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Papier Royal: Ramdane Touhami kämpft gegen die digitale Welt

Im Pariser Palais-Royal eröffnet Serienunternehmer Ramdane Touhami ein Schreibwarengeschäft als Tempel der analogen Korrespondenz.

Papier Royal: Ramdane Touhami kämpft gegen die digitale Welt

Im Herzen des Palais-Royal, den prachtvollen Arkaden im 1. Arrondissement von Paris, hat der französisch-marokkanische Kreativdirektor Ramdane Touhami sein neuestes Projekt eröffnet: Papier Royal. Das Schreibwarengeschäft und die Gravurwerkstatt vereint abgenutzte Mosaikböden, eine handbemalte Decke mit wolkigem Trompe-l'œil-Himmel und maßgefertigte Eichenregale – und wirkt trotz seiner Neuheit, als wäre es schon immer dort gewesen.

Touhami, 51 Jahre alt, ist kein Unbekannter in der Welt der traditionsreichen Luxusmarken. Er ist der Vordenker hinter der Duft- und Kosmetikmarke Officine Universelle Buly 1803, die er 2014 gemeinsam mit seiner Frau Victoire de Taillac-Touhami wiederbelebte. Seine Kreativagentur Art Recherche Industrie arbeitete zudem mit der Duftmarke Cire Trudon und dem historischen Silberwarenhersteller Christofle zusammen. Heute konzentriert er sich ausschließlich auf eigene Projekte.

„Ich mache nicht auf ‚cool', ich mache ‚Old-School'", sagt Touhami. „Ich schaffe Institutionen." Mit Papier Royal verfolgt er ein klares Ziel: die aussterbende Kunst der gedruckten Korrespondenz wiederzubeleben und dem zunehmend digitalen Alltag etwas entgegenzusetzen.

Typografie als Lebenswerk

Touhami ist seit mehr als 30 Jahren von Typografie besessen. Er und sein Studio haben bislang 86 Original-Schriftarten entworfen, inspiriert von Grabsteinen, alten Filmplakaten und vielem mehr. Papier Royal ist der physische Ausdruck dieser Leidenschaft – ein Ort, an dem Handwerk und Geschichte aufeinandertreffen.

Das Sortiment ist bewusst vielfältig gestaltet. Kunden finden unter anderem:

  • Steinförmige Wachsmalstifte aus Mineralpigmenten und Bienenwachs der koreanischen Marke Odujej (5er-Set ab 37 Euro)
  • Penco-Kugelschreiber ab 9 Euro
  • Mitsubishi-Sign-Pens mit feiner Spitze ab 4 Euro
  • Fallminenstifte der historischen tschechischen Marke Koh-I-Noor Hardmuth ab 6 Euro
  • Bleistifte in allen Graphitgraden von 9H bis 9B – insgesamt 20 verschiedene

Auch illustrierte Postkarten und A6-Korrespondenzkarten mit vorgedruckten Botschaften gehören zum Angebot. Die Bandbreite reicht von passiv-aggressiv – etwa eine Karte, um jemandes Parkstil zu kritisieren – bis hin zu höchst persönlich, wie ein Einzeiler zur Einreichung der Scheidung. „Ich möchte, dass Karten jeden Moment Ihres Lebens begleiten", sagt Touhami.

Das Kronjuwel: Maßgeschneiderte Druckkunst

Das eigentliche Herzstück von Papier Royal ist das Maßgeschäft. Kunden können aus mehr als 500 Papieren wählen, um individuelle Notizblöcke und Visitenkarten zu gestalten. Diese werden von einer hauseigenen Pendelpresse geprägt – einem handbetriebenen Stanzgerät aus dem 19. Jahrhundert, das heute von Druckexperte Benoist Dallay bedient wird.

Papier Royal ist nach eigenen Angaben die einzige Druckerei in Europa, die das sogenannte Pendelprägen (timbrage sur balancier) anbietet – die traditionelle Pariser Technik zur Herstellung von Monogrammen. Touhami hat drei dieser Geräte erworben: zwei befinden sich in seinem Atelier im Vorort Saint-Denis, eines im Laden selbst. Darüber hinaus hat er in den vergangenen Jahren traditionsreiche Druckereien, deren Ausrüstung und Archive aufgekauft – darunter rund 12.000 Monogramme aus den letzten drei Jahrhunderten.

„Es wäre völlig verschwunden, hätten wir nicht den Betrieb des letzten Praktikers übernommen und den in den Ruhestand gehenden Drucker gebeten, unseren Meisterdrucker auszubilden", erklärt Touhami. Heute lagern die meisten Pariser Schreibwarengeschäfte ihre Aufträge an Papier Royal aus – das Geschäft hat damit ein lokales Monopol auf diese Techniken erworben.

Auch ein Kalligraf ist vor Ort, der Briefe für Kunden verfassen und versenden kann – unter Verwendung ladeneigener Briefmarken, die in Zusammenarbeit mit der französischen Post entworfen wurden. „Das Versenden von Briefen ist die nächste Stufe des Luxus", ist Touhami überzeugt.

Sein Optimismus kennt keine Grenzen: „In 30 Jahren wird dieser Laden der einzige sein, der in dieser Galerie noch übrig ist." Und auf die Frage nach der Zukunft des Handschreibens antwortet er mit einem seiner prägnantesten Zitate: „Jemand sagte mir, dass die Menschen in 20 Jahren nicht mehr mit der Hand schreiben werden. Dagegen will ich ankämpfen."

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