Ölpreis unter Druck: Markt hofft auf Frieden im Iran-Krieg
Brent fällt unter 100 Dollar – Investoren setzen auf baldige Einigung im Iran-Konflikt trotz anhaltender Spannungen.

Die Ölpreise haben am Mittwoch, dem 27. Mai 2026, leicht nachgegeben und damit einen Teil der Vortagesgewinne wieder abgegeben. Der Juli-Terminkontrakt für Brent-Rohöl fiel am Morgen um 1,6 Prozent auf 98,01 Dollar je Barrel. Damit bleibt die Notierung deutlich unter dem Niveau vom Ende der Vorwoche – und knapp unter der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar.
Frische Impulse aus dem Nahen Osten blieben in der Nacht auf Mittwoch aus. Investoren blenden einzelne militärische Zwischenfälle weitgehend aus und setzen darauf, dass die laufenden Friedensverhandlungen zwischen dem Iran und den USA bald entscheidende Fortschritte erzielen. Als Vermittler ist Pakistan in die Kontakte zwischen Washington und Teheran eingebunden.
Waffenruhe gilt – doch Spannungen bleiben hoch
Seit dem 8. April gilt zwar eine Waffenruhe. Rund um die Straße von Hormus kam es dennoch bereits zu mehreren gegenseitigen Angriffen. Die jüngsten Attacken sowie Israels Vorgehen im Libanon belasten das Umfeld der Gespräche zur Beilegung des Konflikts erheblich. US-Außenminister Marco Rubio hatte am Dienstag vor Reportern in Indien erklärt, die Verhandlungen könnten noch „einige Tage in Anspruch nehmen". Beide Seiten ringen demnach noch über den genauen Wortlaut eines ersten Dokuments, das die Grundlage für ein mögliches Abkommen bilden soll.
Am Dienstag, dem 26. Mai, hatten die Ölpreise zunächst wieder zugelegt. Auslöser waren neue US-Militärschläge gegen den Iran, die Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende dämpften. Brent stieg daraufhin um mehr als zwei Prozent auf 98,44 Dollar. US-Rohöl der Sorte WTI wurde zuletzt bei rund 92 Dollar gehandelt. Am Montag zuvor war Brent zeitweise um rund acht Dollar abgestürzt und hatte mit knapp 96 Dollar den niedrigsten Stand seit Mitte April erreicht – ausgelöst durch Signale politischer Annäherung, nachdem US-Präsident Donald Trump ein mögliches Rahmenabkommen mit Teheran als „weitgehend" ausgehandelt bezeichnet hatte.
Diese Hoffnungen wurden jedoch rasch wieder gedämpft. Das US-Militär griff trotz bestehender Waffenruhe im Süden des Iran Raketenstellungen an. Zudem attackierten US-Einheiten in der Nähe der Straße von Hormus Boote, die dabei waren, Minen in der Meerenge zu verlegen. Ein Militärsprecher bezeichnete die Einsätze als „Angriffe zur Selbstverteidigung" zum Schutz eigener Truppen.
Straße von Hormus: Zentrale Engstelle für den Weltölmarkt
Die Straße von Hormus gilt seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar faktisch als blockiert – mit erheblichen Folgen für die globalen Rohstoffmärkte. Brent hatte im März zeitweise mehr als 120 Dollar je Barrel gekostet. Gegenüber dem Niveau vor Kriegsbeginn liegt der Preis aktuell noch immer rund 40 Prozent höher.
Rohstoffexpertin Barbara Lambrecht von der Commerzbank hatte bereits am 22. Mai darauf hingewiesen, dass sich Brent „deutlich über 100 Dollar je Barrel etabliert" habe. Zugleich warnte sie: „Je länger die Straße von Hormus geschlossen bleibt, desto mehr muss auf die Lagerbestände zurückgegriffen werden." Zusätzlich stützten zuletzt Meldungen über rasch sinkende Ölreserven in großen Industriestaaten das Preisniveau.
Auch nach einem möglichen Kriegsende dürften die Folgen für den Ölmarkt noch lange spürbar bleiben. Joe DeLaura, globaler Energiestratege bei der Rabobank, rechnet damit, dass es bis zu 55 Tage dauert, um Öl aus dem Persischen Golf an seinen Bestimmungsort zu bringen. In dieser Zeitspanne könnten die Lagerbestände der Industriestaaten demnach selbst nach einem Kriegsende weiter sinken.
Normalisierung erst 2027 erwartet
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Zur AktienanalyseNoch weitreichender ist die Einschätzung von Sultan Ahmed Al Jaber, dem Chef der staatlichen Ölgesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate. Selbst bei einem sofortigen Ende des Konflikts würden sich die Lieferströme aus dem Nahen Osten erst weit bis ins Jahr 2027 hinein vollständig normalisieren. Die Sperrung der Straße von Hormus bezeichnete Al Jaber als die schwerwiegendste Versorgungsstörung, die jemals verzeichnet worden sei.
Hintergrund des gesamten Konflikts: Am 28. Februar hatten die USA gemeinsam mit Israel Angriffe auf Ziele im Iran gestartet. Teheran reagierte mit Gegenschlägen auf Israel sowie auf Staaten am Persischen Golf. Seit Anfang April gilt eine Waffenruhe, die Trump zuletzt einseitig verlängert hatte. Zuvor hatte Trump den Druck auf Teheran noch einmal deutlich erhöht und offen mit einer Wiederaufnahme des Kriegs gedroht – auf der Plattform Truth Social schrieb er, für den Iran ticke die Uhr.
Für Anleger bleibt der Ölmarkt damit ein hochvolatiles Terrain: Militärschläge, diplomatische Signale und Bestandsdaten reichen aus, um die Preise kurzfristig deutlich zu bewegen. Solange die Straße von Hormus blockiert bleibt und die Verhandlungen keinen greifbaren Durchbruch liefern, dürfte die Unsicherheit an den Rohstoffmärkten anhalten.

