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Oracle und Chevron setzen alles auf KI-Infrastruktur

Zwei Konzerne, eine Wette: Oracle und Chevron investieren Milliarden in die Infrastruktur der KI-Ära – mit unterschiedlichen Risiken.

Oracle und Chevron setzen alles auf KI-Infrastruktur

Der Boom der künstlichen Intelligenz zwingt Unternehmen aus völlig unterschiedlichen Branchen zu radikalen strategischen Neuausrichtungen. Oracle aus dem Technologiesektor und der Energieriese Chevron stehen exemplarisch für diesen Wandel: Beide setzen massive Kapitalmengen ein, um die physische Infrastruktur für KI-Rechenzentren zu schaffen – mit erheblichen finanziellen Risiken und großen Ambitionen.

Oracle befindet sich derzeit in einer der turbulentesten Phasen seiner Unternehmensgeschichte. Die Aktie des Softwarekonzerns erlebte kürzlich die schlechteste Börsenwoche seit dem Dot-com-Crash im Jahr 2001 und verlor dabei 19 % ihres Wertes. Seit dem Höchststand im September 2025 hat das Unternehmen rund 55 % seines Börsenwerts eingebüßt – ein dramatischer Rückgang, der die Nervosität der Investoren widerspiegelt.

Oracles milliardenschwere Infrastrukturwette

Der Hauptgrund für die Skepsis der Anleger liegt in Oracles aggressiver Investitionsstrategie. Um mit Cloud-Giganten wie Amazon, Microsoft und Google konkurrieren zu können, hat Oracle seine Investitionsausgaben um 162 % auf knapp 56 Milliarden US-Dollar für das Geschäftsjahr 2026 gesteigert. Gleichzeitig weist das Unternehmen einen negativen freien Cashflow von fast 24 Milliarden US-Dollar aus.

Um diesen Kurs fortzusetzen, plant Oracle, im Geschäftsjahr 2027 zusätzliche 40 Milliarden US-Dollar durch Fremd- und Eigenkapitalfinanzierung aufzunehmen. Dies kommt zu einer bereits bestehenden Schuldenlast von rund 130 Milliarden US-Dollar hinzu – eine Belastung, die viele Investoren beunruhigt. Intern versucht Oracle gegenzusteuern: Die Mitarbeiterzahl wurde um 13 % auf 141.000 Beschäftigte reduziert, und die Ausgaben für Vertrieb und Marketing wurden zurückgefahren.

Trotz der angespannten Bilanz bleibt die Stimmung unter Analysten überraschend positiv. 71 % der Analysten halten die Aktie weiterhin für einen Kauf – der höchste Optimismus seit 15 Jahren. Bemerkenswert war auch, dass Mitgründer Larry Ellison beim jüngsten Earnings Call fehlte und die beiden Co-CEOs sowie der neue Finanzchef die Fragen der Investoren beantworteten. Durch den Kursrückgang ist Ellison in den globalen Vermögensrankings hinter Peers wie Jeff Bezos und Michael Dell zurückgefallen.

Chevron: Vom Ölkonzern zum Stromlieferanten

Während Oracle auf der Nachfrageseite der KI-Infrastruktur agiert, positioniert sich Chevron als Energielieferant für eben jene Rechenzentren. Der Ölmajor diversifiziert sein Geschäftsmodell gezielt, um sich von der Volatilität der Rohstoffpreise unabhängiger zu machen.

Das Herzstück dieser Strategie ist das sogenannte „Project Kilby" – ein 2,67-Gigawatt-Gaskraftwerk in West-Texas. Die Anlage, die Turbinen von GE Vernova und Caterpillar nutzen wird, soll dediziert Strom für einen Microsoft-Rechenzentrumscampus liefern. Die Kapazität des Projekts wird als ausreichend beschrieben, um eine Stadt in der Größe von San Francisco zu versorgen. Chevron erwartet, bis Ende 2024 eine finale Investitionsentscheidung zu treffen, mit geplantem Produktionsbeginn im Jahr 2028.

Jeff Gustavson, Chevrons Präsident für neue Energien, signalisierte, dass das Unternehmen über Texas hinausdenkt. Im Fokus stehen der Mittlere Westen, die Golfküste und die Rocky-Mountain-Region. Auch Utah wird geprüft, wo Chevron auf bestehende Wasserstoffinfrastruktur zurückgreifen könnte. Analysten bleiben jedoch vorsichtig: Es sei noch zu früh, um zu beurteilen, ob diese Projekte langfristig nennenswerte Erträge für den Ölkonzern generieren werden.

Texas als Schnittpunkt von Energie und Digitalisierung

Texas entwickelt sich zum geografischen Mittelpunkt dieser Entwicklung. Oracle hat den Bundesstaat explizit als Schlüsselstandort für seinen Rechenzentrumsausbau 2027 identifiziert – neben Michigan und New Mexico. Chevrons „Project Kilby" in Pecos, Texas, unterstreicht die Rolle des Staates als Knotenpunkt für die Verbindung von Energieerzeugung und digitaler Infrastruktur.

Die Herausforderungen für beide Unternehmen sind dabei grundverschieden. Oracle muss beweisen, dass seine schuldenfinanzierte Expansion in einem hart umkämpften Cloud-Markt wettbewerbsfähige Renditen erzielt – ohne das vollständige Technologie-Stack der etablierten Rivalen. Chevron hingegen steht vor der Aufgabe, sich erfolgreich vom klassischen Öl- und Gasproduzenten zum verlässlichen Stromversorger für die Technologieindustrie zu wandeln.

Beide Strategien verdeutlichen, wie tiefgreifend der KI-Boom die Kapitalallokation ganzer Branchen verändert. Die kommenden Jahre werden zeigen, welche dieser milliardenschweren Wetten aufgeht.

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