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Ölpreis fällt auf Vor-Kriegs-Tief – Hormus normalisiert sich

Brent und WTI rutschen den vierten Tag in Folge ab und geben die geopolitische Risikoprämie des Iran-Konflikts fast vollständig auf.

Ölpreis fällt auf Vor-Kriegs-Tief – Hormus normalisiert sich

Die Ölpreise sind am Donnerstag erneut unter Druck geraten und haben den niedrigsten Stand seit der Zeit vor dem Iran-Krieg erreicht. Brent-Rohöl fiel um 1,8 Prozent auf 72,42 US-Dollar pro Barrel, während WTI (West Texas Intermediate) um 1,5 Prozent auf 69,27 US-Dollar nachgab. Beide Kontrakte markierten damit ihren tiefsten Stand seit dem 27. Februar – einen Tag vor Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran.

Der Rückgang setzt eine Serie von Verlusten fort: Bereits in der vorangegangenen Handelssitzung hatten die Preise um knapp 4 Prozent nachgegeben. Damit hat der Markt den Großteil der geopolitischen Risikoprämie, die sich während des Krieges aufgebaut hatte, wieder abgebaut. Auf dem Höhepunkt der Krise hatte Brent-Rohöl zeitweise die Marke von 120 US-Dollar pro Barrel überschritten – ein dramatischer Kontrast zu den aktuellen Niveaus.

Straße von Hormus: Verkehr normalisiert sich

Der entscheidende Faktor für den Preisrückgang ist die Entspannung an der Straße von Hormus. Die Meerenge gilt als eine der wichtigsten Energieverkehrsadern der Welt – rund ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs wird durch sie transportiert. US-Energieminister Chris Wright erklärte, dass die Rohölströme durch die Wasserstraße nahezu das normale Niveau erreicht hätten. In den letzten 24 Stunden hätten etwa 20 Millionen Barrel Rohöl unter militärischem Schutz die Meerenge verlassen.

Schifffahrtsdaten bestätigen dieses Bild: Nach wochenlangen Unterbrechungen haben wieder mehr Schiffe den Transit durch die Meerenge aufgenommen. Mehrere Tanker, die zuvor im Persischen Golf festgesessen hatten, haben ihre Fahrt inzwischen fortgesetzt. Die Normalisierung des Schiffsverkehrs signalisiert dem Markt, dass eine unmittelbare Versorgungskrise vorerst abgewendet scheint.

Zusätzlich wägen Anleger die Erwartung ab, dass iranische Ölexporte nach einer vorübergehenden Lockerung der US-Sanktionen und einer Entspannung der regionalen Spannungen wieder anziehen könnten. Dies verringert die Befürchtungen eines anhaltenden Versorgungsengpasses weiter und verstärkt den Abwärtsdruck auf die Preise.

Gemischte US-Lagerdaten belasten zusätzlich

Zur bärischen Marktstimmung trugen auch die am Mittwoch veröffentlichten US-Lagerbestandsdaten der Energy Information Administration (EIA) bei. Die kommerziellen Rohölvorräte in den USA sanken in der Woche bis zum 19. Juni um 6,1 Millionen Barrel auf 412,1 Millionen Barrel – den niedrigsten Stand seit Januar 2025 und ein stärkerer Rückgang als von Analysten erwartet.

Die Rohölbestände am wichtigen Auslieferungslager in Cushing, Oklahoma, gingen ebenfalls um rund 1,1 Millionen Barrel zurück und erreichten den niedrigsten Stand seit 2014. Auf der anderen Seite stiegen die Benzinvorräte um 2,1 Millionen Barrel, während die Bestände an Destillaten – darunter Diesel und Heizöl – um 3,1 Millionen Barrel zulegten. Diese gemischten Signale dämpften die Hoffnung auf eine rasche Preiserholung.

Risiken bleiben bestehen

Trotz des deutlichen Preisrückgangs warnen Analysten vor voreiligen Schlüssen. Jede erneute Eskalation zwischen dem Iran und den USA könnte die Versorgungssorgen schnell wieder anfachen und die Risikoprämie zurückbringen. Die geopolitische Lage im Nahen Osten bleibt fragil, und der Markt reagiert sensibel auf neue Entwicklungen.

Für deutsche Anleger und Verbraucher ist die Entwicklung zweischneidig: Niedrigere Ölpreise entlasten zwar Kraftstoff- und Energiekosten, signalisieren aber auch eine nachlassende Risikowahrnehmung, die sich schnell wieder ändern kann. Investoren sollten die Lage an der Straße von Hormus und die diplomatischen Entwicklungen zwischen Washington und Teheran weiterhin aufmerksam verfolgen.

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