Ölpreise im Spannungsfeld: Iran-Krise vs. Venezuela-Hoffnung
Die Ölmärkte bewegen sich in einer engen Spanne zwischen geopolitischen Risiken und Überangebotsprognosen. Während Unruhen im Iran die Versorgung bedrohen, könnten Sanktionserleichterungen für Venezuela zusätzliches Angebot bringen.

Die Ölpreise zeigten sich zu Wochenbeginn weitgehend stabil. Brent-Rohöl notierte bei 63,39 USD pro Barrel (+0,1%), während WTI bei 59,15 USD lag. Beide Kontrakte hatten in der Vorwoche über 3% zugelegt – getrieben von zunehmenden geopolitischen Spannungen.
Iran-Krise bedroht kritische Versorgungswege
Die anhaltenden Proteste im Iran verschärfen die Sorgen um Versorgungsunterbrechungen. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen starben bereits über 500 Menschen bei den regierungsfeindlichen Unruhen. Besonders besorgniserregend: Berichte über Streikaufrufe in der iranischen Ölindustrie.
Analysten von ANZ warnen, dass bis zu 1,9 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) an Ölexporten gefährdet sein könnten. Der Iran produziert als viertgrößtes OPEC-Mitglied rund 3,2 mb/d. Im Fokus steht die Straße von Hormus, durch die 2025 täglich 13 Millionen Barrel Rohöl flossen – etwa 31% der weltweiten seegestützten Öllieferungen.
Bob McNally von der Rapidan Energy Group sieht eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit für gezielte US-Militärschläge. Eine vollständige Blockade der Meerenge könnte die Ölpreise um 10 bis 20 USD pro Barrel nach oben treiben. Allerdings halten die meisten Experten ein solches Katastrophenszenario für unwahrscheinlich.
Venezuela könnte zusätzliches Angebot bringen
Gegenlaufende Impulse kommen aus Venezuela. US-Finanzminister Scott Bessent deutete an, dass Sanktionen gegen den venezolanischen Ölsektor bereits diese Woche gelockert werden könnten. Der Rohstoffhändler Trafigura rechnet damit, dass das erste Schiff in der kommenden Woche beladen wird.
Allerdings sehen Analysten von ING Schwierigkeiten für internationale Ölkonzerne, ohne Entschädigung für enteignete Vermögenswerte nach Venezuela zurückzukehren. Dies könnte die tatsächliche Angebotssteigerung begrenzen.
Goldman Sachs erwartet Überangebot ab 2026
Unabhängig von den aktuellen geopolitischen Turbulenzen zeichnet sich für 2026 ein deutliches Überangebot ab. Kpler schätzt den aktuellen Überschuss auf etwa 2,5 mb/d im Januar und über 3 mb/d in den Folgemonaten.
Goldman Sachs prognostiziert für 2026 durchschnittliche Preise von 56 USD pro Barrel für Brent und 52 USD für WTI. Im vierten Quartal 2026 könnten die Preise auf 54 USD (Brent) bzw. 50 USD (WTI) fallen, da die OECD-Lagerbestände steigen. Der erwartete Überschuss von 2,3 mb/d soll das Produktionswachstum außerhalb der OPEC bremsen.
Für 2027 erwartet die Bank eine schrittweise Erholung auf 58 USD (Brent) und 54 USD (WTI), da der Markt voraussichtlich wieder in ein Defizit übergeht. Als Haupttreiber nennt Goldman Sachs Angebotssteigerungen aus den USA (+0,3 mb/d), Venezuela (+0,4 mb/d) und Russland (+0,5 mb/d).
Russland-Sanktionen als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor
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Zur AktienanalyseWeitere Risiken für die Versorgung könnten von Russland ausgehen. Die Ukraine setzt ihre Angriffe auf russische Energieanlagen fort, während die USA härtere Sanktionen in Erwägung ziehen. Goldman Sachs geht jedoch davon aus, dass die US-Politik auf stabile Energieversorgung und moderate Ölpreise vor den Midterm-Wahlen setzt.
Die Bank empfiehlt Investoren, die Überangebots-These für 2026 durch Short-Positionen im Brent-Zeitspread umzusetzen. Langfristig sieht Goldman Sachs für 2030-2035 Preise von 75 USD (Brent) bzw. 71 USD (WTI).
Gold profitiert von Unsicherheit
Parallel zur Ölpreisentwicklung erreichte Gold am Montag ein Rekordhoch von 4.601,17 USD pro Unze. Neben der Iran-Krise befeuerten politische Spannungen in Washington und schwächere US-Arbeitsmarktdaten den Anstieg. Die Daten verstärkten Spekulationen auf eine lockerere Geldpolitik der Fed im Jahr 2026.


