Ölpreis aktuell: Trumps Iran-Ultimatum und Eskalation in der Straße von Hormus
Trump setzt dem Iran ein neues Ultimatum bis Dienstag – während Schiffsangriffe und Militärschläge die Ölmärkte in Atem halten.

US-Präsident Donald Trump hat dem Iran ein eng befristetes Ultimatum gestellt: Bis Dienstag soll die Straße von Hormus vollständig für den internationalen Schiffsverkehr geöffnet werden – und zwar auf den Stand vor Ausbruch des Iran-Kriegs. Die iranische Führung hat eine solche Rückkehr zum Vorkriegszustand bislang wiederholt abgelehnt. Trump bezeichnete die laufenden Gespräche mit Teheran dennoch als „letzte Chance" für ein Abkommen.
Parallel zur diplomatischen Drohkulisse spitzt sich die Lage in der Region weiter zu. Vor der Küste des Omans wurde erneut ein Handelsschiff attackiert. Die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) meldete, ein „unbekanntes Geschoss" habe einen Frachter rund 37 Kilometer nordöstlich von Al Khasab getroffen. Die Lage in der für den globalen Ölhandel strategisch zentralen Meerenge bleibt damit hochgefährlich.
Trump hatte nach eigener Darstellung einen massiven Militärschlag gegen den Iran zunächst gestoppt – er sprach vom größten US-Militäreinsatz „seit dem Zweiten Weltkrieg", der vorerst ausgesetzt worden sei, um Verhandlungen Raum zu geben. Für Montag kündigte er neue Gespräche an. Auf iranischer Seite war davon wenig zu spüren: Außenamtssprecher Ismail Baghai berichtete lediglich von bilateralen Gesprächen mit dem Oman über einen vorläufigen Schifffahrtskorridor. Trump warf Teheran daraufhin auf Truth Social vor, nicht ehrlich zu agieren.
Ölpreis unter Druck nach abgesagtem Militärschlag
Die Ankündigung des Angriffsstopps hatte am 3. August deutliche Spuren am Ölmarkt hinterlassen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober fiel auf etwas mehr als 83 US-Dollar – ein Rückgang von rund sieben Prozent. Anleger werteten die diplomatische Öffnung als Signal einer möglichen Entspannung und reduzierten ihre Risikoprämien.
An den asiatischen Aktienmärkten blieb die Erleichterung jedoch aus. Der südkoreanische Leitindex Kospi verlor bis zum Mittag knapp fünf Prozent, der japanische Nikkei 225 gab 1,7 Prozent nach. Experten führen die schwache Entwicklung vor allem auf wachsende Zweifel zurück, ob der Boom rund um Künstliche Intelligenz in diesem Tempo anhalten kann. In Hongkong legte der Hang Seng dagegen moderat um 0,2 Prozent zu, während der chinesische CSI-300-Index rund 0,8 Prozent im Minus notierte.
Raketenangriff ließ Brent auf 87 Dollar klettern
Bereits am 29. Juli hatte der Ölpreis nach mehreren Verlusttagen wieder deutlich angezogen. Auslöser war der erste iranische Raketenangriff auf US-Truppen im Nahen Osten seit dem US-Angriffsstopp. Brent mit Lieferung im September verteuerte sich auf 87,15 US-Dollar je Barrel – ein Plus von fast vier Prozent gegenüber dem Vortag. Nach Angaben des Portals „Axios" flogen iranische Raketen in Richtung eines US-Stützpunkts in Jordanien; alle Geschosse wurden laut dem US-Regionalkommando Centcom abgefangen.
Die Investmentbank RBC Capital Markets dämpfte Hoffnungen auf eine baldige Normalisierung der Schifffahrtsrouten: „Die anhaltende Bedrohung durch Raketen, Minen, Drohnen und Maßnahmen Teherans wird einen erheblichen Teil des Schifffahrtsmarktes davon abhalten, sich zu engagieren", hieß es in einer Einschätzung der Bank.
Brent kurzzeitig über 100 Dollar – weit unter dem Jahreshoch
Am 23. Juli überschritt der Brent-Preis erstmals wieder die Marke von 100 US-Dollar je Barrel. Noch Anfang Juli war er zeitweise bis auf rund 70 Dollar gefallen, getragen von Hoffnungen auf eine anhaltende Waffenruhe. Diese Erwartungen erfüllten sich nicht. Zusätzlichen Druck erzeugten Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Milizen auf zwei saudi-arabische Tankschiffe im Roten Meer.
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Zur AktienanalyseDas US-Militär flog in der Nacht zum 23. Juli eine weitere Angriffswelle gegen Ziele im Iran – es war bereits die zwölfte Nacht in Folge. Im Visier standen laut Centcom Raketen- und Drohnenlager, Küstenüberwachungsanlagen sowie Teile der iranischen Flugabwehr. Ziel sei es, künftige Angriffe auf Handelsschiffe zu verhindern. Trotz des Preisanstiegs lag Brent damit noch deutlich unter dem Jahreshoch von rund 126 Dollar, das Ende April markiert worden war – damals hatte der Beginn des Iran-Kriegs durch die USA und Israel den Preis in kurzer Zeit stark nach oben getrieben.
Waffenruhe-Hoffnungen dämpften zwischenzeitlich die Preise
Am 21. Juli hatten die Ölpreise ihren Aufwärtstrend kurzzeitig unterbrochen. Brent fiel um mehr als ein Prozent auf 87,21 US-Dollar, nachdem die Notierung zu Wochenbeginn noch auf 91,42 Dollar gestiegen war. Hintergrund waren Berichte über Vermittlungsbemühungen hinter den Kulissen: Katar, Ägypten, Pakistan und weitere regionale Akteure sollen den Konfliktparteien einen Vorschlag für eine zehntägige Waffenruhe unterbreitet haben – sowohl „Axios" als auch das „Wall Street Journal" berichteten darüber.
Für Privatanleger bleibt die Lage am Ölmarkt damit von hoher Unsicherheit geprägt. Ob Trumps Ultimatum zu einer echten Entspannung führt oder die Eskalation weiter anhält, dürfte die Energiepreise und damit auch die Aktienmärkte in den kommenden Tagen maßgeblich beeinflussen.


