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Ölpreise fallen nach Wiedereröffnung der Straße von Hormus

Tankerverkehr normalisiert sich rasch – Brent und WTI auf tiefstem Stand seit Ende Februar.

Ölpreise fallen nach Wiedereröffnung der Straße von Hormus

Die Ölpreise setzten am Donnerstag, dem 25. Juni, ihren Abwärtstrend fort. Auslöser ist die schnelle Wiederaufnahme des Tankerverkehrs durch die Straße von Hormus, nachdem ein erstes Abkommen zur Beendigung des seit dem 28. Februar andauernden US-israelischen Konflikts mit Iran erzielt wurde. Die nachlassenden Versorgungsängste lösten einen deutlichen Ausverkauf bei Rohöl-Futures aus.

August-Brent-Futures fielen um 1,06 Dollar auf 72,68 Dollar je Barrel. US-amerikanisches West Texas Intermediate (WTI) verlor 76 Cent und notierte bei 69,58 Dollar. Beide Benchmarks erreichten damit den niedrigsten Stand seit dem 27. Februar. Zudem handeln August-Brent-Kontrakte nun mit einem Abschlag gegenüber September-Kontrakten – ein klares Marktsignal, dass Händler kurzfristig mit einem deutlichen Angebotszuwachs rechnen.

IG-Analyst Tony Sycamore kommentierte die Heftigkeit der Marktreaktion: „Die Geschwindigkeit dieses Rückgangs hat viele auf dem falschen Fuß erwischt, da die Märkte eine viel schnellere Rückkehr der nahöstlichen Barrel einpreisen, als die meisten noch vor zwei Wochen erwartet hatten." Die Risikoprämie, die den Ölpreis zuvor aufgebläht hatte, löst sich damit rasch auf.

Hormus-Durchfluss wieder auf Vorkriegsniveau

US-Energieminister Chris Wright lieferte auf einem Forum wichtige Einblicke in die logistische Erholung der Region. Er bestätigte, dass die Durchflussmengen durch die Straße von Hormus wieder das Vorkriegsniveau erreicht haben – innerhalb von 24 Stunden passierten mindestens 20 Millionen Barrel die Wasserstraße. Wright warnte jedoch, dass eine vollständige Normalisierung noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen werde, da die Straße noch Minenräumungsoperationen benötige.

Trotz der laufenden 60-tägigen Verhandlungsphase des jüngsten Abkommens – das komplexe Themen wie Irans Nuklearprogramm adressieren soll – zeigte sich Wright zuversichtlich hinsichtlich der Stabilität der Versorgungsroute. Er betonte, dass Öl auch dann weiter fließen werde, wenn das aktuelle diplomatische Abkommen scheitern sollte.

Oman hat zur Unterstützung der Erholung temporäre Routen geöffnet, um festsitzenden Tankern die Ausfahrt zu ermöglichen. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) und omanische Behörden koordinieren dabei die Bewegung der Schiffe. Zudem besuchte der katarische Premierminister Oman, um Gespräche über die künftige Verwaltung der Straße einzuleiten – unter Beteiligung von Vertretern aus Iran, Irak und verschiedenen Golfstaaten.

Analysten erwarten deutlichen Preisrückgang im dritten Quartal

Die Investmentbank Macquarie hat ihre Prognosen angesichts der neuen Lage deutlich nach unten korrigiert. Die Analysten erwarten, dass sich die Ölpreise rasch in Richtung Vorkriegsniveau normalisieren werden. Konkret prognostiziert Macquarie für das dritte Quartal Durchschnittspreise von 67 Dollar für Brent und 62 Dollar für WTI – ein drastischer Rückgang gegenüber den Durchschnittswerten des zweiten Quartals von 94 beziehungsweise 87 Dollar je Barrel.

Bemerkenswert ist, dass der Markt die aktuellen US-Lagerdaten weitgehend ignoriert. Die US-Energiebehörde EIA meldete am Mittwoch, dass die gesamten US-Rohölvorräte auf den niedrigsten Stand seit 1984 gefallen sind – ein Ergebnis starker Raffinerienachfrage und strategischer Freigaben aus den Notreserven. Trotz dieser historisch knappen Versorgungslage konzentrieren sich Händler ausschließlich auf die geopolitischen Entwicklungen rund um die Straße von Hormus.

Da Iran sich zudem darauf vorbereitet, seine Ölverkäufe nach einer vorübergehenden Aussetzung der US-Sanktionen zu steigern, rechnet der globale Markt mit einer anhaltenden Phase erhöhten Angebots. Dies setzt die Preise für physische Rohöllieferungen weltweit weiter unter Druck.

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