Ölpreisanstieg und Tech-Sorgen belasten globale Aktienmärkte
Neue US-Angriffe auf den Iran, ein aufflammender Nahostkonflikt und schwache Tech-Werte setzen Börsen weltweit unter Druck.

Die globalen Aktienmärkte kämpfen weiterhin um Stabilität. Auslöser sind neue militärische Eskalationen im Nahen Osten sowie wachsende Unsicherheiten im Technologiesektor. Der Ölpreis zog infolgedessen kräftig an, während Anleger risikoreichere Anlagen mieden.
Die USA haben neue Angriffe auf mehrere Ziele im Iran gestartet. Präsident Donald Trump drohte dabei mit weiteren Attacken, sollte kein Friedensabkommen zustande kommen. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten daraufhin am Donnerstag, sie hätten Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Luftwaffenstützpunkte in Kuwait und Bahrain geübt – und drohten, jedes Schiff ins Visier zu nehmen, das die strategisch wichtige Straße von Hormus passiert.
Ölpreis und Aktienmärkte unter Druck
Die Sorte Brent reagierte prompt auf die Eskalation und stieg um 1,7 Prozent auf 94,64 US-Dollar. Die Straße von Hormus gilt als einer der bedeutendsten Schifffahrtswege der Welt – rund 20 Prozent des globalen Ölhandels passieren diesen engen Meereskanal zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel. Jede Bedrohung dieser Route treibt die Ölpreise erfahrungsgemäß schnell nach oben.
An den Aktienmärkten im asiatisch-pazifischen Raum zogen sich Anleger ebenfalls zurück. Der breit gefasste MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien außerhalb Japans verlor 1,3 Prozent. Besonders stark unter Druck gerieten taiwanesische und koreanische Aktien, während die Kurse von KI-Chipherstellern zwischen Gewinnen und Verlusten schwankten.
Im frühen europäischen Handel setzten sich die Verluste fort. Regionenübergreifende Futures brachen um 0,8 Prozent ein, die deutschen DAX-Futures gaben um 0,6 Prozent nach und die FTSE-Futures fielen ebenfalls um 0,8 Prozent. Lediglich die US-Aktienfutures stabilisierten sich zaghaft: Die E-Mini-Futures auf den S&P 500 legten um 0,2 Prozent zu und waren damit auf Kurs, eine zweitägige Verlustserie zu beenden.
Tech-Sektor: SpaceX-IPO und Oracle-Schock
Neben dem geopolitischen Umfeld belastet auch der Technologiesektor die Stimmung. Einige Analysten führen den jüngsten Einbruch auf Umschichtungen der Anleger im Vorfeld des bevorstehenden SpaceX-Aktienangebots zurück. Laut Reuters hat das IPO bereits eine Investorennachfrage von mehr als 250 Milliarden US-Dollar angezogen – was es zum potenziell größten Börsengang aller Zeiten machen würde.
Zusätzlich belastete Oracle die Marktstimmung erheblich. Das Unternehmen stellte Ausgabenpläne vor, die weit über den Erwartungen lagen, was Sorgen über die Verschuldung schürte. Die Oracle-Aktien brachen im nachbörslichen Handel um 10 Prozent ein – ein deutliches Signal, dass Anleger derzeit wenig Toleranz für aggressive Investitionsankündigungen zeigen.
EZB-Entscheidung und US-Inflation im Fokus
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseAm Devisenmarkt legte der Euro gegenüber dem US-Dollar um 0,1 Prozent auf 1,1544 Dollar zu. Dies geschah im Vorfeld der geldpolitischen Bekanntgabe der Europäischen Zentralbank am späteren Donnerstag, bei der allgemein mit einer Zinserhöhung gerechnet wird. Die Gemeinschaftswährung behauptete ihre Gewinne, obwohl das Aufflammen des Iran-Konflikts den US-Dollar-Index fest auf seinem stärksten Stand seit Beginn der Waffenruhe-Gespräche mit Teheran Anfang April hielt.
Die am Mittwoch veröffentlichten hohen US-Inflationsdaten haben die Marktwetten laut dem FedWatch-Tool der CME in Richtung einer Zinserhöhung im Oktober verschoben, wenngleich die Erwartungen weiterhin ausgeglichen sind. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen stieg um 1,4 Basispunkte auf 4,552 Prozent – ein Zeichen dafür, dass Anleger höhere Zinsen für länger einpreisen.
Für den weiteren Handelstag stehen neben der EZB-Zinsentscheidung und der anschließenden Pressekonferenz auch die deutschen Leistungsbilanzdaten für April auf dem Programm. Beide Datenpunkte könnten die Märkte in einem ohnehin angespannten Umfeld zusätzlich bewegen.


