Ölpreise fallen: US-Iran-Gespräche und Angebotsrekord belasten Markt
WTI und Brent geben deutlich nach, da nachlassende Versorgungsrisiken und eine Rekordproduktion die Rohölpreise unter Druck setzen.

Die Ölpreise sind am Donnerstag spürbar gefallen. WTI-Rohöl der Sorte US-Crude verlor um 00:01 Uhr ET (04:01 Uhr GMT) rund 1,4 Prozent auf 67,64 US-Dollar pro Barrel, während Brent-Rohöl um 1,3 Prozent auf 70,67 US-Dollar pro Barrel nachgab. Händler bewerteten dabei vor allem die nachlassenden Versorgungsrisiken aus dem Nahen Osten sowie verbesserte Angebotserwartungen auf dem Weltmarkt.
Im Mittelpunkt des Marktgeschehens standen die indirekten Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Doha. Die Unterhändler beendeten zweitägige technische Diskussionen, ohne einen Durchbruch in Richtung eines dauerhaften Friedensabkommens zu erzielen. Katar erklärte jedoch, die Gespräche hätten positive Fortschritte gemacht, und beide Seiten vereinbarten, die Verhandlungen fortzusetzen.
Straße von Hormus im Fokus
Die Doha-Gespräche konzentrierten sich unter anderem auf die Schifffahrt durch die Straße von Hormus sowie auf weitere vertrauensbildende Maßnahmen. Die Straße von Hormus gilt als einer der wichtigsten Engpässe für die globale Energieversorgung – jede Störung der Rohölströme dort hätte weitreichende Folgen für die Weltmärkte. Aktuell stiegen die Rohöllieferungen durch die Straße auf über 10 Millionen Barrel pro Tag, was das wachsende Marktvertrauen in eine stabile Versorgung widerspiegelt.
Obwohl sich die Spannungen seit dem jüngsten Konflikt in der Region entspannt haben, beobachten Händler die Entwicklungen weiterhin aufmerksam. Die anhaltende geopolitische Unsicherheit bietet den Rohölpreisen nach Einschätzung der australischen Bank ANZ weiterhin eine gewisse grundlegende Unterstützung. Gleichzeitig betonte ANZ, dass die nachlassenden Spannungen die Sorgen um das Angebot insgesamt verringert hätten.
US-Produktion auf Rekordniveau
Auf der Angebotsseite sorgen neue Daten der US-Energiebehörde EIA (Energy Information Administration) für zusätzlichen Druck auf die Preise. Die inländische Rohölproduktion der USA kletterte im April auf einen Rekordwert von 13,93 Millionen Barrel pro Tag. Diese Zahl bestärkt die Markterwartungen eines reichlichen globalen Angebots und lastet entsprechend auf den Notierungen.
Die Bank ANZ verwies zudem auf ihren China Commodity Index, der um 0,5 Prozent gestiegen sei – darunter auch die Energiekomponente mit einem Plus von ebenfalls 0,5 Prozent. Dies deute auf eine widerstandsfähige zugrunde liegende Rohstoffnachfrage hin, trotz des jüngsten Rückgangs der Ölpreise.
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Zur AktienanalyseBlick auf OPEC+ und weitere Impulse
Neben den geopolitischen Entwicklungen richten die Märkte ihren Blick auch auf die OPEC+. Es bestehen Erwartungen, dass das Ölkartell die Produktion im August erneut steigern könnte, was den Preisdruck weiter erhöhen würde. Zusätzliche Impulse erhoffen sich Händler von den anstehenden US-Lagerbestandsdaten sowie von weiteren Entwicklungen in den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran.
Für deutsche Anleger und Energieverbraucher bleibt die Lage am Ölmarkt damit von mehreren Faktoren abhängig: dem Verlauf der Diplomatie im Nahen Osten, der weiteren Produktionspolitik der OPEC+ sowie der anhaltend hohen US-Förderleistung. Das Zusammenspiel dieser Kräfte dürfte die Richtung der Rohölpreise in den kommenden Wochen maßgeblich bestimmen.


