Ölpreise stabilisieren sich nach Trumps Russland-Drohung
Auch China und Indien rücken durch US-Sanktionspläne in den Fokus der Märkte

Die Ölpreise haben nach einem kräftigen Anstieg in der vorherigen Handelssitzung eine Pause eingelegt. Anleger warteten auf neue Entwicklungen im Zusammenhang mit der verschärften Frist von US-Präsident Donald Trump an Russland, den Krieg in der Ukraine zu beenden. In der asiatischen Sitzung legten die meistgehandelten Brent-Futures leicht um acht Cent oder 0,12 Prozent auf 71,81 US-Dollar pro Barrel zu. Der US-Ölpreis West Texas Intermediate stieg ebenfalls um acht Cent auf 69,29 Dollar pro Barrel. Der Brent-Kontrakt für September, der am Mittwoch ausläuft, notierte bei 72,69 Dollar – 18 Cent über dem Vortag.
Beide Ölsorten hatten den Handel am Dienstag auf dem höchsten Stand seit dem 20. Juni beendet. Auslöser war Trumps Ankündigung, dass er bereits in 10 bis 12 Tagen und nicht wie bisher nach 50 Tagen Strafmaßnahmen gegen Russland einleiten werde, sollte es keine Fortschritte in Richtung eines Kriegsendes geben. Dazu zählen auch sogenannte Sekundärzölle in Höhe von 100 Prozent auf Handelspartner Russlands.
Marktexperten sehen in dieser Entwicklung einen stabilen Risikoaufschlag von vier bis fünf Dollar pro Barrel im Ölpreis, solange Russlands Präsident Wladimir Putin keine Entspannungssignale sendet. Zusätzlichen Druck auf das Angebot erzeugt die Warnung der USA an China, dem größten Abnehmer russischen Öls. Die US-Regierung drohte mit hohen Strafzöllen, sollte Peking weiterhin russisches Öl kaufen. Laut US-Finanzminister Scott Bessent äußerte man diese Warnung bei Handelsgesprächen mit der EU in Stockholm.
Analysten der US-Großbank JP Morgan gehen davon aus, dass China den US-Sanktionen kaum nachkommen wird. Indien dagegen habe Bereitschaft signalisiert, was potenziell 2,3 Millionen Barrel russischer Tagesexporte gefährden könnte. Ein positiver Impuls für den Ölmarkt kam unterdessen von einem neuen Handelsabkommen zwischen den USA und der EU. Es sieht vor, dass europäische Importe mit 15 Prozent US-Zöllen belegt werden – ein Kompromiss, der die Gefahr eines Handelskriegs mindert und das Wirtschaftswachstum stützen könnte.
In Venezuela warten ausländische Partnerunternehmen des staatlichen Ölkonzerns PDVSA weiterhin auf eine US-Genehmigung zur Wiederaufnahme ihrer Tätigkeiten. Eine Rückkehr venezolanischer Öllieferungen auf den Markt könnte den Preisauftrieb abmildern. Das Augenmerk der Märkte liegt außerdem auf anstehenden US-Handelsabkommen, Gesprächen der Notenbank Fed und der weiteren Zinspolitik.
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Zur AktienanalyseTrotz Trumps Kritik wird allgemein erwartet, dass die US-Notenbank die Leitzinsen bei ihrem Treffen am Mittwoch unverändert lässt. Der Internationale Währungsfonds hatte am Vortag die globalen Wachstumsprognosen für die Jahre 2025 und 2026 leicht angehoben, zugleich aber vor Risiken wie steigenden Zöllen, geopolitischen Spannungen und wachsenden Haushaltsdefiziten gewarnt.

