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Öl- und Gaspreise ab Juli: Was Autofahrer und Heizer erwartet

Tankrabatt weg, Nahost-Krise schwelt – Ölpreis bei 72 Dollar je Barrel. Was Verbraucher ab Juli wirklich zahlen müssen.

Öl- und Gaspreise ab Juli: Was Autofahrer und Heizer erwartet

Die Ölmärkte zeigen sich weiterhin angespannt. Militärische Zwischenfälle am Persischen Golf belasten die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran erheblich. Beide Seiten wollen die Gespräche zwar fortführen, doch das gegenseitige Misstrauen bremst jeden Fortschritt. Der Ölpreis hält sich deshalb stabil bei rund 72 Dollar je Barrel – ein weiterer Preisverfall ist vorerst gestoppt.

Sollten die Friedensgespräche doch noch zu einem Ergebnis führen, dürfte der Preis spürbar nachgeben. Experten sehen bei etwa 55 Dollar je Barrel eine Art natürlichen Boden: Selbst bei diesem Niveau könnten die meisten US-Ölförderer noch profitabel arbeiten. Ein Rückgang auf dieses Niveau gilt für 2025 allerdings als unwahrscheinlich.

Zusätzliche Unterstützung liefern die Lagerbestände. Die Berenberg Bank weist darauf hin, dass die aktuellen US-Ölreserven unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt liegen. „Die nun niedrigen Öllagerbestände dürften das weitere Abwärtspotenzial von Rohöl zumindest begrenzen", so die Einschätzung der Bank. Auch global sind die Bestände rückläufig – lagen im Mai weltweit aber noch über dem Vorjahresniveau.

Was Autofahrer ab Juli konkret erwartet

An der Zapfsäule laufen zwei gegenläufige Kräfte aufeinander zu. Einerseits fällt der staatliche Tankrabatt Ende Juni weg. Das ifo Institut hat untersucht, wie stark die Tankstellen diesen Rabatt an ihre Kunden weitergegeben haben – und rechnet ab Anfang Juli mit steigenden Kraftstoffpreisen. Andererseits könnte ein sinkender Ölpreis an den Großhandelsmärkten dämpfend wirken.

Die Erfahrung zeigt: Bei fallenden Ölpreisen geben Tankstellen Preissenkungen erfahrungsgemäß nur zögerlich weiter. Am wahrscheinlichsten ist daher, dass die Anbieter das Auslaufen des Rabatts nutzen werden, um Benzin und Diesel in den Sommerferien zu verteuern. Erst danach dürften die Preise wieder sinken.

Fundamentale Faktoren bestimmen die weitere Richtung

Neben der geopolitischen Lage sind es vor allem Angebot und Nachfrage, die den Ölpreis langfristig steuern. Die Opec erwartet, dass ihre Mitglieder die Produktion in diesem Jahr um 0,6 Millionen Barrel pro Tag steigern werden. Auch in den USA dürfte die Förderung zunehmen – US-Präsident Donald Trump drängt die heimischen Konzerne aktiv zur Produktionsausweitung.

Trumps Motiv ist dabei klar politisch: Eine steigende Inflation, angeheizt durch hohe Energiepreise, könnte den Republikanern bei den November-Wahlen schaden. Im Mai lag die US-Inflationsrate bei 4,2 Prozent – dem höchsten Stand seit September 2023. Die LBBW prognostiziert für das Gesamtjahr eine Inflationsrate von rund vier Prozent und begründet dies damit, dass hohe Energiepreise mit Verzögerung auch bei den Lebensmittelpreisen ankommen.

Gaspreise: Großhandel zieht an, Haushalte spüren es noch kaum

Auch die Gaspreise reagierten auf den Nahost-Konflikt. Im März schnellte der Preis für europäisches Gas von 32 Euro je Megawattstunde auf bis zu 62 Euro. Aktuell notiert das in den Niederlanden gehandelte Gas bei 42 Euro je Megawattstunde – rund 40 Prozent mehr als die etwa 30 Euro zu Jahresbeginn.

Bei den Haushaltspreisen ist davon bislang wenig angekommen. Laut dem Gaspreisindex der Vergleichsplattform Verivox blieb der Gaspreis seit Jahresbeginn stabil. Doch das dürfte sich ändern. „Die jüngsten Preissteigerungen am Großhandelsmarkt infolge des Nahost-Konflikts sind bislang bei vielen Haushalten noch nicht angekommen", erklärt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

Der Grund für diesen Zeitverzug: Versorger beschaffen Gas für Bestandskunden über langfristige Verträge und können kurzfristige Schwankungen so eine Weile abfedern. Storck hält es dennoch für möglich, dass einzelne Anbieter ihre Gaspreise noch in diesem Jahr anheben werden. Für Verbraucher bedeutet das: Zunächst dürften die Kosten steigen – eine mögliche Einigung zwischen den USA und dem Iran könnte erst später preissenkend wirken.

Hauseigentümer mit Gasheizung stehen zudem vor einer weiteren Herausforderung: Der Gesetzgeber schreibt vor, dass neue Heizungsanlagen künftig einen sukzessiv steigenden Anteil an Biogas nutzen müssen. Die Kosten für Biogas aus heimischer Produktion sind derzeit kaum kalkulierbar – Angebot und Nachfrage sind noch zu gering, um verlässliche Preise abzuleiten.

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