Outokumpu startet Kreislaufwirtschafts-Initiative an Kemi-Chrommine in Finnland
Der finnische Edelstahlhersteller Outokumpu will jährlich rund drei Millionen Tonnen Bergbauabfälle in wertvolle Industrierohstoffe verwandeln.

Der finnische Edelstahlproduzent Outokumpu hat eine wegweisende Kreislaufwirtschafts-Initiative an seiner Kemi-Chrommine in Finnland gestartet. Ziel des Projekts ist es, rund drei Millionen Tonnen Abfälle und Aufbereitungsrückstände, die jährlich am Standort anfallen, in wertvolle industrielle Ressourcen umzuwandeln. Das Unternehmen setzt dabei auf die Zusammenarbeit zwischen Bergbauunternehmen, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), Forschungseinrichtungen und dem öffentlichen Sektor.
Outokumpu verfolgt mit der Initiative das Ziel, ein wiederholbares Modell für nachhaltigen Bergbau zu etablieren, das sowohl ökologische Verantwortung als auch wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit stärkt. Martti Sassi, Präsident des Ferrochrom-Geschäftsbereichs bei Outokumpu, betonte, dass die Nutzung von Nebenströmen nicht länger nur eine Umweltgeste sei, sondern ein zentraler Bestandteil der Wettbewerbsstrategie und Versorgungssicherheit des Unternehmens.
Ab dem kommenden Monat beginnt Outokumpu damit, potenzielle Geschäftspartner zur Teilnahme am Projekt einzuladen. Um dies zu erleichtern, stellt das Unternehmen transparente und umfassende Daten zu Qualität, Menge und spezifischen Eigenschaften der Nebenströme der Mine zur Verfügung. Dieser offene Datenansatz soll industrielle Partner anziehen, die diese Materialien für verschiedene Anwendungen nutzen können.
Vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Bergbauabfälle
Die möglichen Verwendungszwecke für die aufbereiteten Abfälle sind breit gefächert und umfassen unter anderem:
- Bodenverbesserung in der Landwirtschaft
- Ersatz für kohlenstoffarmen Zement
- Kohlenstoffbindung (Carbon Sequestration)
- Thermische Energiespeicherung
- Rückgewinnung von Mineralien
Die Kemi-Mine nimmt eine einzigartige Stellung in der europäischen Industrielandschaft ein: Sie ist die einzige aktive Chrommine innerhalb der Europäischen Union. Ursprünglich 1968 als Tagebau gegründet, wird sie heute ausschließlich im Untertagebetrieb geführt. Das geförderte Chromerz wird zum Ferrochrom-Schmelzwerk der Gruppe in Tornio transportiert, wo sich auch ein Edelstahlwerk befindet.
Angesichts ihrer Rolle als einzige EU-Chromquelle ist die Mine von strategischer Bedeutung für die Mineralstoffsouveränität Europas. Outokumpu betont, dass das Projekt wesentlich dazu beiträgt, die sich wandelnden Anforderungen der EU an Materialeffizienz zu erfüllen und den breiteren grünen Wandel zu unterstützen. Das Unternehmen verweist zudem auf seine bereits hohe Kreislaufquote: Über 95 Prozent der in seinen weltweiten Betrieben eingesetzten Rohstoffe werden derzeit recycelt.
Starke wissenschaftliche und institutionelle Partner
Das Projekt wird von einem breiten Netzwerk wissenschaftlicher und öffentlicher Partner unterstützt, darunter der Geologische Dienst Finnlands und das VTT Technische Forschungszentrum Finnlands. Diese Organisationen liefern die technologische und wissenschaftliche Grundlage, die für den Betrieb des Ökosystems im industriellen Maßstab erforderlich ist.
Darüber hinaus wird die Initiative vom Regionalrat Lappland über den EU-geförderten „Lapland Mining Hub" unterstützt. Ida Paaso, Projektmanagerin des Hubs, hob hervor, dass das Projekt Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) nutzt, um sicherzustellen, dass die identifizierten Kreislaufchancen nicht nur realisierbar, sondern auch skalierbar und wiederholbar sind.
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Zur AktienanalyseDiese Zusammenarbeit markiert das erste Mal, dass ein derart umfassendes Modell in Finnland entwickelt und umgesetzt wird. Das übergeordnete Ziel ist die Schaffung eines dauerhaften, funktionsfähigen Ökosystems, das als Blaupause für andere Bergbaubetriebe innerhalb und außerhalb Finnlands dienen kann.
Strategische Bedeutung für die EU-Rohstoffpolitik
Während sich das Projekt derzeit noch in der frühen Phase der Partnergewinnung befindet, ist die langfristige Ambition klar erkennbar. Der Fokus auf die Nutzung von Nebenströmen deutet auf einen Wandel hin zu einer Zukunft, in der Bergbauabfälle als sekundärer Rohstoffmarkt betrachtet werden. Da die EU die Versorgungssicherheit bei kritischen Mineralien und die Reduzierung industrieller CO₂-Fußabdrücke weiter priorisiert, positioniert sich Outokumpu mit dem Kemi-Projekt als Vorreiter für öffentlich-private Partnerschaften im Bergbausektor. Das Vorhaben zeigt exemplarisch, wie etablierte Industrieunternehmen ESG-Standards (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) erfüllen und gleichzeitig neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen können.


