Ölpreise steigen nach Absage der US-Iran-Gespräche in der Schweiz
Abgesagte Verhandlungen auf dem Bürgenstock schüren neue Unsicherheit am Ölmarkt und treiben die Preise nach oben.

Die Ölpreise haben sich am Freitag in einem volatilen Handel erholt, nachdem geplante Folgegespräche zwischen den USA und dem Iran in der Schweiz kurzfristig abgesagt wurden. Die Absage unterstreicht die anhaltende Unsicherheit darüber, ob ein mögliches Interimsabkommen in eine dauerhafte Friedensregelung überführt werden kann.
Der internationale Benchmark Brent Crude zur Lieferung im August notierte 0,6 Prozent höher bei 80,33 US-Dollar pro Barrel. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) für Juli legte sogar um 1,63 Prozent auf 77,85 US-Dollar pro Barrel zu und machte damit frühere Tagesverluste vollständig wett.
Gespräche auf dem Bürgenstock geplatzt
Das Schweizer Außenministerium bestätigte, dass die für Freitag auf dem Bürgenstock geplanten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran nicht wie vorgesehen stattfinden würden. Auch das Weiße Haus meldete sich zu Wort: Vizepräsident JD Vance werde nicht mehr in die Schweiz reisen, hieß es zur Begründung unter Verweis auf ungeklärte logistische Fragen im Zusammenhang mit den Verhandlungen.
Vance hatte am Donnerstag noch erklärt, dass Tanker mit mehr als 12 Millionen Barrel Öl eine wichtige Meerenge über Nacht durchquert hätten. Diese Aussage hatte zunächst für etwas Entspannung an den Märkten gesorgt, bevor die Absage der Gespräche die Stimmung wieder eintrübte.
OPEC sieht keinen Nachfragegipfel in Sicht
Unabhängig von den diplomatischen Entwicklungen äußerte sich OPEC-Generalsekretär Haitham Al Ghais in einem Exklusivinterview mit dem US-Sender CNBC zur langfristigen Nachfrageentwicklung. Er erklärte, dass die Organisation nicht damit rechne, dass die globale Ölnachfrage in absehbarer Zukunft ihren Höhepunkt erreichen werde. Damit widersprach er ausdrücklich Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA), die auf ein künftiges Überangebot am Ölmarkt hindeuten.
Die Aussagen des OPEC-Generalsekretärs sind für Anleger und Energiemärkte von erheblicher Bedeutung. Die IEA und die OPEC vertreten seit Jahren unterschiedliche Ansichten über die Zukunft der fossilen Brennstoffe – ein Konflikt, der die Preisfindung am Ölmarkt maßgeblich beeinflusst.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseAnalysten erwarten Ölpreis zwischen 75 und 82 Dollar
Tiago Lacerda, Marktanalyst beim Brokerhaus Axi, ordnete die aktuelle Lage in einer Stellungnahme gegenüber CNBC ein. Er erwartet, dass sich die Ölpreise kurzfristig in einer Spanne zwischen 75 und 82 US-Dollar pro Barrel bewegen werden. Lacerda wies zudem darauf hin, dass der Brent-Preis derzeit rund 36 Prozent unter seinem Höchststand während des Konflikts liegt – ein deutliches Zeichen dafür, wie stark die geopolitischen Spannungen bereits in den Preisen eingepreist sind.
Für deutsche Anleger und Verbraucher bleibt die Entwicklung am Ölmarkt eng mit der Energiepreisentwicklung verknüpft. Steigende Rohölpreise wirken sich mittelfristig auf Benzin- und Heizölpreise aus und können die Inflationsentwicklung in der Eurozone beeinflussen. Die Unsicherheit rund um die US-Iran-Verhandlungen dürfte die Volatilität am Ölmarkt in den kommenden Wochen hoch halten.


