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Organisierter Mietwagen-Betrug: Kriminelle Banden erschüttern deutsche Autovermietungen

Über 3.700 unterschlagene Mietwagen allein 2024 – organisierte Banden nutzen gefälschte Dokumente und verkaufen hochpreisige Fahrzeuge zu Schnäppchenpreisen. Die Branche schlägt Alarm, während 180.000 gestohlene Blanko-Zulassungen im Umlauf sind.

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Organisierter Mietwagen-Betrug: Kriminelle Banden erschüttern deutsche Autovermietungen

Eine beispiellose Betrugswelle erschüttert die deutsche Mietwagenbranche. Im Dezember 2024 dokumentierte ein SWR-Team auf einem niederländischen Parkplatz nahe Aachen, wie professionell kriminelle Banden vorgehen: Ein fast neuer Audi Q7 wurde für 62.500 Euro angeboten – rund 20.000 Euro unter Marktwert. Das Problem: Das Luxusfahrzeug war ein unterschlagener Mietwagen.

Professionelle Täterstrukturen mit gefälschten Dokumenten

Die Masche ist perfide durchdacht. Kriminelle mieten hochwertige Fahrzeuge mit gefälschten Ausweisen an und verkaufen sie während der Mietdauer weiter. Der Verkäufer des Audi bot sogar einen Rabatt auf 56.000 Euro an – "aber nur in bar". Bei genauerer Prüfung der Zulassungsbescheinigung fielen Ungereimtheiten auf: Beim Wort "Stadt" fehlte ein Buchstabe.

Das Bundeskriminalamt bestätigt einen sprunghaften Anstieg: Über 3.700 unterschlagene Mietwagen wurden 2024 registriert. Dahinter stehen organisierte Banden, die mit originalen Blanko-Dokumenten aus Einbrüchen bei deutschen Zulassungsstellen arbeiten. Diese werden auf dem Schwarzmarkt für 500 bis 1.000 Euro gehandelt.

180.000 gestohlene Zulassungsdokumente im Umlauf

Besonders alarmierend: Das Bundesinnenministerium bestätigte, dass derzeit mehr als 180.000 Blanko-Zulassungsdokumente zur Fahndung ausgeschrieben sind. Der deutsche Mietwagenverband forderte vergeblich eine öffentliche Liste dieser Dokumente. Die Behörden lehnten ab – die Maßnahme sei "nicht zielführend".

Michael Brabec vom Mietwagenverband kritisiert scharf: "Der Staat versagt vollständig und hat das Problem offenbar nicht in seiner Gänze erkannt." Die Dunkelziffer gestohlener Dokumente dürfte noch höher liegen, da Zulassungsstellen nicht immer nachvollziehen können, welche Vordrucke tatsächlich entwendet wurden.

Mittelständische Vermieter vor dem Aus

Die Folgen treffen nicht nur Marktführer wie Sixt, sondern zunehmend auch mittelständische Betriebe. Matthias Arndt, Chef der Autovermietung Arndt in Neuss, berichtet von mehrfachen Verlusten hochpreisiger Fahrzeuge. Das existenzielle Problem: Anders als bei Diebstahl sind Unterschlagungen nicht durch die Kasko-Versicherung abgedeckt.

"Die Verluste übersteigen mittlerweile unsere Rücklagen", erklärt Arndt. Einige Firmen habe der Betrug bereits in die Insolvenz getrieben. GPS-Tracker werden von den Tätern routinemäßig deaktiviert – die technische Aufrüstung verpufft wirkungslos.

Polizei-Einsatz in den Niederlanden

Bei der vom SWR begleiteten Aktion in den Niederlanden erschien zunächst nicht der ursprüngliche Verkäufer, sondern angeblich dessen Schwager. Die vorgelegten Zulassungsbescheinigungen entpuppten sich als Fälschungen. Als die niederländische Polizei mit fünf Einsatzwagen und zehn Beamten zugriff, war der Verdächtige vermutlich nur ein Strohmann.

Ein litauischer Geschäftsmann war in Aachen beinahe auf einen BMW X5 für 63.800 Euro hereingefallen – ebenfalls weit unter Marktwert. Als er Verdacht schöpfte und die Polizei rief, hieß es, für eine Festnahme fehlten Zivilbeamte. Die Täter entkamen unbehelligt.

Rechtliche Grauzone gefährdet Käufer

Besonders tückisch: Käufer können an unterschlagenen Fahrzeugen rechtmäßig Eigentum erwerben – sofern sie im "guten Glauben" handelten. Rechtsanwältin Nicole Mutschke bestätigt: "Die Chancen stehen nicht schlecht." Doch bei Streitfällen vor Gericht droht der Totalverlust von Auto und Kaufsumme.

Warnsignale für Autokäufer

Experten raten zu erhöhter Vorsicht bei Privatverkäufen, insbesondere bei:

• Fast neuwertigen Fahrzeugen zu Schnäppchenpreisen • Barzahlungswünschen an ungewöhnlichen Orten • Fehlenden oder fehlerhaften Dokumenten • Verkäufern, die nicht der Halter sind • Preisabschlägen von 20 Prozent oder mehr

Die Branche fordert dringend politisches Handeln. Ohne verschärfte Kontrollen bei Zulassungsstellen und bessere Zusammenarbeit der Behörden dürfte die Betrugswelle weiter anschwellen – mit verheerenden Folgen für mittelständische Vermieter und ahnungslose Käufer.

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