One Nation gewinnt erstmals Sitz im australischen Unterhaus
Rechtspopulisten feiern historischen Durchbruch bei Nachwahl – Koalition aus Liberalen und Nationalen erleidet schwere Niederlage.

Australiens politische Landschaft hat sich am Samstag grundlegend verändert. Die rechtspopulistische Partei One Nation sicherte sich bei der Nachwahl im Wahlkreis Farrer erstmals einen Sitz im Unterhaus des australischen Parlaments. Kandidat David Farley errang dabei einen deutlichen Sieg mit fast 60 Prozent der Stimmen.
Der Wahlkreis Farrer galt lange als sichere Hochburg der traditionellen Mitte-Rechts-Koalition aus Liberalen und Nationalen. Die Nachwahl wurde notwendig, nachdem die ehemalige Vorsitzende der Liberalen Partei, Sussan Ley, aus dem Amt ausgeschieden war. Der erwartete reibungslose Übergang zu einem anderen Koalitionsvertreter blieb jedoch aus – mit historischen Folgen.
In seiner Siegesrede konzentrierte sich Farley auf nationalistische Themen und Umweltpolitik. Er versprach, gegen die „verdammten Netto-Null-Programme" vorzugehen, und kritisierte die Einwanderungszahlen Australiens. Die Botschaft traf offenbar den Nerv der ländlichen Wählerschaft, die sich von den etablierten Parteien zunehmend abwendet.
Historischer Meilenstein für Pauline Hanson
One-Nation-Gründerin und Senatorin Pauline Hanson bezeichnete den Sieg als Wendepunkt für die politische Ausrichtung des Landes. „Sie werden nicht länger die vergessenen Menschen sein", sagte Hanson vor Anhängern. „Wir wollen unser Land zurück, und genau darum geht es bei One Nation."
Das Ergebnis spiegelt einen breiteren Trend wider, der sich bereits bei den letzten beiden australischen Bundeswahlen abgezeichnet hatte. Während sich städtische Wähler zunehmend klimafokussierten Unabhängigen zuwandten, tendieren ländliche Wähler zu konservativeren und nationalistischen Bewegungen. Die politische Mitte schrumpft – ein Phänomen, das auch in vielen europäischen Ländern zu beobachten ist.
„Blutbad für die Koalition" – Chalmers mit scharfer Analyse
Schatzkanzler Jim Chalmers kommentierte das Ergebnis am Sonntag in einem Interview als „Blutbad für die Koalition". Er merkte an, dass es für Liberale und Nationale „fast unmöglich sein wird, in Zukunft ohne One Nation zu regieren". Die Niederlage verdeutlicht die wachsenden Schwierigkeiten der Opposition, eine geschlossene nationale Plattform aufzubauen, um die amtierende Mitte-Links-Regierung herauszufordern.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDer politische Umbruch kommt zu einem wirtschaftlich heiklen Zeitpunkt. Bereits am 12. Mai will die Regierung den Bundeshaushalt für 2026–27 vorlegen. Chalmers deutete an, dass der Haushalt Maßnahmen enthalten werde, die auf die Unzufriedenheit der Wähler mit dem wirtschaftlichen Status quo abzielen – insbesondere mit Blick auf den Immobilienmarkt und das Steuersystem.
Australien steht dabei vor erheblichen fiskalischen Herausforderungen. Die Staatsverschuldung nähert sich der Marke von einer Billion australischer Dollar, während eine durch globale Energieschocks angetriebene Inflation die Bevölkerung belastet. Immer mehr Wähler suchen bei alternativen politischen Kräften Antworten auf ihren wirtschaftlichen Frust – ein Signal, das die Regierung mit dem kommenden Haushalt offenbar ernst nehmen will.


