Ölpreise steigen trotz Iran-Spannungen – Kepler sieht keine Lieferausfälle
Analysten erwarten trotz US-Militärpräsenz am Persischen Golf keine Unterbrechung iranischer Ölexporte.

Die Ölpreise haben in den vergangenen Tagen deutlich zugelegt, nachdem die Spannungen zwischen den USA und dem Iran eskalierten. Brent-Öl stieg um 2,1 Prozent auf 68,75 US-Dollar je Barrel und erreichte zwischenzeitlich 70,35 US-Dollar – den höchsten Stand seit Ende September. Die US-Sorte WTI kletterte ebenfalls um 2,1 Prozent auf 64,52 US-Dollar, nachdem sie kurzzeitig die 65-Dollar-Marke überschritten hatte.
Die Analysten von Kepler Cheuvreux sehen trotz der angespannten Lage nur eine geringe Wahrscheinlichkeit für Lieferunterbrechungen aus dem Iran. US-Präsident Donald Trump hat zwar den Druck auf Teheran erhöht und eine Marine-Kampfgruppe in die Region entsandt, doch die Experten gehen davon aus, dass sein primäres Ziel ein neues Atomabkommen ist – nicht ein militärischer Konflikt.
Nach Informationen von Reuters erwägt die US-Regierung zwar gezielte Angriffe auf Sicherheitskräfte und Führungspersonen, um Demonstranten zu inspirieren. Kepler schließt jedoch eine breit angelegte Bombenkampagne gegen den Iran weitgehend aus, da deren strategischer Zweck unklar sei. Ein gezielter Schlag gegen den Obersten Führer Ali Chamenei sei nur unter sehr strengen Bedingungen denkbar.
Fokus auf iranische Tanker statt Militärschläge
Wahrscheinlicher sei stattdessen die Beschlagnahmung iranischer Tanker außerhalb des Persischen Golfs. Die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) kontrollieren die Ölexporte des Landes, und die Rohöleinnahmen finanzieren direkt die Gehälter von mehr als 150.000 Revolutionsgardisten. Eine Blockade dieser Einnahmequelle würde das Regime empfindlich treffen, ohne einen offenen Krieg zu riskieren.
Eine Störung der strategisch wichtigen Straße von Hormus bleibt laut Kepler ein sehr unwahrscheinliches Szenario. Dies sei eine rote Linie, die das iranische Regime nicht überschreiten würde – nicht zuletzt wegen China, seinem einzigen verbleibenden wichtigen Abnehmer für Seefrachtöl. Eine ähnliche Situation hatte sich bereits im Juni 2025 abgespielt, ohne dass es zu nachhaltigen Lieferausfällen kam.
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Zur AktienanalyseAnalysten raten zu taktischen Verkäufen
Kepler erwartet, dass die Ölpreise kurzfristig weiter steigen könnten, sieht dies jedoch als vorübergehendes Phänomen von wenigen Wochen. Im Dezember hatte Brent noch nahe der 60-Dollar-Marke notiert, bevor eine Reihe von Ereignissen die Preise in die Höhe trieb. Die Analysten raten Investoren, den Öl- und Gassektor bei weiterer Preisstärke taktisch zu verkaufen und von der aktuellen Aufwärtsbewegung zu profitieren.


