Ölpreise sinken, Wochenplus bleibt bestehen
OPEC+ erhöht Förderung, Indien trotzt US-Druck bei russischen Importen

Die Ölpreise haben am Freitag nachgegeben, steuern jedoch trotz des Rückgangs auf ein Wochenplus zu. Ausschlaggebend für die Entwicklung sind die Erwartung nachlassender Nachfrage in den USA zum Ende der Fahrsaison sowie Unsicherheiten über das russische Angebot. Damit bleibt der Markt zwischen Angebotssorgen und sinkendem Konsum hin- und hergerissen.
Brent-Rohöl zur Lieferung im Oktober, dessen Kontrakt am Freitag ausläuft, fiel um 36 Cent beziehungsweise 0,5 Prozent auf 68,26 Dollar. Der aktivere November-Kontrakt gab um 29 Cent oder 0,4 Prozent auf 67,69 Dollar nach. West Texas Intermediate (WTI) sank um 28 Cent oder 0,4 Prozent auf 64,32 Dollar. Auf Wochensicht zeichnet sich dennoch ein Plus ab: Brent dürfte um 0,8 Prozent zulegen, WTI um rund 1 Prozent.
Im Fokus der Marktteilnehmer steht die bevorstehende Sitzung von OPEC+, dem Bündnis aus den Mitgliedsstaaten der Organisation erdölexportierender Länder und verbündeten Produzenten. Der Verbund hat seine Fördermengen zuletzt beschleunigt erhöht, um Marktanteile zurückzugewinnen. Dies hat die Aussichten auf ein höheres Angebot verstärkt und den Druck auf die Preise erhöht.
Zuvor hatten ukrainische Angriffe auf russische Exportterminals die Preise nach oben getrieben. Auch die jüngsten US-Lagerdaten stützten den Markt: Die Vorräte gingen in der Woche bis zum 22. August stärker als erwartet zurück, was Analysten zufolge auf eine nach wie vor robuste Nachfrage im Industrie- und Frachtsektor hinweist.
Mit dem bevorstehenden Ende der US-Sommersaison und dem Labor-Day-Wochenende flacht die Benzinnachfrage jedoch saisonal ab. Gleichzeitig gelangt mehr Öl von OPEC+-Produzenten auf den Markt. Experten der Commonwealth Bank of Australia gehen deshalb davon aus, dass Brent im vierten Quartal 2025 bis auf 63 Dollar pro Barrel fallen könnte.
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Zur AktienanalyseEin weiterer Unsicherheitsfaktor bleibt der Umgang Indiens mit russischen Öllieferungen. Trotz massiven Drucks aus Washington, die Importe einzustellen, und einer Verdoppelung der US-Zölle auf indische Waren auf bis zu 50 Prozent, halten Händler an der Erwartung steigender russischer Exporte nach Indien im September fest. Analysten gehen davon aus, dass Sanktionen gegen Russland ausbleiben und Neu-Delhi die Drohungen der USA ignorieren wird, um weiterhin Rohöl zu vergünstigten Konditionen einzukaufen.
Das Marktgeschehen bleibt damit stark abhängig von geopolitischen Entwicklungen und den Entscheidungen der großen Förderländer, während gleichzeitig die konjunkturelle Nachfrageseite zunehmend in den Vordergrund rückt.


