Ölpreise leicht im Minus: US-Iran-Deal und Hormus-Unsicherheit
Brent und WTI geben nach zwei starken Verlusttagen nur minimal nach – Händler warten auf konkrete Details zum Friedensabkommen.

Die Ölpreise haben am Mittwoch leicht nachgegeben. Brent-Rohöl-Futures fielen um 15 Cent auf 78,81 US-Dollar pro Barrel, während die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) um 12 Cent auf 75,93 US-Dollar sank. Beide Referenzsorten notierten damit gegen 06:30 Uhr GMT rund 0,2 Prozent im Minus.
Der moderate Rückgang folgt auf zwei deutlich stärkere Verlusttage: Am Dienstag waren beide Sorten bereits die zweite Sitzung in Folge um jeweils rund 5 Prozent gefallen und hatten dabei Dreimonatstiefs erreicht. Auslöser war die Hoffnung auf ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran, das den Ölfluss durch die Straße von Hormus wieder ermöglichen soll.
Friedensabkommen zwischen USA und Iran sorgt für Preisdruck
Das vorläufige Abkommen sieht vor, dass die Vereinigten Staaten ihre Blockade der iranischen Häfen aufheben, während Teheran im Gegenzug den Tankerverkehr durch die Straße von Hormus zulassen würde. Die Meerenge ist seit den Angriffen der USA und Israels am 28. Februar faktisch blockiert. Vor der Schließung floss etwa ein Fünftel des weltweiten Rohöl- und Flüssigerdgasangebots durch diese strategisch bedeutsame Wasserstraße.
Erste Details des vorläufigen Friedensabkommens wurden am Dienstag bekannt. US-Präsident Donald Trump erklärte, das Abkommen würde eine Atomwaffe für Teheran ausschließen. Ein US-Beamter ergänzte, es würde dem Iran erlauben, mit der Unterzeichnung wieder Öl zu verkaufen. Die noch nicht öffentliche Absichtserklärung verlängert einen im April vereinbarten fragilen Waffenstillstand um weitere 60 Tage, um Raum für Gespräche über einen dauerhaften Frieden zu schaffen.
„Die Märkte preisen die eingebettete geopolitische Risikoprämie in den Ölpreisen weitgehend aus", sagte Priyanka Sachdeva, Senior Market Analyst bei Phillip Nova. „Dennoch bleibt der Weg zur Normalisierung alles andere als einfach. Während politische Vereinbarungen voranschreiten mögen, hat sich der physische Tankerverkehr durch die Meerenge noch nicht vollständig erholt."
Händler warten auf konkrete Details – Volatilität bleibt hoch
Trotz der Entspannungssignale halten sich viele Marktteilnehmer mit weiteren Verkäufen zurück. „Die Ölmärkte gaben aufgrund der Erwartung nach, dass die Straße von Hormus nach dem Friedensabkommen wieder geöffnet wird, aber die Händler hielten sich mit weiteren Verkäufen zurück, bis Details vorliegen", erklärte Hiroyuki Kikukawa, Chefstratege bei Nissan Securities Investment. Er geht davon aus, dass WTI in einer Spanne von 10 US-Dollar über oder unter 80 US-Dollar pro Barrel volatil bleiben wird.
Branchenvertreter warnen zudem vor übertriebenen Erwartungen: Eine vollständige Rückkehr zum Produktions- und Raffinerieniveau von vor dem Krieg werde wahrscheinlich Wochen, Monate oder sogar Jahre dauern. Zusätzliche Unsicherheit entsteht dadurch, dass Israel sich sowohl vom Waffenstillstand im April als auch vom jüngsten Pakt zwischen den USA und dem Iran distanziert hat. Israelische Drohnenangriffe trafen am Dienstag drei Fahrzeuge im Südlibanon, wobei mindestens vier Menschen getötet wurden – was eine seltene öffentliche Rüge von Trump auslöste.
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Zur AktienanalyseSchwache Nachfrage aus China und fallende US-Lagerbestände
Auf der Nachfrageseite liefert China ein gemischtes Bild. Der chinesische Rohöldurchsatz fiel im Mai im Jahresvergleich um 9,1 Prozent auf den niedrigsten Stand seit fast vier Jahren. Daten deuten zudem darauf hin, dass Raffinerien angesichts des Iran-Krieges begannen, ihre Lagerbestände abzubauen.
Auf der Angebotsseite überraschten die US-Lagerdaten positiv: Der Bericht des American Petroleum Institute (API) zeigte, dass die US-Rohölvorräte in der Woche bis zum 12. Juni um 8,3 Millionen Barrel gesunken sind – deutlich mehr als die erwarteten 4,6 Millionen Barrel. Die offiziellen Zahlen der Energy Information Administration (EIA) wurden für Mittwoch um 10:30 Uhr ET erwartet und könnten dem Markt weitere Impulse liefern.


