verpfändet zu haben. Darüber hinaus steht das private Anwesen des Firmengründers sowie die Geschäftsvilla in München-Bogenhausen, in der Partec seinen Sitz hat, zum Verkauf – der Angebotspreis für die Villa liegt bei 16,5 Millionen Euro.
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Zur AktienanalyseTrotz der aktuellen Probleme geben sich die Partec-Chefs optimistisch. Kilger spricht von einem kurz bevorstehenden Milliardendeal mit einem großen institutionellen Investor, der die Zukunft des Unternehmens sichern soll. Die Verhandlungen dazu laufen seit rund neun Monaten, und eine Entscheidung werde im Herbst erwartet. Details zu dem Projekt werden jedoch nicht genannt, und es bleibt offen, ob dieser Deal tatsächlich zustande kommt. In der Zwischenzeit wächst die Nervosität der Aktionäre angesichts der Unsicherheiten und der bisher nicht erreichten Ziele, insbesondere im Bereich der angekündigten Quantencomputer-Produktion, die bislang auf sich warten lässt.


