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Ölpreise: Warum Futures und physische Preise weit auseinanderklaffen

Futures unter 100 Dollar, physisches Öl über 132 Dollar – die Preiskluft erschwert die Einschätzung des iranischen Ölschocks erheblich.

Ölpreise: Warum Futures und physische Preise weit auseinanderklaffen

Der Ölmarkt sendet derzeit widersprüchliche Signale. Während Benchmark-Futures in den vergangenen Tagen unter die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel gefallen sind, erzählen die Preise für physische Öllieferungen eine ganz andere Geschichte. Diese Diskrepanz macht es für Marktteilnehmer und Analysten schwierig, die tatsächlichen Auswirkungen des iranischen Ölschocks realistisch einzuschätzen.

Ausgelöst wurde die Bewegung bei den Futures durch die Ankündigung von US-Präsident Trump, einen Waffenstillstand mit dem Iran geschlossen zu haben. Die Nachricht ließ die Terminpreise für US-amerikanisches und Brent-Rohöl deutlich nachgeben. Doch diese Futures-Preise bilden lediglich grobe Annäherungen daran, wie der Markt in ein oder zwei Monaten aussehen könnte – sie spiegeln nicht die unmittelbare Realität auf dem physischen Markt wider.

Physisches Öl bleibt deutlich teurer

Genau hier liegt das eigentliche Problem: Die Kosten für physische Ölladungen bleiben weitaus höher als die Futures-Preise vermuten lassen. Nordsee-Rohöl, bekannt als Dated Brent und von Argus Media als Benchmark für physische Spot-Kosten erfasst, sprang am Donnerstag auf über 132 US-Dollar pro Barrel. Das ist ein massiver Aufschlag gegenüber den Futures-Notierungen.

In Europa verschärfte sich die Lage noch weiter: Einige Gebote für physische Ölladungen stiegen sogar noch über dieses Niveau hinaus. Dies signalisiert, dass Raffinerien weiterhin intensiv darum bemüht sind, sich kurzfristige Lieferungen zu sichern. Der Wettbewerb um verfügbare Mengen treibt die Spotpreise in die Höhe, unabhängig davon, was die Terminmärkte anzeigen.

Zwei Märkte, zwei Realitäten

Für deutsche Privatanleger und Marktbeobachter ist es wichtig, diesen Unterschied zu verstehen. Futures-Preise wie WTI (West Texas Intermediate) oder Brent-Futures sind die am häufigsten in den Medien zitierten Ölpreise – sie beziehen sich jedoch auf Lieferungen in der Zukunft. Der physische Spotmarkt hingegen zeigt, was Käufer bereit sind, heute und sofort zu zahlen.

Die aktuelle Situation verdeutlicht, wie groß die Unsicherheit auf dem Ölmarkt trotz diplomatischer Signale bleibt. Selbst wenn Futures-Preise auf politische Entspannungssignale reagieren und fallen, kann die physische Versorgungslage angespannt bleiben. Raffinerien, die auf kurzfristige Lieferungen angewiesen sind, müssen deutlich höhere Preise akzeptieren – ein Umstand, der sich letztlich auch auf Kraftstoff- und Energiepreise für Verbraucher auswirken kann.

Die Preiskluft zwischen Futures und physischem Markt ist damit nicht nur ein technisches Detail für Händler, sondern ein wichtiger Indikator für die tatsächliche Angebotslage. Solange Dated Brent weit über den Futures-Preisen notiert, bleibt die Versorgungssituation angespannt – ungeachtet aller politischen Ankündigungen.

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