Ölpreise steigen: USA drohen Iran mit wirtschaftlicher Isolation
Drohungen einer unbefristeten US-Seeblockade und Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus treiben die Ölpreise an.

Die Ölpreise haben am frühen Freitagmorgen deutlich zugelegt, nachdem die USA eine möglicherweise unbefristete Seeblockade iranischer Häfen in Aussicht gestellt haben. Brent-Futures, die internationale Benchmark für den Ölpreis, notierten um 2:55 Uhr (ET) um 0,96 Prozent höher bei 87,91 US-Dollar pro Barrel. US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 1,08 Prozent auf 82,13 US-Dollar zu.
Beide Benchmarks hatten am Donnerstag noch rund zwei Prozent nachgegeben. Auf Wochensicht steuern Brent und WTI nach einer anhaltenden Rallye jedoch auf Gewinne von rund vier Prozent zu – ein deutliches Zeichen für die wachsende Nervosität der Märkte angesichts der eskalierenden Spannungen im Persischen Golf.
Bessent warnt vor beispielloser wirtschaftlicher Isolation
Ausgelöst wurden die Kursgewinne am Freitag durch scharfe Warnungen hochrangiger US-Regierungsvertreter. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte in einem Interview mit dem Nachrichtensender Newsmax Maßnahmen zur „wirtschaftlichen Isolierung" des Irans an, die es „so noch nie gegeben hat". US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte zudem vor Journalisten, dass die US-Streitkräfte eine unbefristete Blockade iranischer Häfen aufrechterhalten könnten.
Diese Aussagen fallen in eine ohnehin angespannte geopolitische Lage. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten am Donnerstagabend mitgeteilt, dass der Iran zwei Schiffe der staatlichen Abu Dhabi National Oil Company angegriffen habe, die die Straße von Hormus passierten. Die Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel gilt als eine der wichtigsten Energieversorgungsrouten der Welt – ein erheblicher Teil des globalen Öltransports verläuft durch diesen engen Seeweg.
Straße von Hormus: Kritischer Flaschenhals für die Weltenergieversorgung
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Täglich passieren Millionen Barrel Rohöl aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait, dem Irak und dem Iran diese Meerenge. Störungen in diesem Bereich haben historisch stets unmittelbare Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte und damit auch auf die Energiepreise in Europa und Deutschland.
Im Donnerstagshandel hatten die Ölpreise noch nachgegeben, nachdem US-Energieminister Chris Wright erklärt hatte, die Ölexporte durch die Meerenge seien derzeit höher als in vielen unabhängigen Schätzungen angenommen. Diese beruhigende Einschätzung konnte die Märkte jedoch nur kurzfristig stabilisieren.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseIEA senkt Nachfrageprognose
Zusätzlichen Gegenwind für die Ölnachfrage lieferte die Internationale Energieagentur (IEA). Die in Paris ansässige Organisation erklärte am Mittwoch, dass die weltweite Ölnachfrage in diesem Jahr angesichts der anhaltenden Spannungen an der Straße von Hormus voraussichtlich stärker sinken werde als bisher angenommen. Für Anleger und Energieverbraucher bedeutet dies ein widersprüchliches Umfeld: Geopolitische Risiken treiben die Preise nach oben, während die Nachfrageseite unter Druck gerät.
Die Entwicklungen zeigen, wie sensibel die globalen Energiemärkte auf Spannungen im Nahen Osten reagieren. Für deutsche Verbraucher und Unternehmen, die stark von Energieimporten abhängig sind, bleibt die Lage rund um die Straße von Hormus ein wichtiger Faktor für die Energiekosten in den kommenden Wochen.


