Ölpreise fallen so stark wie seit 2023 nicht
Waffenstillstand und stabile Lieferströme nehmen Risikoaufschlag aus dem Markt

Ein Preisrutsch von rund zwölf Prozent innerhalb einer Woche lässt die Ölpreise so stark fallen wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Grund ist das Ausbleiben gravierender Angebotsunterbrechungen durch die jüngsten Spannungen im Nahen Osten. Analysten sehen daher keinen Anlass mehr für einen sogenannten „Kriegsaufschlag“, der die Preise in den vergangenen Wochen zeitweise gestützt hatte.
Zum Ende der Woche notierte die Nordseesorte Brent bei 68,09 US-Dollar pro Barrel, ein Plus von 36 Cent gegenüber dem Vortag. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 33 Cent auf 65,57 Dollar zu. Beide Öl-Benchmarks stehen damit trotz kleiner Tagesgewinne vor dem größten Wochenverlust seit März 2023.
Die aktuellen Preise bewegen sich wieder auf dem Niveau vor dem israelischen Angriff auf iranische Militär- und Nuklearanlagen Mitte Juni. Zu Beginn der Woche waren die Notierungen zunächst auf ein Fünfmonatshoch geklettert, nachdem die USA iranische Nuklearanlagen ins Visier genommen hatten. Mit der überraschenden Ankündigung eines Waffenstillstands durch US-Präsident Donald Trump sackten die Preise dann am Dienstag deutlich ab.
Laut Marktbeobachtern ist derzeit kein substantieller Einfluss der Iran-Israel-Krise auf den globalen Ölfluss erkennbar. Analysten von Macquarie gehen weiterhin von einem Überangebot aus und prognostizieren für das Jahr 2025 einen täglichen Überschuss von rund 2,1 Millionen Barrel. Ihre Preisprognosen für WTI wurden leicht angehoben: Für das laufende Jahr erwarten sie im Durchschnitt 67 Dollar je Barrel, im kommenden Jahr 60 Dollar – jeweils zwei Dollar mehr als zuvor angesetzt, unter Berücksichtigung geopolitischer Risiken.
Leichten Auftrieb erhielten die Ölpreise zur Wochenmitte durch neue US-Regierungsdaten, die auf deutlich gesunkene Lagerbestände bei Rohöl und Treibstoffen hinweisen. Zudem hätten Raffinerien ihre Aktivitäten erhöht und die Nachfrage sei gestiegen, hieß es. Analyst Phil Flynn von der Price Futures Group erklärte, der Markt beginne nun zu realisieren, wie knapp die Lagerbestände tatsächlich seien.
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Zur AktienanalyseEin weiterer preistreibender Faktor war ein Bericht des Wall Street Journal, dem zufolge Präsident Trump früher als üblich einen neuen Chef der US-Notenbank benennen will. Dies schürte Spekulationen auf baldige Zinssenkungen in den USA, die in der Regel die Konjunktur und damit auch den Ölverbrauch ankurbeln.

