Ölpreise sinken vor Ende der Fahrsaison
Russische Lieferungen laufen wieder, Indien bleibt trotz US-Druck Käufer von Rohöl

Der Ölpreis hat am Donnerstag nachgegeben, nachdem er am Vortag noch gestiegen war. Ausschlaggebend dafür waren die Erwartung sinkender Nachfrage in den USA mit dem Ende der Sommerreisesaison sowie die Wiederaufnahme russischer Lieferungen durch die Pipeline Druzhba nach Ungarn und in die Slowakei. Händler rechnen zum bevorstehenden langen Labor-Day-Wochenende mit dem Auslaufen der intensiven Fahrsaison, was traditionell zu einem Rückgang des Benzinverbrauchs führt.
Am Mittwoch hatten die Ölpreise noch von offiziellen Daten profitiert, die einen Rückgang der US-Rohöllagerbestände um 2,4 Millionen Barrel in der Woche bis zum 22. August zeigten. Analysten hatten lediglich ein Minus von 1,9 Millionen Barrel erwartet. Diese Entwicklung galt zunächst als Hinweis auf eine robuste Nachfrage in den Vereinigten Staaten. Dennoch sehen Marktteilnehmer die aktuellen Preistreiber eher als begrenzt an, da sich saisonal bedingt eine Abschwächung abzeichnet.
Der Preis für Brent-Rohöl-Futures fiel am Donnerstagvormittag um 19 Cent beziehungsweise 0,3 Prozent auf 67,86 Dollar je Barrel. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich um 29 Cent oder 0,5 Prozent auf 63,86 Dollar. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern verlieren kurzfristige Faktoren, die den Preisen Auftrieb geben könnten, zunehmend an Bedeutung.
Russische Öllieferungen nach Ungarn und in die Slowakei fließen wieder, nachdem die Druzhba-Pipeline nach einem Angriff in Russland in der Vorwoche zeitweise ausgefallen war. Das bestätigten die ungarische MOL-Gruppe sowie das slowakische Wirtschaftsministerium. Mit der Wiederaufnahme der Transporte fällt ein weiterer Stützungsfaktor für die Preise weg.
Gleichzeitig richtet sich die Aufmerksamkeit auf Indien. Washington drängt Neu-Delhi, seine Ölimporte aus Russland zu reduzieren. US-Präsident Donald Trump hatte die Zölle auf Einfuhren aus Indien am Mittwoch auf bis zu 50 Prozent verdoppelt. Analysten gehen jedoch davon aus, dass Indien kurzfristig weiter russisches Rohöl einkaufen wird, was den globalen Angebotsfluss stabil halten dürfte.
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Zur AktienanalyseZusätzlichen Einfluss auf die Märkte haben die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine. Beide Länder intensivieren ihre Angriffe auf Energie- und Infrastrukturziele des jeweils anderen. Russland führte in der Nacht zu Mittwoch eine großangelegte Drohnenattacke auf Anlagen zur Energie- und Gasversorgung in sechs ukrainischen Regionen durch. Nach Angaben aus Kiew waren daraufhin mehr als 100.000 Menschen ohne Stromversorgung.

