Ölpreise stabil: Iran-Oman-Abkommen und US-Lagerbestände belasten Markt
Brent und WTI halten deutliche Wochenverluste von über 10%, während Anleger Hormus-Fortschritte gegen überraschenden Lagerbestandsaufbau abwägen.

Die Ölpreise zeigten sich am Donnerstag kaum verändert und hielten damit die erheblichen Verluste vom Wochenbeginn aufrecht. Brent-Rohöl mit Oktober-Fälligkeit stieg bis 06:55 Uhr GMT um 0,3 Prozent auf 79,71 US-Dollar pro Barrel, während WTI-Rohöl um 0,2 Prozent auf 75,38 US-Dollar zulegte. Beide Kontrakte steuern damit weiterhin auf einen Wochenverlust von mehr als 10 Prozent zu – ein deutliches Zeichen für den Druck, der auf dem globalen Ölmarkt lastet.
Im Mittelpunkt des Marktgeschehens steht die Straße von Hormus, eine der bedeutendsten Schifffahrtsrouten der Welt. Über diese Meerenge wird etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und LNG-Handels abgewickelt. Der Iran teilte mit, dass er mit dem Oman eine Einigung über die Koordinaten einer vorgeschlagenen Schifffahrtsroute durch die Straße erzielt habe – eine Nachricht, die die Marktstimmung zunächst aufhellte.
Vorsicht trotz Hormus-Einigung
Händler blieben jedoch zurückhaltend, denn die Vereinbarung entspricht nicht einer vollständigen Wiedereröffnung der Meerenge. Verhandlungen über Frachtgebühren, Inspektionen und umfassendere Sicherheitsvorkehrungen sind nach wie vor ungeklärt. Die Analysten der ING brachten es auf den Punkt: „Der entscheidende Punkt ist nun der Verlauf der Gespräche zwischen den USA und dem Iran, da dort bedeutende Fortschritte erforderlich sind, bevor die unterbrochenen Energieströme realistisch wieder aufgenommen werden können."
US-Präsident Donald Trump erklärte auf einer Wahlkampfveranstaltung in Las Vegas, dass Washington Gespräche mit Teheran führe und er „sehen werde, was passiert". Der Iran widersprach jedoch öffentlich und bestritt, dass Friedensgespräche mit Washington im Gange seien. Diese widersprüchlichen Signale halten die geopolitische Risikoprämie im Ölmarkt aufrecht.
Überraschender Anstieg der US-Rohölvorräte
Zusätzlichen Gegenwind lieferten aktuelle US-Regierungsdaten zu den Lagerbeständen. Die Rohölvorräte stiegen in der vergangenen Woche unerwartet um rund 2,5 Millionen Barrel – der Markt hatte hingegen mit einem Abbau von 1,5 Millionen Barrel gerechnet. Diese Diskrepanz deutet auf eine schwächere kurzfristige Nachfrage hin und begrenzte die Kursgewinne spürbar.
Ein differenzierteres Bild zeigt sich bei den raffinierten Kraftstoffen: Die Benzinbestände sanken um 1,64 Millionen Barrel, die Destillate-Vorräte gingen sogar um 3,47 Millionen Barrel zurück. Dies signalisiert, dass die Nachfrage nach Endprodukten trotz des schwächeren Rohölverbrauchs robust bleibt.
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Zur AktienanalyseWeitere geopolitische Risiken bleiben bestehen
Trotz des vorsichtigen Optimismus rund um die Straße von Hormus bleiben die Sicherheitsrisiken in der Region erhöht. Huthi-Angriffe auf die Schifffahrt im Roten Meer dauern an, ebenso wie Kämpfe, die den russischen und ukrainischen Seehandel beeinträchtigen. Hinzu kommen Störungen auf der wichtigen Exportroute Kasachstans. All diese Faktoren verdeutlichen, dass die globale Energieversorgung weiterhin unter erheblichem Druck steht.
Analysten betonen, dass die geopolitische Risikoprämie angesichts wiederholter Rückschläge in den Verhandlungen und der Ungewissheit über die vollständige Umsetzung eines Abkommens nicht verschwunden ist. Für Anleger bleibt der Ölmarkt damit ein Spannungsfeld zwischen kurzfristigen Entspannungssignalen und strukturellen Risiken, die den Markt noch länger begleiten dürften.


