Ölpreise unter Druck: Goldman erwartet 2026 Brent bei 56 Dollar
Goldman Sachs prognostiziert für 2026 deutlich fallende Ölpreise. Eine massive Angebotsschwemme dürfte Brent auf durchschnittlich 56 Dollar pro Barrel drücken – ein Rückgang von zehn Prozent gegenüber der aktuellen Terminkurve.

Die Ölmärkte stehen vor einem weiteren schwierigen Jahr. Goldman Sachs erwartet für 2026 einen durchschnittlichen Brent-Preis von 56 Dollar pro Barrel und für die US-Sorte WTI 52 Dollar. Dies liegt deutlich unter den aktuellen Terminkurven von 62 beziehungsweise 58 Dollar. Der Grund: Ein massiver Angebotsüberschuss von 2,3 Millionen Barrel pro Tag dürfte den Markt weiter unter Druck setzen.
Bereits 2025 zeigte sich dieses Muster. Trotz wiederholter geopolitischer Spannungen fiel Brent im Jahresvergleich um 14 Prozent. Die reichliche Produktion überwog die Risikoprämien und verhinderte nachhaltige Preisanstiege. "Die Wiederherstellung des Marktgleichgewichts 2026 erfordert wahrscheinlich niedrigere Ölpreise", schreibt das Team um Goldman-Stratege Daan Struyven.
Angebotsschwemme als Haupttreiber
Die Prognose basiert auf einer anhaltenden Produktionsstärke. Insbesondere die USA und Russland produzieren über ihre Quoten hinaus, während auch Venezuela die Förderung ausweitet. Goldman geht in seinem Basisszenario davon aus, dass die OPEC 2026 keine neuen Produktionskürzungen vornehmen wird. Die strategischen Angebotssteigerungen von 2025 dürften sich fortsetzen.
Die Bank erwartet, dass die Preise im Jahresverlauf weiter nachgeben. Im vierten Quartal 2026 könnten Brent und WTI bei 54 beziehungsweise 50 Dollar ihren Tiefpunkt erreichen. Grund ist die beschleunigte Akkumulation von Ölbeständen in den kommerziellen Lagerzentren der OECD-Länder. Die Lagerbestände an Land gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung, da die auf Tankern gelagerten Mengen bereits sehr hoch sind.
Langfristige Aussichten gedämpft
Aufgrund der anhaltenden Angebotsstärke hat Goldman seine langfristigen Prognosen nach unten korrigiert. Der faire Wert für Brent auf Drei-Jahres-Sicht wurde um fünf Dollar auf 64 Dollar gesenkt. Für 2027 erwartet die Bank nun durchschnittlich 58 Dollar für Brent und 54 Dollar für WTI – ebenfalls fünf Dollar weniger als zuvor.
Auch die Langfristschätzungen für den Zeitraum 2030 bis 2035 wurden reduziert: auf 75 Dollar für Brent und 71 Dollar für WTI. Dennoch argumentiert Goldman, dass eine Preiserholung mittelfristig notwendig sei, um Investitionen zu stimulieren. Nach Jahren geringer Ausgaben in langzyklische Projekte brauche die Branche höhere Preise für neue Kapazitäten.
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Zur AktienanalyseGeopolitik als Volatilitätsfaktor
Geopolitische Risiken bleiben zwar erheblich, dürften laut Goldman aber eher für kurzfristige Volatilität als für nachhaltige Preisanstiege sorgen. Die Präferenz politischer Entscheidungsträger für ein reichliches Energieangebot und relativ niedrige Preise – insbesondere im Vorfeld der US-Zwischenwahlen – werde das Aufwärtspotenzial begrenzen.
Die Gesamtrisiken für die Prognose stuft die Bank als zweiseitig, aber leicht abwärtsgerichtet ein. Erst ab 2027 rechnet Goldman mit einer Erholung, wenn sich das Wachstum des Nicht-OPEC-Angebots verlangsamt und die Nachfrage solide bleibt. Bis dahin dürften Überkapazitäten und volle Lager die Preise im Zaum halten.


