OPEC+ belässt Förderanhebung im Juli unverändert
USA mit sinkender Bohraktivität und steigender Benzinnachfrage zum Sommerbeginn

Die Ölpreise sind zu Beginn der Woche deutlich gestiegen, nachdem die OPEC+ beschlossen hat, ihre Fördermenge im Juli um 411.000 Barrel pro Tag zu erhöhen – derselbe Anstieg wie in den beiden Vormonaten. Diese Entscheidung fiel auf Erleichterung bei Marktteilnehmern, die mit einer stärkeren Erhöhung gerechnet hatten. Der Preis für Brent-Rohöl legte um 1,34 US-Dollar oder 2,13 % auf 64,12 US-Dollar pro Barrel zu. Der Preis für US-amerikanisches West Texas Intermediate stieg um 1,52 US-Dollar oder 2,5 % auf 62,31 US-Dollar.
In der vergangenen Woche hatten beide Ölkontrakte jeweils mehr als ein Prozent verloren. Die Entscheidung der OPEC+, die seit Monaten versucht, Marktanteile zurückzugewinnen und Mitglieder mit überhöhter Produktion zu disziplinieren, wurde am Samstag bekannt gegeben. Analysten zufolge war der moderate Anstieg bereits in den Preisen eingepreist. Ein unerwartet starker Anstieg hätte vermutlich zu einem deutlicheren Preisrückgang geführt.
Ein zentrales Motiv der Entscheidung ist laut Marktbeobachtern die Absicht, Mitglieder wie Irak und Kasachstan zu sanktionieren, die ihre Produktionsziele überschreiten. Kasachstan hat laut einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Interfax angekündigt, seine Ölförderung nicht kürzen zu wollen. Diese Aussage wurde vom kasachischen Vize-Energieminister getätigt.
Für die kommenden Monate rechnen Analysten von Goldman Sachs mit einer weiteren Erhöhung der Fördermenge um 0,41 Millionen Barrel pro Tag im August. Die Entscheidung dazu soll am 6. Juli fallen. Die Analysten verweisen auf eine weiterhin enge Versorgungslage, starke Wirtschaftsdaten und eine saisonal bedingt höhere Nachfrage im Sommer. All dies spreche gegen einen baldigen Stopp der Produktionsausweitung.
Zusätzliche Unsicherheiten ergeben sich durch niedrige US-Bestände an Treibstoffen und die Erwartung einer überdurchschnittlich aktiven Hurrikansaison. Analysten sehen einen deutlichen Anstieg der implizierten Benzinnachfrage in den USA, insbesondere zum Start der traditionellen Reisesaison. Ein wöchentlicher Zuwachs von fast einer Million Barrel pro Tag zählt zu den höchsten in den letzten drei Jahren.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseGleichzeitig beobachten Marktteilnehmer die Auswirkungen der Preisentwicklung auf die US-Rohölproduktion. Diese erreichte im März mit 13,49 Millionen Barrel pro Tag ein Rekordhoch. Die Zahl der aktiven Ölbohrungen in den USA ist derweil rückläufig. In der vergangenen Woche sank sie zum fünften Mal in Folge auf nun 461 Anlagen – den niedrigsten Stand seit November 2021.

