Ottobock kündigt Börsengang noch 2025 an
Erlöse sollen Kredite ablösen, Umsatz und Gewinn zuletzt deutlich gestiegen

Ottobock treibt seine Kapitalmarktpläne voran und hat angekündigt, noch in diesem Jahr den Gang an die Börse zu vollziehen. Das Unternehmen teilte am Montag mit, dass der Prozess von der Ankündigung bis zur Erstnotiz üblicherweise rund vier Wochen in Anspruch nehme. Einen wesentlichen Teil des Emissionsvolumens trägt die Eigentümerfamilie Näder, die weiterhin die Mehrheit an dem Prothesenhersteller hält. Zusätzlich sollen neue Aktien platziert werden, die rund 100 Millionen Euro einbringen und dem Unternehmen direkt zugutekommen. Die Koordination des Börsengangs übernehmen die Investmentbanken BNP Paribas, Deutsche Bank und Goldman Sachs.
Der Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem bisher kein anderes deutsches Unternehmen nach der Sommerpause Börsenpläne veröffentlicht hat. Ottobock kehrte erst im Jahr 2024 vollständig in Familienbesitz zurück, nachdem der schwedische Finanzinvestor EQT seine 20-prozentige Beteiligung an Hans-Georg Näder und dessen Familie verkauft hatte. Für diesen Rückkauf nahmen die Eigentümer Kredite auf, deren Volumen bei rund 1,1 Milliarden Euro gelegen haben soll. Mit den Einnahmen aus dem Börsengang könnte ein Teil dieser Verbindlichkeiten abgelöst werden. Bereits 2022 hatte Ottobock ähnliche Pläne verfolgt, diese aber wegen des geopolitischen Umfelds verworfen.
Finanziell legte das Unternehmen jüngst solide Zahlen vor. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr von 763 Millionen Euro im Vorjahr auf 801 Millionen Euro, was einem Plus von fünf Prozent entspricht. Organisch lag das Wachstum bei zehn Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) erhöhte sich um 30,5 Prozent auf 180 Millionen Euro. Nach Angaben des Unternehmens resultierte dieser Anstieg aus einem vorteilhaften Produktmix, Skaleneffekten und Effizienzsteigerungen im operativen Geschäft.
Bereits in der Vergangenheit war deutlich geworden, dass die Ertragskraft von Ottobock auch von Märkten geprägt wird, die geopolitisch unter Druck stehen. So ergaben Recherchen für das Geschäftsjahr 2023, dass ein erheblicher Teil des Konzernergebnisses in Russland und der Ukraine erwirtschaftet wurde. Interne Unterlagen wiesen für Gesellschaften wie Otto Bock Service Moskau ein Ergebnis von 5,48 Millionen Euro aus, während die Otto Bock – Orthopedic Technique LLC 2,8 Millionen Euro erwirtschaftete. Weitere Standorte wie St. Petersburg, Mobility LLC und Yekaterinburg trugen mit Ergebnissen zwischen 87.000 und 1,55 Millionen Euro zusammen mehr als zwölf Millionen Euro bei.
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Zur AktienanalyseOttobock betonte seinerzeit, keine Geschäfte mit dem russischen Militär zu tätigen. Das Unternehmen verwies auf seinen humanitären Auftrag in Russland und darauf, die Versorgung von Zivilisten weiterhin sicherzustellen.


