OPEC+ beschleunigt Anhebung der Ölproduktion
Saudi-Arabien reagiert auf Regelverstöße und will Marktanteile zurückgewinnen

OPEC+ plant, die Ölförderung schneller als bisher vorgesehen zu steigern und könnte bis November bis zu 2,2 Millionen Barrel pro Tag zusätzlich auf den Markt bringen. Das erklärten fünf mit den Vorgängen vertraute Quellen. Hintergrund ist unter anderem das Bestreben Saudi-Arabiens, andere Mitgliedsstaaten wie den Irak und Kasachstan für die Nichteinhaltung vereinbarter Fördermengen zu sanktionieren. Bereits im April hatte die Gruppe mit einer überraschend starken Anhebung der Fördermenge für Mai auf die Marktbedingungen reagiert, obwohl die Preise niedrig und die Nachfrage schwach waren.
Der Schritt Saudi-Arabiens, das als faktischer Führer von OPEC+ gilt, deutet auf eine strategische Neuausrichtung hin. Nach Jahren, in denen das Land durch Förderkürzungen zur Stabilisierung des Ölmarktes beitrug, scheint nun die Erhöhung des eigenen Marktanteils im Vordergrund zu stehen. Dies erfolgt kurz vor dem geplanten Besuch des US-Präsidenten Donald Trump in Saudi-Arabien, bei dem unter anderem über ein Waffenpaket und ein Nuklearabkommen gesprochen werden soll. Trump hatte OPEC+ wiederholt aufgefordert, mehr Öl zu fördern, um die Benzinpreise in den USA zu senken.
OPEC+ besteht aus Mitgliedern der Organisation Erdölexportierender Länder sowie verbündeten Staaten wie Russland. Seit 2022 hat die Gruppe die Produktion in mehreren Etappen um nahezu fünf Millionen Barrel pro Tag gesenkt, was rund fünf Prozent der weltweiten Nachfrage entspricht. Viele dieser Kürzungen sollen noch bis Ende 2026 in Kraft bleiben. Im Dezember hatte OPEC+ beschlossen, den freiwilligen Teil der Kürzungen von 2,2 Millionen Barrel pro Tag schrittweise bis September 2026 zu beenden. Im April wurde jedoch beschlossen, diesen Prozess bereits ab Mai zu beschleunigen.
Am Samstag einigte sich die Gruppe auf eine weitere deutliche Anhebung der Fördermenge für Juni. Damit summiert sich die geplante zusätzliche Produktion für April, Mai und Juni auf nahezu eine Million Barrel pro Tag. Für Juli ist nach Angaben der informierten Quellen ein weiterer Anstieg um 411.000 Barrel pro Tag vorgesehen. Sollten Staaten wie der Irak und Kasachstan ihre Förderquoten weiterhin überschreiten und keine Ausgleichskürzungen vornehmen, könnte OPEC+ auch für August, September und Oktober beschleunigte Förderanhebungen beschließen.
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Zur AktienanalyseKasachstan hatte im April deutlich mehr Öl gefördert als vereinbart, obwohl die nationale Produktion im Monatsvergleich um drei Prozent sank. Die Ölpreise fielen im April unter die Marke von 60 US-Dollar pro Barrel und erreichten damit ein Vierjahrestief.

