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Ölpreisrückgang mindert Druck auf EZB für baldige Zinserhöhung

Sinkende Energiepreise entlasten die EZB – eine Zinserhöhung im September gilt dennoch als wahrscheinlichstes Szenario.

Ölpreisrückgang mindert Druck auf EZB für baldige Zinserhöhung

Der unerwartet schnelle Rückgang der Ölpreise hat den Handlungsdruck auf die Europäische Zentralbank (EZB) spürbar verringert. Vier mit den internen Diskussionen vertraute Quellen berichteten Reuters, dass die Dringlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im Juli deutlich nachgelassen hat. Das Argument für eine kleine Anhebung zu einem späteren Zeitpunkt bleibt jedoch bestehen.

Die EZB hatte die Zinsen in diesem Monat bereits angehoben, um zu verhindern, dass ein durch den Iran-Krieg ausgelöster Ölpreisanstieg die Preiserwartungen dauerhaft nach oben treibt. Nun debattieren die Währungshüter über die Dringlichkeit eines weiteren Schrittes. Die Insider zeigten sich überrascht, wie rasch die Ölpreise nachgegeben haben – die Futures für mehrere wichtige Laufzeiten liegen inzwischen sogar unter dem „milderen" Szenario der Bank.

Mehrere Faktoren erklären den schnellen Preisrückgang: Befürchtungen über Engpässe bei Produkten wie Kerosin haben sich als unbegründet erwiesen. Saudi-Arabien und andere Produzenten haben die Energieproduktion stärker als prognostiziert ausgeweitet. Zudem verbrauchte China weniger Öl als erwartet, da es Energie aggressiver durch andere Quellen ersetzte. Die Ölpreise reagierten laut den Quellen nicht einmal stark auf die Eskalation des Konflikts zwischen dem Iran und den USA am Wochenende – ein Zeichen dafür, dass die Normalisierung des Energiemarktes bereits weit fortgeschritten ist.

Inflationsdaten im Fokus

Eine Zinserhöhung im September bleibt vorerst das wahrscheinlichste Szenario. Die Quellen betonten jedoch, dass die am Mittwoch anstehenden Inflationsdaten für Juni eine entscheidende Rolle spielen werden. Sollte die Gesamtinflationsrate tatsächlich von 3,2 % zurückgehen, wie es die Finanzmärkte derzeit erwarten, sei das Abwarten bis September die bessere Option. Eine negative Überraschung würde hingegen die Argumente für eine rasche Zinserhöhung bereits im Juli stärken.

Rückläufige Preiserwartungen von Verbrauchern und Unternehmen stützen ebenfalls das Vorhaben, sich vor einer erneuten Entscheidung mehr Zeit zu lassen. Die EZB strebt eine Inflation von 2 % an. In ihrer Basisprojektion wird dieses Ziel erst in der zweiten Jahreshälfte des nächsten Jahres erreicht. Das mildere Szenario der Bank sieht die Inflation sogar bis Mitte 2027 deutlich unter der 2-Prozent-Marke.

Märkte rechnen kaum mit Juli-Erhöhung

Die Finanzmärkte spiegeln die veränderte Erwartungslage deutlich wider: Derzeit besteht lediglich eine Chance von eins zu drei für eine Zinserhöhung im Juli. Eine vollständige Einpreisung einer Anhebung erfolgt erst für Oktober. Ein möglicher Folgeschritt soll verhindern, dass der Ölpreisanstieg auf die Gesamtwirtschaft durchschlägt und sogenannte Zweitrundeneffekte auslöst, die die Inflation weiter anheizen könnten.

Die Quellen waren sich einig, dass solche Zweitrundeneffekte bislang vernachlässigbar seien. Die ökonomische Logik deute jedoch darauf hin, dass sie letztlich eintreten werden. Die EZB wird das nächste Mal am 23. Juli tagen – dann dürfte sich zeigen, ob die beruhigten Energiemärkte und die Inflationsdaten ausreichen, um eine Pause zu rechtfertigen.

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