OECD mahnt Haushaltsdisziplin für Großbritannien unter Premier Burnham
Die OECD sieht Großbritannien vor großen Herausforderungen – just als Andy Burnham die Nachfolge von Keir Starmer antritt.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat am Mittwoch eindringlich vor den wirtschaftlichen Herausforderungen Großbritanniens gewarnt. Haushaltsdisziplin, hohe Rentenausgaben und volatile Energiepreise stehen im Mittelpunkt – und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem Andy Burnham voraussichtlich nächste Woche das Amt des Premierministers übernehmen wird.
Die in Paris ansässige Organisation erkennt zwar an, dass sich die britische Wirtschaft nach einer Reihe von Schocks, einschließlich des Brexits, stabilisiert hat. Dennoch warnt sie: „Die Aktivität bleibt jedoch gedämpft, und der sich entwickelnde Konflikt im Nahen Osten stellt die Widerstandsfähigkeit auf die Probe." Hohe und volatile Energiepreise, schwaches Produktivitätswachstum sowie große regionale Disparitäten belasteten weiterhin die Wirtschaftsleistung und den Lebensstandard der Bevölkerung.
Wachstumsprognosen unter IWF-Niveau
Die OECD erwartet für die britische Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von lediglich 0,9 Prozent und für 2027 ein Plus von 1,1 Prozent. Diese Prognosen fallen etwas schwächer aus als die des Internationalen Währungsfonds (IWF), der erst vergangene Woche ein Wachstum von 1,0 Prozent für dieses Jahr und 1,3 Prozent für das nächste Jahr vorhergesagt hatte. Für deutsche Anleger und Beobachter ist dies ein Signal, dass Großbritannien trotz gewisser Stabilisierung weiterhin hinter dem Potenzial großer europäischer Volkswirtschaften zurückbleibt.
Finanzministerin Rachel Reeves zeigte sich dennoch optimistisch. Sie erklärte als Reaktion auf den OECD-Bericht, Großbritannien befinde sich auf Kurs für das schnellste Wachstum unter den großen, reichen Volkswirtschaften Europas. Dabei verwies sie auf Künstliche Intelligenz und verbesserte Beziehungen zur Europäischen Union als Wachstumstreiber.
Fiskaldisziplin und die Sorgen der Investoren
Die OECD betont unmissverständlich: „Fiskaldisziplin bleibt unerlässlich und baut auf den jüngsten Verbesserungen des fiskalischen Rahmens auf." Hohe Staatsverschuldung, steigende Zinszahlungen und wachsender Ausgabendruck – insbesondere im Gesundheits- und Sozialwesen – schränkten den fiskalischen Spielraum der Regierung erheblich ein.
Der ehemalige Bürgermeister von Manchester, Andy Burnham, hat zwar versprochen, an den Fiskalregeln der Regierung festzuhalten. Einige Investoren sind jedoch besorgt, dass er unter dem Druck seiner Mitte-Links-orientierten Labour-Partei die Staatsausgaben ausweiten könnte. Diese Unsicherheit dürfte die Finanzmärkte in den kommenden Wochen beschäftigen.
Die OECD empfiehlt zudem, die sogenannte „Triple-Lock"-Regelung zur Erhöhung der staatlichen Renten zu überprüfen. Gleichzeitig sollten Anreize für Arbeit sowie die private Altersvorsorge gestärkt werden, um den langfristigen fiskalischen Druck zu mindern.
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Zur AktienanalyseEnergie und Regionalentwicklung als Schlüsselthemen
Ein weiterer Schwerpunkt des OECD-Berichts ist die Energiepolitik. Großbritannien solle mehr in die Elektrifizierung seiner Wirtschaft investieren, um die Abhängigkeit von Gasimporten zu verringern. Deren Preise sind in diesem Jahr aufgrund des Iran-Krieges stark gestiegen. Die OECD warnt: „Die Risiken sind weiterhin abwärts gerichtet, insbesondere falls ein lang anhaltender Nahostkonflikt die Energiepreise weiter in die Höhe treibt oder sich die Fragmentierung des Welthandels intensiviert."
Positiv aufgenommen werden dürfte Burnham die Empfehlung zur Verringerung regionaler Produktivitätslücken. Der künftige Premier hat versprochen, den lokalen Behörden größere Befugnisse zu übertragen. Die OECD sieht darin einen zentralen Hebel: Der Abbau regionaler Disparitäten könne dazu beitragen, „das volle Produktivitätspotenzial aller Regionen freizusetzen". Erhöhungen der Staatsausgaben sollten laut OECD gezielt für produktivitätssteigernde Investitionen eingesetzt werden, ergänzt durch Reformen zur Steuereffizienz.


