Ölpreise steigen nach vorherigem Kursrückgang
Zollkonflikte, Geldpolitik und Iran-Gespräche beeinflussen Markterwartungen und Nachfrageprognosen

Die Ölpreise sind am Dienstag gestiegen, nachdem Anleger die Kursverluste vom Vortag nutzten, um Short-Positionen zu decken. Dennoch hielten sich die Sorgen über wirtschaftliche Belastungen durch Zölle und die Geldpolitik der US-Notenbank, die die Nachfrage nach Kraftstoffen dämpfen könnten. Die Brent-Rohöl-Futures legten um 42 Cent beziehungsweise 0,6 Prozent auf 66,68 US-Dollar je Barrel zu. Der US-West-Texas-Intermediate-Rohölkontrakt für Mai, der am Dienstag ausläuft, stieg um 45 Cent oder 0,7 Prozent auf 63,53 US-Dollar je Barrel. Der aktivere WTI-Juni-Kontrakt notierte bei 62,86 US-Dollar und damit ebenfalls um 0,7 Prozent höher.
Am Montag waren beide Referenzsorten um mehr als zwei Prozent gefallen, nachdem Fortschritte in den Gesprächen über ein mögliches Atomabkommen zwischen den USA und dem Iran gemeldet wurden. Diese Entwicklungen hatten Bedenken hinsichtlich eines knappen Ölangebots abgemildert. Laut Hiroyuki Kikukawa, Chefstratege bei Nissan Securities Investment, sei nach dem deutlichen Rückgang am Montag eine gewisse Eindeckung von Short-Positionen erfolgt. Dennoch bestünden weiterhin Sorgen über eine mögliche Rezession, die durch den Zollkonflikt ausgelöst werden könnte. Seiner Einschätzung nach dürfte WTI vorerst in einer Spanne zwischen 55 und 65 US-Dollar gehandelt werden.
US-Präsident Donald Trump hatte am Montag erneut Kritik an Notenbankchef Jerome Powell geäußert und erklärt, dass sich die US-Wirtschaft verlangsamen könne, falls die Zinsen nicht sofort gesenkt würden. Diese Aussagen schürten Zweifel an der Unabhängigkeit der Fed und beeinflussten die Aussichten für US-Vermögenswerte negativ. In der Folge gaben wichtige US-Aktienindizes nach, und der Dollar-Index fiel auf ein Drei-Jahres-Tief. Kikukawa wies darauf hin, dass die zunehmende Unsicherheit in der US-Geldpolitik die Finanzmärkte und die Gesamtwirtschaft belasten könnte, was wiederum die Nachfrage nach Rohöl verringern dürfte.
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Zur AktienanalyseEiner Reuters-Umfrage zufolge erwarten Investoren, dass die Zollpolitik zu einer spürbaren Verlangsamung der US-Wirtschaft in diesem und im kommenden Jahr führen wird. Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession innerhalb der nächsten zwölf Monate liegt demnach bei fast 50 Prozent. Gleichzeitig verringerten sich mit dem Beginn von Rahmenverhandlungen über ein mögliches Atomabkommen zwischen den USA und dem Iran die Sorgen über einen Rückgang iranischer Ölexporte. Das US-Sanktionsregime könnte im Zuge dieser Gespräche gelockert werden. Das russische Wirtschaftsministerium senkte unterdessen seine Prognose für den durchschnittlichen Brent-Preis im Jahr 2025 um fast 17 Prozent. Laut einer Reuters-Umfrage wird zudem erwartet, dass die US-Rohöl- und Benzinvorräte in der vergangenen Woche gesunken sind, während die Destillatbestände vermutlich zulegten.

