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Ölpreisanstieg über 100 Dollar treibt globalen Anleihenausverkauf

Steigende Ölpreise und geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus schicken Anleiherenditen weltweit auf Mehrjahreshöchststände.

Ölpreisanstieg über 100 Dollar treibt globalen Anleihenausverkauf

Ein weltweiter Ausverkauf am Anleihenmarkt hat sich am Donnerstag deutlich verschärft. Der Auslöser: Rohöl der Sorte Brent kletterte auf über 100 US-Dollar pro Barrel und entfachte damit die Sorgen vor einem erneuten Inflationsschock neu. Die Kreditkosten großer Volkswirtschaften stiegen daraufhin wieder auf ihre Jahreshöchststände.

Besonders deutlich spürbar war der Druck bei deutschen Bundesanleihen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg um 0,03 Prozentpunkte auf 3,21 Prozent – den höchsten Stand seit 2011. Auch US-Staatsanleihen gerieten unter Druck: Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Treasuries erreichte 4,71 Prozent, den höchsten Stand seit Januar 2025, und übertraf damit ihren bisherigen kriegsbedingten Höchststand von 4,69 Prozent aus dem Mai.

Weitere globale Anleihemärkte folgten dem Trend. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen berührte erstmals seit 2009 die Marke von 4 Prozent. Britische Gilts rentierten am Donnerstag bei 5,10 Prozent, ein Anstieg um 0,07 Prozentpunkte – blieben jedoch noch unter ihrem Mai-Hoch. Zur Erinnerung: Anleiherenditen steigen, wenn die Kurse fallen.

Hormus-Konflikt als zentraler Risikofaktor

Der Hintergrund der Marktturbulenzen ist geopolitischer Natur. Eskalierende Angriffe zwischen den USA und dem Iran haben die Hoffnungen der Anleger zunichtegemacht, dass die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Rohöl weltweit – wieder vollständig für den Transport geöffnet werden kann. Zusätzlich kündigten von Iran unterstützte Huthi-Milizen diese Woche eine Blockade Saudi-Arabiens an, was die Rohölpreise auf ein Sieben-Wochen-Hoch trieb.

Die Preisentwicklung beim Öl verdeutlicht das Ausmaß der Bewegung: Die Sorte Brent stieg von etwas über 70 Dollar pro Barrel Anfang Juli auf bis zu 101 Dollar am Donnerstag. Damit nähert sich der Preis wieder dem im Mai erreichten Hoch von 126 Dollar pro Barrel, liegt aber noch ein Stück davon entfernt.

Mike Bell, Leiter der Marktstrategie bei RBC BlueBay Asset Management, kommentierte die Lage deutlich: „Die Anleger wollten das Thema Hormus einfach hinter sich lassen und vergessen, aber das fühlte sich schon immer wie Wunschdenken an." Er ergänzte: „Den Kopf in den Sand zu stecken, ist keine Strategie im Umgang mit politischen Risiken."

Druck auf verschuldete Staaten wächst

Der Anstieg der Anleiherenditen erhöht den Druck auf ohnehin stark verschuldete Regierungen erheblich. Laut einem Bericht von Fitch Ratings werden Italien, Großbritannien und Kanada voraussichtlich etwa 8 Prozent ihrer Staatseinnahmen für Zinszahlungen aufwenden – die USA sogar fast 12 Prozent. Fitch warnte zudem, dass der Krieg in diesem Jahr „negative Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen der Industrieländer durch ein schwächeres BIP-Wachstum, höhere Zinskosten und in einigen Fällen moderate Energiesubventionen" haben werde.

Anleger sorgen sich darüber hinaus, dass strategische Ölreserven, die beim ersten Preisanstieg bereits angezapft wurden, diesmal weniger Schutz bieten könnten. Die Bank of England warnte im vergangenen Monat in ihrem jährlichen Finanzstabilitätsbericht, dass im Falle einer erneuten Eskalation der Spielraum für frühere Abmilderungsmaßnahmen wie die Freigabe strategischer Ölreserven begrenzt sein könnte.

EZB hält Zinsen – warnt aber vor Unsicherheit

Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ die Zinsen auf ihrer Sitzung am Donnerstag unverändert, nachdem sie diese seit dem ersten Ölpreisanstieg bereits angehoben hatte. Gleichzeitig warnte die EZB, dass die Unsicherheit „hoch bleibt und die vollen inflationären Auswirkungen des Energieschocks noch nicht absehbar sind". Anleger werden die kommenden Zentralbanksitzungen daher genau beobachten, um Hinweise auf die weitere geldpolitische Reaktion auf den Energiepreisanstieg zu erhalten.

Für deutsche Privatanleger bedeutet das aktuelle Umfeld eine erhöhte Volatilität sowohl am Anleihe- als auch am Energiemarkt. Steigende Renditen bei Bundesanleihen können zwar für Neuinvestoren attraktiver werden, belasten jedoch bestehende Anleiheportfolios und erhöhen die Refinanzierungskosten des Staates – mit potenziellen Folgen für Haushaltspolitik und Wirtschaftswachstum.

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