Ölpreise sinken wegen schwacher US-Nachfrage
Zinssenkung der Fed und russische Maßnahmen mildern Angebotsängste

Die Ölpreise sind am Freitag gesunken, da Sorgen um die Nachfrage in den Vereinigten Staaten schwerer wogen als die Hoffnung auf einen Konsumschub durch die jüngste Zinssenkung der US-Notenbank. Der Preis für Brent-Rohöl fiel um 15 Cent beziehungsweise 0,2 Prozent auf 67,29 Dollar je Barrel, während die US-Sorte West Texas Intermediate 23 Cent oder 0,4 Prozent nachgab und bei 63,34 Dollar notierte. Trotz der aktuellen Verluste bewegen sich beide Referenzsorten auf einen Wochenanstieg zu und könnten damit die zweite Woche in Folge im Plus abschließen.
Die Federal Reserve hatte am Mittwoch erstmals in diesem Jahr ihren Leitzins um einen Viertelprozentpunkt gesenkt und angedeutet, dass weitere Schritte folgen könnten. Hintergrund ist die spürbare Schwäche auf dem US-Arbeitsmarkt. Niedrigere Kreditkosten fördern in der Regel die Nachfrage nach Rohstoffen, da Investitionen günstiger werden und der Konsum anziehen kann. Dennoch belasteten aktuelle Konjunkturdaten sowie die Entwicklung der Öl- und Treibstoffbestände die Märkte.
Nach Einschätzung von Analysten bewegt sich der Markt zwischen gegensätzlichen Signalen. Während die US-Energiebehörde und andere Institutionen einen Nachfragerückgang anmahnen und damit Erwartungen auf eine deutliche Verteuerung dämpfen, wirken geplante Produktionssteigerungen der OPEC+ und hohe Lagerbestände in den USA preisdämpfend. So stiegen die Vorräte an Destillaten, die unter anderem für Diesel und Heizöl verwendet werden, zuletzt um vier Millionen Barrel. Analysten hatten lediglich mit einem Zuwachs um eine Million Barrel gerechnet. Diese Entwicklung verstärkte die Sorge, dass die Nachfrage im größten Ölverbraucher der Welt schwächelt.
Zudem gaben neue Wirtschaftsdaten Anlass zur Vorsicht. Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe deuteten auf einen abkühlenden Arbeitsmarkt hin, bei dem sowohl die Nachfrage nach Arbeitskräften als auch das Angebot zurückgingen. Auch im Bausektor verschlechterte sich die Lage: Der Bau von Einfamilienhäusern fiel im August auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren, ausgelöst durch ein Überangebot an unverkauften Neubauten.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseAus Russland kamen unterdessen Nachrichten, die die Sorge um mögliche Angebotsengpässe etwas milderten. Das Finanzministerium kündigte Maßnahmen an, um den Staatshaushalt besser gegen Schwankungen der Ölpreise und westliche Sanktionen abzusichern. Zusätzlich trug eine Äußerung von US-Präsident Donald Trump zur Entspannung bei. Er erklärte, er bevorzuge niedrige Ölpreise gegenüber härteren Sanktionen gegen Russland. Diese Haltung ließ die Gefahr von Versorgungsunterbrechungen geringer erscheinen und wirkte damit ebenfalls preisdämpfend.

