Ölkonzerne halten trotz Krise an Kurs fest
Trotz Schuldenanstieg und Preisdruck bleiben Ausschüttungen an Aktionäre unangetastet

Die großen westlichen Öl- und Gaskonzerne zeigen sich angesichts einer sich verschärfenden globalen Wirtschaftslage bislang wenig bereit, ihren Kurs zu ändern. Obwohl führende Unternehmen der Branche die zunehmende geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheit erkennen, setzen sie ihre Strategien nahezu unverändert fort. Die aktuellen Entwicklungen betreffen insbesondere schwankende Rohölpreise, die seit Jahresbeginn um etwa 20 US-Dollar auf rund 62 US-Dollar pro Barrel gesunken sind. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Preisniveau, das nötig wäre, um Investitionen und hohe Ausschüttungen an Aktionäre ohne zusätzliche Schulden zu finanzieren.
Trotz der schwierigen Lage halten Exxon Mobil, Shell, Chevron und TotalEnergies an ihren Ausgabenplänen fest. Exxon plant für 2025 Investitionen in Höhe von 27 bis 29 Milliarden US-Dollar. TotalEnergies und Shell bleiben ebenfalls bei ihren bisherigen Prognosen. Lediglich BP hat seine geplanten Ausgaben für das laufende Jahr um 500 Millionen auf 14,5 Milliarden US-Dollar reduziert. Im Bedarfsfall könnten weitere 2,5 Milliarden US-Dollar eingespart werden, was laut Unternehmensangaben eine Reduzierung der Produktion zur Folge hätte.
Ein zentrales Merkmal der aktuellen Unternehmenspolitik ist der anhaltende Fokus auf hohe Ausschüttungen an die Aktionäre. Shell und TotalEnergies führten im ersten Quartal Rückkäufe in Höhe von 3,5 beziehungsweise 2 Milliarden US-Dollar durch. Exxon zahlte Dividenden in Höhe von 4,3 Milliarden US-Dollar und kaufte zusätzlich Aktien im Wert von 4,8 Milliarden US-Dollar zurück. Chevron plant zwar eine Reduzierung der Rückkäufe im zweiten Quartal, will im Gesamtjahr aber dennoch zwischen 11,5 und 13 Milliarden US-Dollar dafür ausgeben. BP hat seine Aktienrückkäufe verringert, was jedoch in erster Linie auf unternehmensinterne Probleme zurückzuführen ist.
Die Gesamtverschuldung der fünf größten Konzerne stieg im ersten Quartal 2025 auf 153 Milliarden US-Dollar, gegenüber 129 Milliarden im letzten Quartal 2024. Besonders auffällig war der Anstieg bei TotalEnergies, dessen Nettoverschuldung sich auf 20,1 Milliarden US-Dollar fast verdoppelte. Chevron verzeichnete eine Zunahme um 41 Prozent auf 25 Milliarden US-Dollar. Bei BP, Shell und Exxon fiel der Anstieg moderater aus.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseFür eine nachhaltige Finanzierung ihrer Dividenden- und Rückkaufprogramme im Jahr 2025 wären Brent-Preise von rund 80 US-Dollar pro Barrel erforderlich. Trotz dieser Rahmenbedingungen geben sich die Unternehmen weiterhin unbeirrt und setzen ihre Strategien fort, ohne grundlegende Änderungen vorzunehmen.


